Franken-Freigabe Schweizer Börse stürzt ab

Investmentmanager sprechen von einem Gemetzel: Die Schweizer Zentralbank deckelt den Kurs des Franken nicht länger, Aktienkurse in der Eidgenossenschaft stürzen in die Tiefe. Auch der Euro gerät massiv unter Druck.

Schock am Vormittag: Der Tagesverlauf des Schweizer Leitindex SMI
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Schock am Vormittag: Der Tagesverlauf des Schweizer Leitindex SMI


Zürich - Die Freigabe des Franken-Kurses durch die Schweizer Notenbank hat zu einem Absturz der Börsenkurse im Land geführt. Der Leitindex SMI brach zeitweise um fast 14 Prozent ein. In dem 20 Unternehmen umfassenden Index rutschten mit Ausnahme des Telekomkonzerns Swisscom alle Werte massiv ab. Die Kurse des Uhrenherstellers Swatch, des Luxusunternehmens Richemont oder des Zementherstellers Holcim sanken an der Börse in Zürich um zwölf bis 15 Prozent. Die Kurse der Banken Julius Bär und UBS gaben um zehn Prozent nach.

Laut Schätzungen wurden in kurzer Zeit Börsenwerte von rund 100 Milliarden Dollar vernichtet. Sollte die Entwicklung anhalten, könnte sie zum größten Tagesverlust seit mehr als 25 Jahren führen.

Der Swatch-Chef Nicolas Hayek nannte die Entscheidung der Zentralbank einen "Tsunami". Darren Courtney-Cook, Handelschef von Central Markets Investment Management sprach von einem "Gemetzel".

"Die Auflösung der Wechselkursbindung wirkt wie die Sprengung eines Staudamms", sagte ein Börsianer. Die künstlich angestaute Franken-Schwäche entlade sich nun schlagartig in einer Aufwertung der Schweizer Währung.

Einige Analysten sprachen von einem Vertrauensverlust für die Schweizer Notenbank. Deren Präsident hatte noch vor einigen Tagen den Nutzen des Euro-Mindestkurses für den Franken bekräftigt. Nun reagierten die Märkte panisch auf die Kehrtwende der Notenbank. "Offensichtlich war niemand auf den Schritt vorbereitet", sagte Analyst Christian Lips von der NordLB.

Auch der deutsche Aktienmarkt geriet in Turbulenzen. Der Dax Chart zeigen knickte ein und lag zwischenzeitlich 1,8 Prozent im Minus, bevor eine Beruhigung einsetzte.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte am Donnerstag den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufgehoben. Bisher hatte sie zur Schwächung der eigenen Währung an den Devisenmärkten Euro gekauft. Diese Nachfrage fällt jetzt weg, was die Gemeinschaftswährung stark unter Druck setzt. Zeitweise fiel der Euro Chart zeigen um mehr als 28 Prozent auf 0,86 Franken. Auch gegenüber dem Dollar gab die Gemeinschaftswährung deutlich nach. Der Euro fiel zeitweise auf 1,1575 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit November 2003. Am späten Vormittag notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1735 Dollar.

Die Auswirkungen der Entscheidung auf die stark exportabhängige Schweizer Wirtschaft dürften erheblich sein. Denn ein starker Franken macht die Schweizer Produkte im Ausland teurer. Die SNB teilte mit, die heimische Wirtschaft habe die vergangenen Jahre genutzt, "um sich auf die neue Situation einzustellen". Offenbar bezweifeln jedoch viele Anleger, dass diese Vorbereitungen ausreichen.

dab/mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 134 Beiträge
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Seite 1
AlexZatelli 15.01.2015
1.
Fällige Korrektur für überbewertete Aktien.
Alexander Teeee. 15.01.2015
2. Alles ganz nett.
Wieder mal eine BallaBalla-Entscheidung einer Zentralbank, wie ich das gar nicht vermisst habe. Also nächster in der lustigen Runde dürfte die BoJ folgen, die mit ähnlich dummen Kampfansagen den big boys ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Schade, dass, obwohl das alles ziemlich leicht nachvollziebar ist, unter Otto-Normalverbraucher immer noch genug Dumme zu finden sind, denen man das Geld leicht aus der Tasche ziehen können. Gerade vorhin hier im Forum wieder gelesen, dass jemand sogar noch zum Kauf von Schweizer-Aktien gratuliert hat und das war nicht ironisch gemeint. Selten so gelacht....
crewmitglied27 15.01.2015
3. Was schreiben Sie denn da?
"Laut Schätzungen wurden in kurzer Zeit Börsenwerte von rund 100 Milliarden Dollar vernichtet." Das Geld ist nicht weg. Es hat nur jemand anders als die Anteilseigner.
spiegelleser861 15.01.2015
4. Schweiz
Tja, da fällt der Sommerurlaub in der Schweiz wohl aus, bzw. werden die Schweizer Kosten auf ein Minimum reduziert. Bei 1,2-Umrechnungskurs war die Schweiz schon teuer, bei 1:1 ist das reinster Luxus. Aber man kann ja z.B. ein deutschen Bergführer nehmen oder ein Hotel auf der italienischen Seite der Tessiner Seen buchen...
eisbaerchen 15.01.2015
5. Man könnte sich
kaputt lachen über die Finanzmärkte, wenn es einen nicht selber direkt am Geldbeutel treffen könnte...was für ein Affentheater...
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