Studie Nur ein Viertel der Unternehmen erfüllt die Frauenquote

Verfehlt die Frauenquote ihre Ziele? Bislang schon. Nur rund ein Viertel der börsennotierten Unternehmen setzen die Vorgaben um. Im Quoten-Ranking liegt Telefónica Deutschland an der Spitze, Schlusslichter sind Fresenius und Porsche.

Manuela Schwesig (Archivbild): Mehr Wettbewerb um weibliche Führungskräfte
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Manuela Schwesig (Archivbild): Mehr Wettbewerb um weibliche Führungskräfte


Die Frauenquote für Aufsichtsräte ist am 1. Mai in Kraft getreten. Doch bislang hat das Gesetz noch nicht zu einer stärkeren Beteiligung von weiblichen Führungskräften in Unternehmen geführt, heißt es in einer neuen Studie. Sie wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegeben.

Danach ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 101 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen zwar seit Anfang 2014 gestiegen. Er liegt aktuell bei 22,1 Prozent.

In den wichtigen Ausschüssen der Aufsichtsräte und in den Vorständen seien Frauen aber nach wie vor kaum präsent, heißt es in der Untersuchung, 77 der 101 Unternehmen haben die Quote noch nicht erreicht.

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Die Studie untersucht auch, wie die börsennotierten Unternehmen ihren Frauenanteil in Vorständen und den zwei obersten Führungsebenen erhöhen wollen. Demnach haben 60 Prozent der Unternehmen ein Planungsziel für den Frauenanteil im Aufsichtsrat, aber nur ein Prozent für den Vorstand.

"Hier bleibt also noch viel zu tun", erklärte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). Die Unternehmen hätten sich zwar darauf eingestellt, dass die Quote für die Aufsichtsräte komme. "Dies gilt jedoch nicht für die verbindlichen Zielvorgaben." Daher seien weitere gesetzliche Vorgaben notwendig, so die Ministerin.

Durchgeführt wurde die Studie mit dem sogenannten WoB-Index ("Women on Board" - "Frauen in Aufsichtsräten") von dem Verein Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar). Ziel der Erhebung sei es, "ein bisschen Wettbewerb unter den Unternehmen herzustellen", sagte Schwesig.

Spitzenreiter Telefónica, Schlusslichter Fresenius und Porsche

Laut Fidar bilden Fresenius und Porsche in Sachen Frauenbeteiligung das Schlusslicht: Beide Unternehmen hatten bis Ende April weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand eine Frau. An der Spitze in dem WoB-Ranking liegt die Telefónica Deutschland Holding, gefolgt von Lufthansa und der Münchener Rück. Den höchsten Frauenanteil im Vorstand konnte die Lufthansa vorweisen. Zwei ihrer fünf Vorstandsmitglieder sind weiblich.

Der Bundestag hatte die Frauenquote für Aufsichtsräte am 6. März beschlossen, am 1. Mai trat sie in Kraft. Das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst" schreibt für die Aufsichtsräte der 101 Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent ab 2016 vor. Gibt es nicht genügend Frauen, bleibt der zu besetzende Stuhl leer.

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Die Frauenquote sieht unterschiedliche Vorgaben je nach Größe eines Unternehmens vor. Der Grundsatz lautet: Für die größten Firmen gelten die strengsten Vorschriften. Mittelgroße Unternehmen bekommen mehr Spielraum bei der Frauenförderung. Die Frauenquote gilt auch für öffentliche Unternehmen, bei denen der Bund oder Behörden Aufsichtsgremien besetzen. Kleinere Unternehmen sind von der Neuregelung ausgenommen.

Mehr als 4000 weitere Unternehmen müssen sich selbst im kommenden September ein Ziel für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat und Vorstand setzen. Nach einem Jahr soll es erstmals eine Überprüfung geben. Sanktionen sind hier aber nicht vorgesehen.

bos/AFP/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
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alsterherr 19.05.2015
1.
Woher soll Porsche den Frauennachwuchs holen, wenn ausser BWL sämtliche relevanten Studiengägne (Maschinenbau, Elektrotechnik, Mechatronik, etc) von den meisten weiblichen Studienanfängern konsequent gemieden werden?
fox111 19.05.2015
2. Ein Schelm wer böses dabei denkt
Also ich war von Anfang an ein Gegner der Frauenqoute im Allgemeinen. Das wieso und warum interessiert eh keinen mehr. Was aber auffällt ist das aber alle 3 genannten Top-Quoten Unternehmen aktuell wirtschatlich und zukunftstechnisch eher ziemlich schlecht dastehen. Während die beiden Schlusslichter Fresenius und Porsche da ziemlich gut aufgestellt sind. Mmh ein Schelm wer böses dabei denkt :) Ich glaube Frauen können den Job genausogut wie Männer. Nur leider keine Quoten Frauen. Ich sehe es z.B. bei einem großen ehemaligen Staatskonzern. In der mittleren Führungebene werden vermehrt Frauen aufgrund der Quote eingesetzt. Diese arbeiten zwar nur halbtags oder eine 30 Stunden Woche aber dafür eine qualifizierte Frau an der Abteilungsspitze. Das Problem ist jetzt allerdings das zwar die Frau Top qualifiziert ist, aber gar keine zeit und und vor allem auch gar nicht soviele Überstunden machen will die nötig sind um die Abteilung auch optimal zu leiten. Die ehemaligen Kollegen stöhnen ohne Ende, da Sie jetzt auchn noch die Arbeit machen dürfen, die vorher der Abteilungsleiter selber gemacht hat. Tja Deutschland schafft sich ab im Internationalen Vergleich.
shotz 19.05.2015
3. was soll der Schwachsinn
überhaupt bringen. Frauen einfach nur einzustellen wegen einer Quote und nicht wegen Kompetenz. Dieser ganze Feminismus Müll nervt langsam nur noch. Sprache feminisieren, Symbole, Frauenquote etc. Hatte in meiner Ausbildung schon Frauen wegen der Quote drinnen. 3 von 4 haben abgebrochen weil sie ungeeignet für den Job waren (Elektroniker).
olewahr 19.05.2015
4. Nur ein Viertel der Unternehmen erfüllt die Frauenquote
Sehr schön. Ich hoffe, es werden noch mehr, die sich gegen diesen feministischen Gender-Wahnsinn wehren. Leistung statt Vagina-Bonus!
golllo 19.05.2015
5. Männer in Panik
Wenn ich mir die ersten Kommentare hier durchlesen sehe ich wieder Männer in Panik, dass ihnen ihre Vormachtsposition im berufliche Bereich weggenommen wird. Unternehmen werden entgegen oben anführter Anspielungen wirtschaftlich erfolgreicher, bei einem höheren Frauenanteil in der Unternehmensführung. (siehe http://www.zeit.de/karriere/2012-01/frauen-wirtschaft-erfolg) Und ich als Diplom-Ingenieurin kann nur sagen: von wegen Bevorzugung von Frauen. Bei Einstellungen hat man immer das Nachsehen. 170 Bewerbungen sprechen Bände...und nein ich habe keinen schlechten Abschluss, dafür Berufserfahrung in der freien Wirtschaft und Praktika. Aber trotzdem bin ich eine Frau im gebärfähigen Alter....ganz schlimm
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