Studie Foodwatch bekräftigt Kritik an Agrarspekulation

Die Kritiker der Nahrungsmittelspekulation legen nach. Im Auftrag der Verbraucherorganisation Foodwatch hat ein Ökonom eine Studie zu den Folgen der Geschäfte vorgelegt. Sein Fazit: Es gebe keinen wissenschaftlichen Konsens, ein negativer Einfluss auf die Lebensmittelpreise sei aber wahrscheinlich.

Händler an der Rohstoffbörse in Chicago: Umstrittene Geschäfte
AFP

Händler an der Rohstoffbörse in Chicago: Umstrittene Geschäfte


Berlin - Dass Foodwatch nicht so einfach aufgeben würde, war klar. Nun hat die Verbraucherorganisation eine Studie vorgelegt, die zeigen soll, dass Spekulationen mit Agrarrohstoffen durchaus einen Einfluss auf Lebensmittelpreise haben. Es gebe zwar keinen wissenschaftlichen Konsens über die Auswirkungen von Spekulation, sagte der Autor der Studie, Hans-Heinrich Bass. Aber: "Empirische Studien, die sich ausgefeilter Methoden bedienen, kommen tendenziell eher zu dem Schluss, dass Finanzmarktspekulation einen negativen Einfluss auf die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel haben kann."

Eine Gruppe von Ökonomen um den Wirtschaftsethiker Ingo Pies bestreitet die negativen Folgen der Spekulation. Es spreche "wenig dafür, aber viel gegen die Befürchtung, dass Indexfonds das Auf und Ab der Preise für Agrarrohstoffe erhöht haben", schrieb Pies im Mai in der "Süddeutschen Zeitung".

Mit der Metastudie - also einer Untersuchung zahlreicher anderer Studien - wendet sich Foodwatch gegen Pies, auf den sich Banken und andere Unternehmen berufen. Dazu zählen die Deutsche Bank und der Versicherungskonzern Allianz.

Der Bremer Ökonom Bass habe sich detailliert mit den Quellen von Pies beschäftigt. Demnach hätte er einen Literaturüberblick über drei Dutzend Studien vorgelegt, sei bei der Auswahl der Quellen jedoch einseitig vorgegangen. Selbst von den als relevante Belege aufgeführten zehn Studien sehen lediglich fünf empirische Arbeiten tatsächlich positive Effekte der Index-Spekulation - vier dieser fünf Arbeiten gingen allerdings auf eine einzige Wissenschaftlergruppe um den US-Wissenschaftler Scott H. Irwin zurück. Dieser Hauptzeuge für die vermeintliche Unschädlichkeit der Agrarspekulation habe gerade erst offenlegen müssen, dass er eng mit der US-amerikanischen Agrar- und Indexfondsindustrie verbandelt ist.

"Deutsche Bank und Allianz stützen sich auf wissenschaftlich nicht haltbare Argumente", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. Es sei dreist, das Festhalten an Agrarspekulation damit zu begründen, dass die Wissenschaft angeblich Entwarnung gegeben habe. "Es gibt den Beleg für die Unschädlichkeit der finanzwirtschaftlichen Agrarspekulation nicht." Er forderte die Unternehmen erneut auf, die Geschäfte einzustellen: "Wer jetzt nicht die Reißleine zieht, handelt verantwortungslos. Bei ohnehin unterernährten Kindern können schon Preisschocks von wenigen Tagen die nötige Zufuhr an Mikronährstoffen unterbrechen und dazu führen, dass diese Kinder einfach sterben."

