Fragwürdige Investitionen Überirdische Gewinne aus dem All

Geld in Apple- oder Google-Aktien stecken? Ein Schweizer bietet vermeintlich Besseres: Er wirbt für Investments in seine "Supernova-Energie AG" - es sei eines der wachstumsstärksten Unternehmen der nächsten Jahre. Experten  warnen vor derart unseriösen Angeboten, die mit hohen Profiten locken.

Explodierter Stern: Ein Schweizer Unternehmer will Energie aus Supernovas vermarkten
AFP/ NASA

Explodierter Stern: Ein Schweizer Unternehmer will Energie aus Supernovas vermarkten

Von Katharina Pauli


Hamburg - Bis zu tausend Prozent Kursgewinn mit Investments in saubere Energie? Das ist ein verlockendes Angebot. Auch Hans Lehner, der Gründer der Supernova-Energie AG, weiß das. Er wirbt bei Privatanlegern vollmundig mit einem "revolutionären Konzept" und ist sich sicher, dass dadurch "in den folgenden Jahren große Korrekturen in der Schulphysik notwendig sind". Doch um das Projekt weiterzuentwickeln, braucht die Supernova Energie AG irdische Investitionen.

Das Prinzip hinter der angeblichen physikalischen Neuheit: Lehner verspricht Energiegewinn durch Explosionen von Supernovae. Die dabei freigesetzte Energie, die mit "Lehneronen" den Namen ihres Entdecker trägt, soll eine Alternative zu Atomkraft und Windenergie werden.

Mit den Supernova-Energie-Geräten, die aussehen wie Ikea-Schränke aus den siebziger Jahren, sollen Haushalte nach Lehners Vision selbst ihre Energie erzeugen - und so ihren kompletten Strom- und Heizbedarf abdecken. Stellt man sich ein Gerät ins Haus, arbeitet es laut Lehner automatisch und passt die Energieproduktion dem Verbrauch an. Damit will der Unternehmer eine Alternative zu Atomkraft und Co. schaffen.

Unseriöse Angebote ohne Beratung

Doch um seine Dauerstrom-Aggregate in Serie zu bringen, braucht Lehner zehn Millionen Euro. Darum will er nun Unternehmensanteile loswerden - auch die "Einführung an einer europäischen Börse für Hightech- und Konzepttitel ist geplant". Aktuell liegt der Preis pro Aktie bei fünf Schweizer Franken. Finden sich tatsächlich Anleger, die an die versprochenen "Kursgewinne von hundert bis tausend Prozent" glauben, dürfen die sich wohl in eine Liga mit denen träumen, die vor Jahren das Potential in Apple-Aktien sahen. Vermutlich wird's aber beim Träumen bleiben.

Lehner sagt, er leiste "Pionierarbeit": "Wir arbeiten an einer ganz neuen Produktgeneration." Bislang seien seine Erkenntnisse bestritten worden, doch davon ließe er sich nicht unterkriegen. Er will weiterforschen - "und dafür brauchen wir Geld". Gleichwohl gibt er zu, dass der Aktienverkauf "schleppend" laufe und er die Frist verlängern musste.

Frank Rottenbacher kann über derartige Angebote nur schmunzeln: "Das hat nichts mit ordentlicher Beratung zu tun", sagt der Finanzberater und Vorstand beim Bundesverband Finanzdienstleistung. In letzter Zeit beobachtete der Finanzexperte, dass immer mehr Unternehmen Trends ausnutzen und mit den Dauerbrennern Gold und Energie werben.

Warnsignale: Direkte Aufforderung

Verbrauchern rät er, auf Warnsignale wie ein fehlendes Impressum, die Aufforderung, etwas "jetzt" zu kaufen, sowie eine unseriös wirkende Homepage zu achten. "Wenn diese Anbieter so lukrative Modelle anböten, hätten andere schon längst reagiert."

Auch Thomas Zoufal vom Hamburger Forschungszentrum Desy bezweifelt, dass es sich bei dem Modell um ein seriöses Angebot handelt: "Das ist Scharlatanerie", sagt der Physiker und nennt die Web-Präsenz ein "Sammelsurium von Kuriositäten". "Wenn man eine solche Internetseite hat, kann man nicht ernsthaft versuchen, Aktien zu verkaufen."

Auf solchen Widerstand ist Hans Lehner anscheinend eingestellt: Auf der Homepage der Supernova-Energie AG zitiert der Geschäftsmann vorausschauend Albert Einstein mit dem Spruch "Große Geister sind immer auf den erbitterten Widerstand Mittelmäßiger gestoßen."

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