Von Maria Marquart
Hamburg - Vielleicht hat Eckhard Cordes schon länger geahnt, dass seine Zeit als Metro-Chef ablaufen könnte. Zumindest hat er sich ein Hintertürchen für einen halbwegs eleganten Abgang offen gehalten. "Wieso soll man eigentlich mit 61 nicht noch mal was anderes machen dürfen?", sagte er im Mai dem SPIEGEL. Im Winter werde er mit dem Aufsichtsrat über seine Zukunft sprechen. "Da gibt es keinerlei Stress."
Nun gibt es doch Druck. Denn Cordes hat im Aufsichtsrat des Handelskonzerns den Rückhalt verloren, hieß es aus dem Umfeld des Kontrollgremiums gegenüber SPIEGEL ONLINE. Für eine Vertragsverlängerung gebe es derzeit keine Mehrheit. "Die nötigen Stimmen würden wohl nicht zusammenkommen", hieß es. Zuvor hatte schon die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet, die meisten Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter lehnten es derzeit ab, den Ende Oktober 2012 auslaufenden Vertrag des Managers zu verlängern. Frühestens im November könnte der Aufsichtsrat über eine Verlängerung entscheiden.
Doch im Umfeld des Konzerns hoffen viele darauf, dass der umstrittene Vorstandschef in den kommenden Wochen selbst seinen Abschied einfädelt. "Die Erfolge halten sich in Grenzen", heißt es über Cordes' Strategie. Andere formulieren es deutlicher. "Er hat vieles angeschoben, aber zu wenig geliefert."
Metro
machte in den vergangenen Wochen viele negative Schlagzeilen. Der Konzern stand vor allem wegen des
Streits mit den Alteigentümern der Tochter Media-Saturn im Rampenlicht. Die beiden Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals und Leopold Stiefel streiten mit dem Mutterkonzern vor Gericht darüber, wer bei wichtigen Entscheidungen letztlich das Sagen hat. Die Alteigentümer halten zusammen nur rund 25 Prozent an dem Unternehmen - haben aber dennoch ein Vetorecht. Cordes versucht, die Sperrminorität auszuhebeln. Zuletzt
errangen Kellerhals und Stiefel vor Gericht einen Etappensieg. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.
"Elefant im Porzellanladen"
In Konzernkreisen wird Cordes für die Eskalation des Streits verantwortlich gemacht. "Das hätte man eleganter lösen können", heißt es. Vom "Elefant im Porzellanladen" ist die Rede. Wie zerrüttet das Verhältnis zwischen dem Metro-Chef und den beiden Media-Saturn-Gründungsgesellschaftern ist, zeigte diese Woche ein Streit um Kreditkonditionen. Kellerhals hatte damit gedroht, den sogenannten Cash-Pooling-Vertrag mit dem Mutterkonzern auslaufen zu lassen. Dieser regelt, dass Metro zu günstigen Zinssätzen auf überschüssiges Bargeld der Media-Saturn-Holding zurückgreifen kann. Am Montag einigten sich beide Seiten auf einen neuen Vertrag - Metro muss allerdings höhere Zinsen zahlen.
Der erbitterte öffentliche Kampf mit Kellerhals war für die Cordes-Kritiker offenbar das letzte Signal, dass es einfach nicht mehr passt. Denn auch geschäftlich lief es für Metro zuletzt nicht besonders gut. In den vergangenen sechs Monaten verlor die Aktie rund 43 Prozent. Nach einem schlechten Quartalsergebnis stellte Cordes zuletzt sogar die Gewinnprognose für das laufende Jahr unter Vorbehalt. Laut "FTD" laufen die Geschäfte derzeit schlecht.
Die Metro-Anteilseigner hatten große Hoffnungen in Cordes gesetzt, als er 2007 bei dem Handelskonzern anheuerte. Er sollte das Unternehmen sanieren und strategisch neu ausrichten. Mit dem Verkauf der Töchter Kaufhof und Real wollte Cordes Geld machen - doch bisher fand er keine Käufer.
Vor allem die Unternehmerfamilie Haniel dürfte sich als Metro-Großaktionär ärgern. Die diskrete Sippe legt Wert darauf, dass der Name Haniel nicht ins Gerede kommt und wartet auf Rendite - stattdessen sorgte Cordes für viele Negativschlagzeilen. Haniel holte Cordes 2006 an die Spitze des eigenen Familienunternehmens. Unter seiner Ägide stockte Haniel den Anteil an Metro auf 34 Prozent auf. Wenig später übernahm Cordes auch die Metro-Führung und leitete damit zwei Unternehmen gleichzeitig. 2009 übergab er den Haniel-Posten an Jürgen Kluge und konzentrierte sich ganz auf Metro.
Dort leitete Cordes das Sanierungsprogramm "Shape 2012" ein. Gewerkschafter kritisierten das Projekt als Plan zum Jobabbau - die Anteilseigner aber sind damit zufrieden. Doch das allein dürfte den Vertrag für Cordes nicht retten. Das Programm laufe inzwischen auch ohne ihn, sagen Insider.
"Diesmal hat er sich verschätzt"
Es hat sich viel Frust über Cordes aufgestaut. Als er vom SPIEGEL gefragt wurde, ob er manchmal in den Märkten des Konzerns nach dem Rechten sehe, sagte er: "Ich habe auch keine Lust, mich mit löchriger Jeans und Baseballkappe zu verkleiden. Mein Job ist es ja nicht, zu schauen, ob im Regal eine Dose Erbsen umgefallen ist." Kritiker werfen dem früheren Mercedes-Chef deshalb Arroganz und zu wenig Gespür für das Handelsgeschäft vor.
Metro wollte zur Personalie Cordes keinen Kommentar abgeben. Dies sei eine Angelegenheit des Aufsichtsrats, hieß es. Auch von den großen Anteilseignern gibt es keine Stellungnahme. Eine Sprecherin der Gewerkschaft Ver.di sagte: "Vorstandsverträge werden wohlweislich auf Zeit geschlossen, damit die Aufsichtsräte gegebenenfalls die Möglichkeit haben, personelle Weichen neu zu stellen."
Einige im Konzern wünschen sich, dass endlich Ruhe einkehrt und wieder Friede mit der Tochter Media-Saturn herrscht. Metro aber droht eine Führungskrise. Denn einen Nachfolger für Cordes kann niemand nennen. Die "FTD" nennt Metro-Finanzchef Olaf Koch als Übergangslösung.
Auch wenn manche glauben, dass sich der Machtmensch Cordes noch nicht geschlagen gibt - derzeit sieht es nicht so aus, als ob er eine Zukunft bei Metro hat. In der Vergangenheit habe er die Familie Haniel in Streitfragen auf seine Seite ziehen können, heißt es. "Aber diesmal hat er sich verschätzt."
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