Fraport Frankfurter Flughafen wirbt in Südosteuropa Gastarbeiter an

Liegt es am Arbeitskräftemangel, zu hohen Mieten - oder ist der Fraport-Konzern einfach zu knauserig? Die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens sucht auf dem Balkan nach neuen Mitarbeitern.

Flughafen Frankfurt: Arbeiter entladen Fracht (Archiv)
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Flughafen Frankfurt: Arbeiter entladen Fracht (Archiv)


Der Frankfurter Flughafen blickt auf ein "sehr starkes Jahr" zurück, so hat es jedenfalls Stefan Schulte verkündet, Vorstandschef der Betreibergesellschaft Fraport AG. Umsatz und Gewinn sind gestiegen, auch die Passagierzahlen in Frankfurt sind um mehr als sechs Prozent gestiegen - und 2018 soll sogar noch besser werden.

Ein Problem aber bleibt ungelöst: Am Frankfurter Airport - mit 81.000 Stellen die größte Arbeitsstätte in Deutschland - werden die Arbeitskräfte knapp. Vor der besonders reise- und personalintensiven Sommersaison sucht nicht nur Flughafenbetreiber Fraport händeringend Personal.

Jede zehnte von mehr als 20.000 Stellen ist bei dem MDax-Konzern und seinen Tochtergesellschaften derzeit nicht besetzt. Weil auch die eigenen Verwaltungsangestellten und die Betriebsrentner im Sommer trotz guter Prämien nur begrenzt beim operativen Geschäft im Terminal und an den Flugzeugen aushelfen können, hat Fraport angekündigt, einen neuen Weg zu gehen.

"Wir wollen Arbeitskräfte hauptsächlich in Griechenland, Bulgarien und Kroatien direkt ansprechen, einen Job am Flughafen Frankfurt zu übernehmen", sagt Fraport-Personalvorstand Michael Müller. Noch im April will Fraport bei Info-Veranstaltungen in Hotels geeignete Leute finden, die zumindest Grundkenntnisse in Deutsch und Englisch mitbringen. Mindestens fünf Prozent der aktuellen Personallücke, also rund 100 Leute, sollen auf diesem Weg rekrutiert werden. 2019 sollen es dann deutlich mehr werden.

Am Flughafen werden keineswegs nur qualifizierte Fachkräfte gesucht, die auf dem leer gefegten Rhein-Main-Arbeitsmarkt ohnehin schwer zu finden sind. Auch Ungelernte haben am Flughafen ihre Chancen, etwa bei der Gepäckabfertigung. In einfachen Tätigkeiten können Berufsanfänger zum Einstieg mit rund 25.000 bis 30.000 Euro Bruttogehalt im Jahr rechnen. Das sei "deutlich über Mindestlohn", sagt Manager Müller.

Griechen sollen dauerhaft nach Frankfurt ziehen

Leben kann man davon im teuren Frankfurt allerdings nur schwer, weswegen Fraport günstige Zimmer in nahe gelegenen Pensionen oder eigenen Liegenschaften anbietet. Perspektivisch will das Unternehmen zusätzliche Wohnmöglichkeiten in modernen Apartmenthäusern im nahen Kelsterbach schaffen.

Die Arbeitsagentur Frankfurt hat am Flughafen nicht nur für Fraport ein eigenes Vermittlungsbüro eingerichtet. Schließlich suchen auch Hunderte Sicherheits-, Fracht- und Serviceunternehmen hier permanent Leute. Zur Jobmesse "Startbahn zum Job" im März hatte allein die Frankfurter Arbeitsagentur 7400 Arbeitslose eingeladen - von denen allerdings nur jeder Dritte erschien. Ihnen wurden mehr als 8500 konkrete Jobs vorgeschlagen. Allerdings passen die Anforderungen der Unternehmen und das Profil der Jobsucher nicht immer zusammen. Die Airport-Jobs sind häufig im Schichtdienst, setzen beispielsweise gute Englischkenntnisse und eine robuste Gesundheit voraus. Die Tätigkeiten im Sicherheitsbereich kann zudem nur erledigen, wer einer polizeilichen Sicherheitsüberprüfung standhält.

Fraport will deshalb seine Präsenz in Griechenland nutzen, wo das Unternehmen seit rund einem Jahr 14 Regionalflughäfen betreibt. Auch in den bulgarischen Ferienzielen Varna und Burgas sind die Frankfurter vor Ort. An reinen Saisonkräften sei man aber nicht interessiert, sagt Fraport-Vorstand Müller. "Es ist nicht unser Ziel, Fachkräfte für Griechenland auszubilden. Wir suchen Menschen, die dauerhaft am Flughafen Frankfurt arbeiten."

Dafür und für einen Nachzug der Familien sind besondere Anstrengungen zur gesellschaftlichen Integration notwendig. Immerhin arbeiten bei der Flughafengesellschaft Menschen aus 88 Nationen, sodass sich schnell Anknüpfungspunkte über Landsleute ergeben. Betriebssportgruppen und aktive Gemeinschaften wie die griechische Gemeinde in Kelsterbach sind weitere Möglichkeiten.

Der Fraport-Betriebsrat ist angesichts der stark steigenden Passagierzahlen grundsätzlich mit der Anwerbeaktion einverstanden. "Wir dürfen das Stammpersonal nicht bis aufs Letzte auspressen", sagt Betriebsratschefin Claudia Amier. Sie hält dem Management allerdings vor, die Beschäftigtenzahl in den vergangenen Jahren zu stark nach unten gefahren zu haben.

beb/Christian Ebner (dpa)

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