Frankreich Umweltminister erwägt Abschaltung von bis zu 17 Atommeilern

Viele Deutsche blicken mit Sorge auf Frankreichs störanfällige Atomreaktoren. Nun hat Frankreichs Umweltminister Hulot von der Stilllegung zahlreicher Kernkraftwerke gesprochen.

Atomkraftwerk in Civaux
AFP

Atomkraftwerk in Civaux


Frankreich könnte nach Angaben von Umweltminister Nicolas Hulot bis zu 17 Atomreaktoren abschalten. Dies sei nötig, um das Ziel des Energiewende-Gesetzes zu erfüllen, den Atomanteil an der Stromproduktion bis 2025 auf 50 Prozent zu drücken, sagte Hulot dem französischen Radiosender RTL.

Bislang kommen etwa 80 Prozent des französischen Stroms aus Atomkraft. Das Land hat 58 Reaktoren. Bei vielen von ihnen handelt es sich um störanfällige und schlecht gesicherte Meiler. Wegen Unregelmäßigkeiten mussten 2016 fünf Reaktoren vorübergehend stillgelegt werden.

"Jeder kann verstehen, dass wir eine gewisse Anzahl Reaktoren schließen werden, um dieses Ziel einzuhalten", sagte Hulot. "Lassen Sie mich die Dinge planen, es werden vielleicht bis zu 17 Reaktoren sein, man muss sich das anschauen."

Den Anteil an Atomkraft an Frankreichs Energieerzeugung zu senken, war 2015 beschlossen worden. Bislang gibt es aber nur für das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim nahe dem südbadischen Freiburg einen Plan zur Schließung. Ein entsprechendes Dekret hatte die Vorgängerregierung im April auf den Weg gebracht.

Doch die Atomlobby in Frankreich gilt als mächtig. In Flamanville wird mit dem Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) zudem auch ein neues Kernkraftwerk als Ersatz für Fessenheim gebaut.

apr/dpa

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thorsten.brandt.et 10.07.2017
1. nur 17 Blöcke ?
Bei Stillegung der ältesten Baureihe CP0-2 mit 900MW sind das gerade einmal 15GW - also ein Reduktion von 63GW auf knapp unter 50GW - diese Reduktion um nicht einmal 25% der Nennleistung - wird nicht reichen, um den Atomstromanteil von > 75% auf 50% - also um ca. 33% zu senken - entweder fahren die anderen Blöcke dann in Teilen Mittellast - wofür sie defakto nicht ausgelegt sind - und was zugrösserer Degradation führt - oder die Rechnung passt nicht ... Ein Anfang mehr nicht - wenn alle Blöcke stillgelkegt werden bis 2025 die älter als 40 Jahre sind müssten mehr als 25 Blöcke der 900MW-Baureihe vom Netz gehen - was auch technisch kein Problem ist, wenn man auf Export (wer will schon französischn Atomstrom verzichtet) verzichtet, Stromheizungen zumindest durch Luft-Luft-Wärmepumpen substituiert und etwas Solar-/Offshore-Wind hinzubaut ... Ein paar G&D-Blöcke werden wohl auch kommen - denn niemand kann der Meinung sein, AKW könnten oder sollten Lastgradieten mitgehen, die G&D-Blöcke machen können ... Im Endeffekt wird Solar - bereits heute mit 3-4 cent/kwh Stromgetehungskosten in Südfrankreich machbar - genauso wie in Spanien - fas alle AKWs in der nächsten Dekade in Frankreich killen ... ... und das ist gut so ...
MiniDragon 10.07.2017
2. was er gesagt und nicht gesagt hat
"Jeder kann verstehen, dass wir eine gewisse Anzahl Reaktoren schließen werden ( oder müssen?? ), um dieses Ziel einzuhalten. Lassen Sie mich die Dinge planen, es werden vielleicht bis zu 17 Reaktoren sein, man muss sich das anschauen.“ Das soll Umweltminister Nicolas Hulot am Montag im französischen Radiosender der RTL auf Französisch gesagt haben . Jedenfalls hat er noch gar nichts darüber gesagt, ob und wie die stillgelegten Kraftwerke durch andere ersetzt werden sollen!
diplommaurer 10.07.2017
3. Sicher ist wohl,
dass die Franzosen keine deutschen Strompreise für ihre Privathaushalte und die Wirtschaft akzeptieren werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/strompreise-wirtschaft-will-bei-oekostrom-umlage-entlastet-werden-a-1155651.html
loddarcontinua 10.07.2017
4. Sie wissen aber, dass die Franzosen eine
Zitat von diplommaurerdass die Franzosen keine deutschen Strompreise für ihre Privathaushalte und die Wirtschaft akzeptieren werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/strompreise-wirtschaft-will-bei-oekostrom-umlage-entlastet-werden-a-1155651.html
höhere Energierechnung (Strom, Heizung, Verkehr...) haben als wir. Auch die gesamte Abgabenbelastung (Steuern, Sozialbeiträge....) ist deutlich höher als bei uns. Der Strompreis in Frankreich wird von der Regierung festgelegt. EDF/Areva haben natürlich keinerlei Rücklagen gebildet für den Rückbau ihrer AKWs und für die Atommülllagerung. Beide sind hochverschuldet ....
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