Franken-Aufwertung Deutsche Wirtschaft frohlockt über Euro-Absturz

Die Schweiz gibt die Kopplung des Franken an den Euro auf, die deutsche Wirtschaft freut sich. Die Aufwertung der Schweizer Währung sei wie ein Konjunkturprogramm für Industrie, Autobauer und Tourismuswirtschaft.

Absturz des Euro im Verhältnis zum Schweizer Franken: Gut für Deutschland
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Absturz des Euro im Verhältnis zum Schweizer Franken: Gut für Deutschland


Berlin - Des einen Freud, des andern Leid: Die massive Aufwertung des Schweizer Franken nutzt auch der deutschen Wirtschaft: "Das ist ein Extra-Konjunkturprogramm - etwa für die deutsche Tourismuswirtschaft in der laufenden Wintersaison, aber auch für die Autobauer und andere Industriezweige", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Alexander Schumann, am Freitag. "Die Schweizer mögen deutsche Autos. Die werden jetzt billiger für sie."

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte am Donnerstag überraschend die Kopplung der Währung an den Euro aufgehoben, wodurch der Franken rund 20 Prozent teurer wurde.

"Der Urlaub in der Schweiz wird dadurch für viele unerschwinglich", sagte Schumann. "Viele Winterurlauber werden auf Deutschland oder Österreich ausweichen." Umgekehrt könnten Schweizer Unternehmen viele Produkte aus der Eurozone billiger erwerben. "Die Schweiz ist industriestark", sagte Schumann. "Sie brauchen Industrieausrüstungen, und die hat Deutschland in Hülle und Fülle."

Der DIHK rechnet auch mit steigenden Schweizer Investitionen in Deutschland. "Wenn der eigene Standort teurer wird, wird die Produktion im Euroraum attraktiver", sagte der Chefvolkswirt. "Hier kommt Deutschland ins Spiel, zumal es keine sprachlichen und kulturellen Barrieren gibt." Die Schweiz war bereits 2014 zweitgrößter ausländischer Investor in Deutschland - nach den USA, aber noch vor China und Großbritannien.

Erste Pleite in der Finanzwelt

Die abrupte Kehrtwende der SNB hat einige Banken schwer getroffen. Vor allem Währungshändler litten massiv unter der Entscheidung der Notenbank, die 2011 eingeführte teilweise Anbindung des Franken an den Euro aufzugeben. So musste der kleine neuseeländische Devisenhändler Global Brokers nach der Entscheidung der SNB sein Geschäft sofort einstellen. Die Verluste hätten das Kapital der Firma aufgefressen, womit sie nicht mehr den Anforderungen der Finanzaufsicht genüge, hieß es in einer Unternehmensmitteilung.

Der größte Anbieter von Devisenhandel für Kleinanleger in den USA, FXCM, bezifferte die Verluste seiner Kunden auf 225 Millionen Dollar. Auch andere Devisenhändler sprachen von Einbußen für ihre Kunden in Höhe von mehreren zehn Millionen Dollar. Experten gehen davon aus, dass das ganze Ausmaß der Verluste erst langsam ans Licht kommen wird und weitere Pleiten folgen könnten.

Als Reaktion auf die SNB-Entscheidung war der Kurs des Euro am Donnerstagnachmittag von 1,20 Franken auf bis zu 0,85 Franken eingebrochen. Anschließend pendelte sich der Kurs knapp über der Parität zwischen den beiden Währungen ein. Bisher hatte die Schweiz einen Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro festgelegt. Damit wurde die Währung künstlich geschwächt, um die Exporte aus der Schweiz nicht zu gefährden.

Bonität unbeeinträchtigt

Die Kreditwürdigkeit des Landes wird nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor's aber nicht negativ beeinflusst. Die Aufwertung des Franken könnte die Exporte für zwei bis drei Jahre schwächen und das Wirtschaftswachstum dämpfen. "Trotzdem: Wir denken, die starke Schweizer Wirtschaft und die soliden öffentlichen Finanzen werden diesem Wechselkurs-Schock standhalten", teilte die Ratingagentur am Freitag mit. S&P stuft die langfristigen Verbindlichkeiten der Schweiz mit der Bestnote "AAA" ein.

nck/Reuters/dpa

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insgesamt 179 Beiträge
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Seite 1
Untertan 2.0 16.01.2015
1. Häme
Also ich freue mich nicht, ich wollte von meinen Euros vielleicht auch noch mal was kaufen. Und wenn "die deutsche Wirtschaft" derart frohlockt über meine missliche Lage, dann werden das wohl eher keine deutschen Produkte sein. Ich nehme sowas schnell persönlich....
censored 16.01.2015
2.
ja ist toll, wenn die Deutschen arbeiten bis zum umfallen zum Mindestlohn um sich dann die Nase am Schaufenster platt zu drücken und zu zugucken wie die Schweizer einkaufen.
chiefseattle 16.01.2015
3. Milliarden-Vermögen
Wird das deponierte Vermögen von Ausländern eigentlich in Franken oder Euro/Dollar gerechnet?
elvezia 16.01.2015
4. Unser CH Beitrag
an die Ankurbelung der Konjunktur des Euroraumes. Die Hoteliers und Exporteure im Euroraum kriegen ein paar harte Devisen mehr in die Kasse. Sagt Danke!
rt325 16.01.2015
5. genau
die Schweizer kaufen jetzt mehr ein mit dem Geld was sie weniger bekommen da Touristen usw. ausbleiben werden. Das mag ja sogar kurzfristig funktionieren, aber langfristig könnte es eher eng werden für die Schweiz
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