cte/AFP



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perlentaucher2345 21.11.2013
1. Die Kritik aus dem »eigenen Haus«...
Zitat von sysopAFPDie Kritiker der Nahrungsmittelspekulation legen nach. Im Auftrag der Verbraucherorganisation Foodwatch hat ein Ökonom eine Studie zu den Folgen der Geschäfte vorgelegt. Sein Fazit: Es gebe keinen wissenschaftlichen Konsens, ein negativer Einfluss auf die Lebensmittelpreise sei aber wahrscheinlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/forscher-nennt-negative-folgen-von-agrarspekulation-wahrscheinlich-a-934870.html
...in allen Ehren - Foodwatch ist ja die einzige diesbzgl. Quelle - aber zu Spekulation gehören immer zwei: Der Spekulant und das, womit spekuliert wird bzw. derjenige, der das zulässt & seine Güter dafür hergibt. Es sollte allmählich klargeworden sein, wo die Profiteure der Globalisierung sitzen, nämlich im immer noch kolonialistisch denkenden Westen zzgl. ein paar Nutzniessern jeweils vor Ort. Die Länder der ehem. III.Welt - um die geht es zumindest derzeit noch hauptsächlich - sollten sich endlich emanzipieren, zumal sie in dem Punkt schon einmal *erheblich* weiter waren.
spmc-122226439819235 21.11.2013
2. Die Grünen und ihre Helfershelfer.....
sind die Förderer der Spekulation und der Profitmacherei auf den Schultern breiter Schichten der Bevölkerung,Biogasanlage - Maisproduktion samt ineffektiver Nutzung , Windradanlagen und Solaranlagen als Boden - und Geldfresser und bioogische Nahrungsmittelproduktion so ineffektiv ,das diese niemals für die Weltbevölkerung ausreichen würde, aber der Steuerzahler fühlt diese netten Menschen die Taschen und murrt nicht einmal- klasse Leistung der Medien !
cruxxx 21.11.2013
3. Wenn man selber keine Argumente hat...
bestreitet man die der anderen Seite... Wenn selbst von Foodwatch bezahlte Studien keine Belege für negative Wirkungen von Indexfonds aufweisen können, stellt sich die frage, ob das der Anfang vom Ende der populistischen Kampagne ist? Aber wahrscheinlich ist die Angst vor Spendenausfällen zu groß...
muellerthomas 21.11.2013
4.
Zitat von sysopAFPDie Kritiker der Nahrungsmittelspekulation legen nach. Im Auftrag der Verbraucherorganisation Foodwatch hat ein Ökonom eine Studie zu den Folgen der Geschäfte vorgelegt. Sein Fazit: Es gebe keinen wissenschaftlichen Konsens, ein negativer Einfluss auf die Lebensmittelpreise sei aber wahrscheinlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/forscher-nennt-negative-folgen-von-agrarspekulation-wahrscheinlich-a-934870.html
Ein schöner Satz. Selbst wenn man also sehr kompliziert vorgeht, findet möglicherweise irgendwie tendenziell vielleicht Hinweise, oder aber auch nicht. Dabei lässt sich die Bewegung der Rohstoffpreise doch problemlos auch durch die Fundamentaldaten erklären.
Halcroves 21.11.2013
5. Seit langem bekannt ...
um 1920 rum geschrieben Die Börsenschiebung ist gesetzlich zulässig und dennoch nichts anderes als ein Taschendiebstahl. Nur der Taschendiebstahl wird bestraft. Aber in beiden Fällen werden Unvorsichtige beraubt von dem, der zupackt. Die Spekulation in Getreide etc. , wobei die Erzeuger alles verlieren, ohne etwas tun zu können, um diese Spekulation zu verhindern, ist gesetzlich zulässig. Das Stehlen eines Sackes Getreide aus dem Lager des Spekulanten dagegen ist schwerer Diebstahl und wird hart bestraft. Beide Handlungen die Spekulation wie auch das Stehlen sind sowohl in der Absicht als auch im Effekt auf die Betroffenen gleich. Das eine gilt vor dem Gesetz als einwandfreies und gesetzlich geschütztes Geschäft, das andere jedoch als Raub. Diese Ungerechtigkeit oder genauer gesagt, diese Unvollkommenheit in den Gesetzen sehen wir ein, verstehen wir und besprechen diese. B.Traven
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