Rückstände im Honig Französische Imker zeigen Bayer wegen Glyphosat an

In französischem Honig wurden Glyphosat-Rückstände nachgewiesen. Der Imker-Verband wirft dem Herbizid-Hersteller Bayer deshalb den "Vertrieb schädlicher Substanzen" vor.

Wabe aus einem Bienenstock
DPA

Wabe aus einem Bienenstock


Französische Imker haben Anzeige gegen den Chemiekonzern Bayer erstattet. Dabei geht es um Rückstände des Unkrautvernichters Glyphosat in Honig, teilte der Imker-Verband aus dem Verwaltungsbezirk Aisne im Nordosten Frankreichs mit.

Glyphosat ist der Hauptbestandteil des Herbizids Roundup, das zu Bayer gehört, seit der Leverkusener Konzern den US-Saatguthersteller Monsanto übernommen hat. Bayer hatte die Übernahme am Donnerstag formell abgeschlossen.

Der Verband vertritt rund 200 Imker und wirft Bayer und Monsanto den "Vertrieb schädlicher Substanzen" vor. Eines der Mitglieder habe seinen Honig nicht an einen Großhändler verkaufen können, da dieser bei Laboruntersuchungen Glyphosat-Rückstände festgestellt habe, sagte Verbandspräsident Jean-Marie Camus.

Einsatz von Roundup auf benachbarten Feldern

Die Imker vermuten, dass der Honig durch den Einsatz von Roundup auf benachbarten Raps- oder Rübenfeldern verunreinigt wurde. Camus hofft, dass die französischen Behörden den Vorfall untersuchen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte im Herbst angekündigt, Glyphosat verbieten zu lassen, nachdem die EU die Zulassung für die Substanz für fünf Jahre verlängert hatte. Das geplante Verbot scheiterte aber Ende Mai in der Nationalversammlung.

Da es den durch Glyphosat im Unkraut blockierten Stoffwechsel in Menschen und Tieren nicht gibt, ging man lange davon aus, dass das Mittel keine Gesundheitsgefahr darstellt.

2015 stufte die Krebsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation den Stoff allerdings als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Damit stellte sie sich gegen die Bewertungen einer Vielzahl von Institutionen, die diese Gefahr nicht sehen. (Lesen sie hier mehr über das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat.)

cop/AFP



insgesamt 22 Beiträge
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der IV. Weg 08.06.2018
1. Unkraut
es gibt kein Ungraut in der Natur ! Das ist eine reine Definition der kommerziellen Landwirtschaft. Wer die Artenvielfalt richtig erkennt, der sieht, dass alles von allem abhängig ist. Stört man dieses Gleichgewicht allzu sehr, dann sägt man den Ast ab, auf dem man sitzt. Als ob diese Folgen nicht heute schon klar erkennbar wären. :(
kraus.roland 08.06.2018
2. Der begründete Vorwurf..
..gegen Glyphosat ist schon viele Jahre alt. Mit nicht sehr sauberen Methoden und skandalöser politischer Beihilfe ist es 'gelungen', den Schaden auf Höchstmass zu steigern. Dass Bayer nun die Verantwortung an sich gezogen hat, ist nur noch ein Treppenwitz.
gersois 08.06.2018
3.
Bayer wird es möglicherweise bereuen, Monsanto übernommen zu haben. Aber den Imkern sei gesagt, dass die Entscheidung, Glyphosat auszubringen, nicht Bayer, sondern die Bauern der umliegenden Felder getroffen haben. Sie sind allein verantwortlich dafür, wo, wann wieviel von dem Gift gesprüht wurde. Heute kann sich kein Bauer mehr damit aus der Verantwortung ziehen, dass er nicht weiß, wie umstritten Glyophsat ist. Und nur wenn die Bauern für Schäden gerade stehen müssen, hören sie in Frankreich vielleicht auch auf, für den weiteren Einsatz zu demonstrieren.
n8f4ll 08.06.2018
4. Hersteller
Wurde wirklich round up eingesetzt oder glyphosat eines der anderen mehr als 20 Hersteller? Wurde es korrekt ausgebracht, oder nach der Methode viel hilft viel? Mann sollte dies wirklich untersuchen...
geri&freki 08.06.2018
5. Persistenz
So viel zu der -- einst vollmundig angepriesenen -- schnellen und angeblich rückstandslosen Abbaubarkeit von Glyphosat...
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