Frankreich Lidl-Filialleiter streikt gegen "höllisches" Arbeitstempo

Der Leiter einer französischen Lidl-Filiale hat es satt: Seine Mitarbeiter litten unter Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfällen, doch die Anforderungen der Firmenleitung würden immer härter. Jetzt streikt der Chef persönlich für bessere Bedingungen.

Lidl-Filiale: Regale einräumen, putzen, kassieren
AP

Lidl-Filiale: Regale einräumen, putzen, kassieren


Rennes - Er steht auf dem Parkplatz, hält ein Schild in der Hand - und bestreikt seine eigene Filiale: Jean-Marie Hubert ist seit 17 Jahren Leiter eines Lidl-Supermarkts in Lamballe in der Bretagne, doch jetzt hat er genug von den Vorgaben der Billigmarktkette. Das geforderte Arbeitstempo werde "immer höllischer", sagt Hubert der Nachrichtenagentur AFP. "Wir arbeiten ständig im Eiltempo, und wir haben keine Zeit, das, was wir machen müssen, gut zu machen."

Der Filialleiter ließ sich zwei Wochen krankschreiben und protestiert nun gegen die Arbeitsbedingungen. Viele Mitarbeiter aber litten still vor sich hin, sagte Hubert. Sie müssten alles im Laden machen - Regale einräumen, kassieren, putzen - und bekämen davon Rückenbeschwerden oder Sehnenentzündungen. Doch das lasse die Firmenleitung nicht als Entschuldigung gelten. "Als ob Rückenbeschwerden und Bandscheibenvorfälle für sie mit zum Arbeitsvertrag gehören", schimpft Hubert.

Die Vorgaben würden zudem immer härter, und wenn der Filialleiter sie nicht einhalte, ermahne ihn die Geschäftsführung: "'Sie sind schlecht organisiert' oder 'Sie sind unfähig'", hieße es dann. Huberts Forderung ist klar: Die Firmenleitung muss etwas tun, um den Stress für die Mitarbeiter deutlich zu senken.

sdm/AFP



insgesamt 62 Beiträge
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eagle1903 20.04.2011
1.
Die Firmenleitung wird sicherlich etwas unternehmen, suchen Sie sich einen neuen Job wie wäre es bei Aldi ? Discounter sind moderne Sklavenhalter das kann sich nur dann ändern wenn alle Streiken aber die Organisition wird es schon zu vermeiden wissen. Kein Betriebsrat, keine Gewerkschaft, keine Kontrollen. Der Staat schaut weg nicht nur in Frankreich das Modell ist in Deutschland erst perfektioniert worden.
Atomfritz 20.04.2011
2. In "meiner" Lidl-Filiale sieht das allerdings etwas anders aus.
Während die Kühlwaren unausgepackt im Warmen stehen, und sich vor der einzigen geöffneten Kasse eine Riesenschlange windet, tönt fröhliches Schwatzen aus dem Mitarbeiter-Pausenraum. Aber vielleicht ist das ja in Frankreich ein wenig anders.
Alf.Edel 20.04.2011
3. Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfälle...
Zitat von sysopDer Leiter einer französischen Lidl-Filiale hat es satt: Seine Mitarbeiter*litten unter Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfällen, doch die Anforderungen*der Firmenleitung würden immer härter. Jetzt streikt der Chef persönlich*für bessere Bedingungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,758078,00.html
Dagegen kann man etwas tun: Rückentraining im Fitnessclub, Pilates usw. Ist bei uns in der Firma usus. Und nicht rumheulen Franzosen, willkommen im Konkurrenzkampf! ;)
fatherted98 20.04.2011
4. ich kauf...
...gern bei Lidl...und hab da auch noch niemanden gesehen der sich totgearbeitet hätte. Vielleicht sollten die Storyschreiber mal ne Woche im Straßenbau verbringen...da tut einem schon nach 2 Stunden an der Teermaschine das Kreuz so weh und das atmen wird so schwer das es kaum auszuhalten ist...da tauscht man gern mit jedem Lidl Marktleiter.
Pacolito, 20.04.2011
5. Hmm...
In Deutschland undenkbar, dass sich ein Vorgesetzter so mit seinen Untergebenen solidarisiert. Für 50 Cent mehr und in 2 Jahren dann den Titel "Senior Advisor" o.ä. finden sich hier doch mehr als genügend Leute, die sich freudig zum Büttel machen lassen.
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