Frankreich Mängel an Rohren in Atomkraftwerken

In mehreren französischen Meilern wurden nicht erdbebensichere Wasserrohre entdeckt. Betroffen ist auch das Kernkraftwerk Cattenom - dennoch genehmigte das Land einen neuen Reaktor.

Das AKW Cattenom
AFP

Das AKW Cattenom


In mehreren französischen Atomkraftwerken gibt es Mängel an Wasserrohren. Der Betreiber EDF hat die Schwachstellen bei Kontrollen entdeckt. Bei einem Erdbeben hätte dadurch die Wasserversorgung der Anlagen gefährdet werden können, gab EDF bekannt.

Es geht um Rohre, die die Kraftwerke im Fall eines Brandes versorgen sollen: Ihr Metall sei teilweise nicht dick genug, um die Erdbebensicherheit nachzuweisen. Bei 20 Reaktoren hätten die Analysen gezeigt, dass dies das Risiko einer Überschwemmung der Pumpstation verursachen könnte. Diese Stationen pumpen auch Kühlwasser in die Anlage.

Das Problem wurde von EDF in einer Meldung an die französische Atomaufsicht auf Stufe 2 der internationalen Ines-Skala eingestuft, das heißt als Störfall. Die Skala reicht von 0 (keine oder geringe sicherheitstechnische Bedeutung) bis 7 (katastrophaler Unfall).

Auch Cattenom betroffen

Der Stromkonzern teilte mit, dass die betroffenen Rohre bei neun Reaktoren bereits verstärkt worden seien. Bei fünf Reaktoren, die derzeit stillstehen, werde dies derzeit getan. Für sechs Reaktoren, die in Betrieb sind, hat das Unternehmen jeweils einen der beiden Kühlkreisläufe gesichert.

Auch die vier Reaktoren des Atomkraftwerks Cattenom nahe der deutschen Grenze zum Saarland waren von dem Problem betroffen, bei der Hälfte von ihnen ist es laut EDF bereits behoben. Die Mängel hätten keinerlei Auswirkung auf die Sicherheit der Mitarbeiter oder der Umwelt gehabt.

Erst am Dienstag hatte Greenpeace in einer Studie den französischen AKWs mangelnde Sicherheit vorgeworfen. Im Falle eines Terroranschlags seien die Abklingbecken nicht ausreichend gesichert hieß es. EDF hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Atomaufsicht genehmigt Reaktorbehälter für Flamanville

Trotz Materialfehlern hat die französische Atomaufsicht auch grünes Licht für den Druckbehälter des neuen Reaktors in Flamanville am Ärmelkanal gegeben. Wenn während des Betriebs spezielle Kontrollen durchgeführt würden, sei der Start der im Bau befindlichen Anlage nicht infrage gestellt, teilte die Aufsichtsbehörde ASN mit. Der derzeitige Deckel könne jedoch nicht über 2024 hinaus benutzt werden. Ein Reaktordruckbehälter umschließt die Brennelemente eines Atomkraftwerks.

2015 waren Auffälligkeiten bei der Zusammensetzung des Stahls bekannt geworden, der an manchen Stellen mehr Kohlenstoff enthält als geplant. Daraufhin wurde überprüft, ob der Behälter widerstandsfähig genug ist. Mit ihrer Entscheidung blieb die ASN nun trotz des Protests von Atomkritikern bei der Linie, die sie schon in einem vorläufigen Dokument im Juni dargelegt hatte.

brt/dpa

insgesamt 3 Beiträge
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Bueckstueck 11.10.2017
1. Horrortechnologie
Das ganze Konzept der Kernkraft basiert auf Risikokalkulation und dem (angeblichen) ausschliessen sämtlicher Störquellen - zurück soll das sogenannte Restrisiko durch Unwägbarkeiten bleiben. Hier sieht man mal wieder das überall etwas gemurkst und gemauschelt wird - am Ende bleibt in Teilbereichen offenkundig nur das Prinzip Hoffnung, dass etwas nicht passiert was nicht passieren darf.
gersois 11.10.2017
2.
Was ist eigentlich aus der versprochenen und angeblich beschlossenen Abschaltung von Fessenheim geworden? Kann sich Macron noch daran erinnern?
wauz 11.10.2017
3. Die Wünsche Macrons
Herr Macron wünscht sich viel von der neuen Bundesregierung. Das sollte diese zum Nutzen UNSERER Bevölkerung einsetzen: Ohne Atomausstieg geht gar nichts. Desgleichen an die Adresse von Belgien, Tschechien, Ungarn...
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