Früher war alles schlechter Mehr Getreide für mehr Menschen

So viel mehr Ernte auf gleicher Fläche: Die Effizienz unserer Landwirtschaft ist eine erstaunliche Erfolgsgeschichte. Noch besser wäre sie, wenn wir weniger Fleisch äßen.

Dreimal mehr Getreide für doppelt so viele Menschen - auf fast gleich großer Fläche
Quelle: DER SPIEGEL/FAO

Dreimal mehr Getreide für doppelt so viele Menschen - auf fast gleich großer Fläche

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Dem Untergang geweiht! Der englische Ökonom Thomas Robert Malthus zeichnete 1798 eine düstere Vision unserer Welt. Er prophezeite, dass das Wachstum der Weltbevölkerung das der Nahrungsmittelproduktion übersteigen werde - und dann wäre es vorbei mit unserer Spezies.

Es war einer jener grandiosen Irrtümer der Menschheit. Denn Malthus unterschätzte die Erfindungsgabe seiner Nachgeborenen. Heute darf die radikal verbesserte Effizienz der Landwirtschaft als eine der erstaunlichsten Erfolgsgeschichten des Menschen gelten. In den vergangenen 50 Jahren hat sich die globale Population mehr als verdoppelt, die Ackerflächen aber, die nötig sind, um diese Menschen zu ernähren, wuchsen nur um zehn Prozent.

Man kann sich diesen gewaltigen Fortschritt so vorstellen: Wenn sich die Ernteerträge pro Fläche seit 1961 nie verbessert hätten, wären im Jahr 2012 rund 30 Millionen Quadratkilometer Ackerfläche nötig gewesen, um die Weltbevölkerung zu ernähren - tatsächlich waren es aber nur 14 Millionen Quadratkilometer. Die Getreideerträge wurden verdreifacht, aber dank der industrialisierten Landwirtschaft haben wir beinahe eine Fläche von der Größe Südamerikas eingespart.

Apropos Südamerika: Gerade auf diesem Kontinent gibt es weitere gigantische Anbauflächen: Brasilien ist der größte Exporteur von Futtermittel-Soja nach Deutschland. Für ein Kilogramm Schweinefleisch werden laut Vegetarierbund (VEBU) neben anderen Futtermitteln 500-600 Gramm Sojaschrot eingesetzt. In den vergangenen Jahren sind wegen unserer Fleischliebe die Anbauflächen für Sojabohnen in Brasilien immer größer geworden.

Wir hätten also theoretisch in Südamerika noch mehr Platz für noch mehr Getreide. Diesen Platz verbrauchen wir aber im Moment dafür, um massenhaft Soja für unsere Tiere anzupflanzen. Was hätte Thomas Robert Malthus wohl dazu gesagt?

Eins konnte er sich damals gewiss auch nicht vorstellen: Das aberwitzig platzraubende Konzept des Biotreibstoffs, bei dem man Benzin auf Feldern anpflanzt. Damit sollten wir dringend aufhören.

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Dies ist die Online-Ausgabe der SPIEGEL-Rubrik "Früher war alles schlechter" von Guido Mingels. Mehr Nachrichten mit Trends zur Verbesserung der Welt gibt es auf der Themenseite: Früher war alles schlechter.



insgesamt 92 Beiträge
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trader_07 14.05.2017
1.
Ob wir hier in Deutschland ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger Fleisch essen, ist irrelevant. In China kommt der Fleischkonsum gerade erst so richtig in Schwung - das wird als Zeichen des Wohlstands verstanden.
stoffi 14.05.2017
2. Wenn wir
es nicht schaffen, die Überbevölkerung in den ärmsten Ländern zu stoppen, brauchen wir uns keine Sorgen mehr zu machen, dann ist es für jede Massnahme eh zu spät. Aber anstatt dieses Problem anzugehen, bemitleiden wir die ,,armen Menschen" nur, weil es ihnen so schlecht geht. China ist ein gutes Beispiel, wies gelingen kann.
Braveheart Jr. 14.05.2017
3. Das mag für den ...
... von Ihnen betrachteten Zeitraum gelten, aber grundsätzlich hat Malthus recht: Man braucht x Ackerfläche, um 1 Menschen zu ernähren. Man kann also maximal (Gesamtfläche dividiert durch x) = y Menschen ernähren. Man kann den Zeitraum, in dem genug Getreide für alle da ist, durch verschiedene Maßnahmen strecken, von denen Malthus noch nichts wußte (Getreidesorten- und Ernteablaufoprimierung) aber irgendwann ist Schluß. Um einen alten Spruch neu zu formulieren: "Wenn ihr das letzte Flußbett in eine Autobahn umfunktioniert und den letzten Acker mit Mietskasernen zugebaut habt, werdet ihr euch wunderm, wo das Brot und die Fische bleiben ...!".
Schlaflöwe 14.05.2017
4. Einmal in der Woche,
der sprichwörtliche Sonntagsbraten, reicht ernährungsphysiologisch völlig aus.
metzelkater 14.05.2017
5. Lieber mal was gegen die Überbevölkerung tun
Wie sollen denn die nächsten Generationen auf diesem Planeten leben? In Hochhäusern mit vielen hundert Stockwerken? Angetrieben von Fusionsreaktoren werden in den unteren 100 Etagen Pflanzen unter künstlichem Licht angebaut, um die Überbevölkerung darüber zu nähren?`Ist das die Zukunft, in der man leben möchte? Schon heute ist der Mensch durch simple Verdrängung für eines der größten Massensterben in der Geschichte der Erde verantwortlich. Ganz ohne Meteorit oder Supervulkan. Wir brauchen dringend weltweit eine Politik, die es weltweit extrem unattraktiv macht, Kinder zu bekommen.
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