Frauenquote im Management Ver.di-Vorstand räumt Posten für eine Frau

Vor Jahren hat der Ver.di-Funktionär ein Versprechen gegeben, jetzt will er es einlösen: Das Vorstandsmitglied wird sich nicht mehr zur Wahl stellen, um eine Frau an seine Stelle rücken zu lassen. Im Vorstand von Deutschlands zweitgrößter Gewerkschaft könnten bald mehr Frauen als Männer sitzen.

Ver.di-Fahne beim Wahnstreik: Mehr Frauen als Männer in den Vorstand?
DPA

Ver.di-Fahne beim Wahnstreik: Mehr Frauen als Männer in den Vorstand?


Berlin - Die Gewerkschaft will sich zum Vorbild aufschwingen: Während sich die Politik nicht zu einer gesetzlichen Frauenquote in Unternehmen durchringen kann, rücken bei Ver.di immer mehr Frauen in den Vorstand. Deutschlands zweitgrößte Gewerkschaft hat eine selbstverpflichtende Frauenquote. Aus diesem Grund will jetzt Ver.di-Funktionär Uwe Foullong seinen Posten im Bundesvorstand an eine Frau abtreten.

Er werde sich nicht mehr zu Wahl stellen, um einer Frau die Möglichkeit zu geben, in den Vorstand einzuziehen, sagte Foullong der "Berliner Zeitung". Er wolle damit ein Versprechen einlösen, das er bereits vor Jahren gegeben habe. Als Nachfolgerin des Bankenexperten nominierte die Gewerkschaft dem Bericht zufolge Beate Mensch aus Nordrhein-Westfalen.

Neben Foullong werde auch Ver.di-Vizechefin Margret Mönig-Raane ausscheiden. Als ihre Nachfolgerin sei die derzeitige Vizechefin von Verdi Saarland, Stefanie Nutzenberger, nominiert, berichtet die Zeitung weiter.

Sollte der Gewerkschaftstag im September den Personalvorschlägen folgen, wird der Ver.di-Bundesvorstand dem Bericht zufolge künftig aus acht Frauen und sechs Männern bestehen. In der Gewerkschaft gilt eine Frauenquote, die sich an der Mitgliederbasis orientiert. Seit 2009 hat Ver.di laut Bericht etwas mehr weibliche als männliche Mitglieder. Der Frauenanteil habe zuletzt bei 50,5 Prozent gelegen.

EU-Kommission will Unternehmen zur Selbstverpflichtung drängen

Für die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Viviane Reding, und die Chefin der CSU-Frauenunion, Angelika Niebler, ist eine Frauenquote die letzte Möglichkeit, um die Anzahl von Frauen in Führungsetagen zu erhöhen. Das schreiben die Politikerinnen in einem Beitrag in der Tageszeitung "Die Welt". Sie hätten zwar durchaus Vorbehalte gegen eine solche festgeschriebene Verpflichtung, sagen aber mit Blick auf Norwegen, Spanien und andere Länder: "So sehr man sich auch über Quoten streiten kann, ihre Ergebnisse sind unbestreitbar". Ihre Folgerung: "Quoten können dafür sorgen, dass Dämme brechen."

Quoten seien allerdings nur "das letzte Mittel". Reding und Niebler fordern zunächst die Wirtschaft auf, Lösungen anzubieten. Sollten diese Bemühungen ohne Erfolg bleiben, "wären rechtsverbindliche, durchsetzbare Quoten vonnöten", schreiben sie. In den kommenden Monaten würden die EU-Kommission und eine Reihe von Mitgliedsstaaten mit den Chefs der größten börsennotierten Unternehmen über eine Selbstverpflichtung für einen höheren Frauenanteil in deren Top-Management sprechen. Reding ist als EU-Justizkommissarin auch für Gleichstellungsfragen in Europa zuständig.

Die Debatte um den schwindend geringen Frauenanteil in Deutschlands Chefetagen erhitzt seit Wochen die Gemüter in Politik und Wirtschaft. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Tatsache, dass in den 200 größten deutschen Unternehmen derzeit nur drei bis vier Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt sind, als "ziemlichen Skandal" bezeichnet. Dennoch lehnte Merkel die Forderung ihrer Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach einer verbindlichen Frauenquote strikt ab und stellte sich stattdessen hinter Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die eine flexible Quote befürwortet.

lgr/AFP/Reuters

insgesamt 5 Beiträge
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rsi 01.03.2011
1. Das ist ja lustig.
Die haben ja lange gebraucht, um festzustellen, dass sie ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Mal sehen, wie lange sie brauchen, um den Grund dafür zu finden.
archie, 01.03.2011
2. Antwort
Er tritt zurück wegen einer Frau und ich trete aus Verdi aus. Sollen die Frauen doch alles alleine machen. Auch den Wasserhahn reparieren, die Straße flicken, nach Öl bohren und natürlich regieren.
Haligalli 01.03.2011
3. Nun mal langsam mit den schönen Bräuten
Zitat von archieEr tritt zurück wegen einer Frau und ich trete aus Verdi aus. Sollen die Frauen doch alles alleine machen. Auch den Wasserhahn reparieren, die Straße flicken, nach Öl bohren und natürlich regieren.
Kollege, so geht das nicht! Immer schön bei der Stange bleiben. Aus der Gewerkschaft tritt man aus wegen des eigenen Todes. Frauen regieren uns schon - siehe Merkel, oder ist diese Person einem anderen Geschlecht zu zuordnen? Und Wasserhahn reparieren - naja, das können Frauen doch schon immer! Und im Notfall lassen sie .....Bohren.
deppvomdienst 01.03.2011
4. Was Frauen wollen ...
Zum Glück habe ich diesem Ständer-Maindreaming-Verein schon vor Jahren den Rücken gekehrt. Die dort geführten Debattinnen und Debatten haben zunehmend weniger zur Lösung der realen Probleminnen und Probleme geführt. Aber man muss ja in allen Entwicklungen auch das (geschlechtsneutral!) Gute sehen: Vielleicht wird es ja auf der/die operativen Ebene/-nin wieder besser, wenn die Quotenfrauiennen und Frauen in die oberen Führungszirkel/-innen abgegeben werden konnten. ... mit solidarischen Grüßinnen und Grüßen
neonerl 01.03.2011
5. Klare Korrelation
Es läßt sich eine klare Korrelation zwischen dem gestiegenem Frauenanteil bei Verdi und der zunehmenden Erfolglosigkeit der Gewerkschaft feststellen. Genauso kann man behaupten: Deutschland hat in Europa den höchsten Männeranteil bei Führungskräften. Deutschland ist in Europa mit großem Abstand die leistungsfähigste Wirtschaft. Also führt ein hoher Männeranteil bei Führungskräften zum höchsten Erfolg. Also führt ein hoher Frauenanteil bei Führungskräften zum einem schlechten Erfolg
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