Funkfrequenz-Auktion Milliardenpoker ums mobile Internet

App-Wahn, iPad, blitzschnelles Surfen ohne Kabel: Alles, was dieses Jahrzehnt in Deutschlands mobilem Internet passiert, hängt von der Versteigerung der neuen Mobilfunkfrequenzen ab. Die Milliardenauktion beginnt am Mittag - SPIEGEL ONLINE erklärt, was sie für den Standort Deutschland bedeutet.

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Funkturm im sächsischen Schwepnitz: Aufbruch in die mobile Zukunft
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Funkturm im sächsischen Schwepnitz: Aufbruch in die mobile Zukunft


Hamburg - Es ist ein Showdown der Tech-Riesen, ein Spektakel mit weitreichenden Folgen: Die Bundesnetzagentur versteigert ab 13 Uhr zahlreiche Mobilfunkfrequenzen - den Zugang zu jenen seltsamen, unsichtbaren Signalräumen, die das deutsche Informationszeitalter einen gewaltigen Schritt voranbringen sollen.

Das Spektakel steigt an einem denkbar unpassenden Ort: In einer alten, staubigen Ex-Kaserne in Mainz-Gonsenheim, hinter geschlossenen Türen, in getrennten, abhörsicheren Räumen, werden die vier deutschen Netzbetreiber ab diesem Montag ihre Frequenz-Gebote abgeben.

Der Bieterstreit kann Wochen dauern - und teuer werden. Von SPIEGEL ONLINE befragte Analysten prophezeien, dass die Deutsche Telekom Chart zeigen, Vodafone Chart zeigen, O2/Telefonica Chart zeigen und E-Plus/KPN Chart zeigen für die Frequenzen insgesamt zwei bis sieben Milliarden Euro hinblättern. Denn die Auktion ist entscheidend für die langfristige strategische Planung der Konzerne. Sie legt die Daten-Überflugrechte im deutschen Luftraum bis Ende 2025 fest. Mit den Frequenzen sichern sich die Netzversorger den Zugang zu einem milliardenschweren Zukunftsmarkt: dem mobilen Internet.

Die Konzerne erwarten, dass durch den Boom mobiler Endgeräte wie Smartphones, Laptops, Netbooks oder Tablet-PC künftig immer mehr Menschen via Mobilfunk im Internet surfen. Nach Angaben der Bundesregierung hat sich das Datenvolumen in Deutschland binnen zwei Jahren verzehnfacht - von 3,5 Millionen Gigabyte im Jahr 2007 auf 33,5 Millionen im Jahr 2009.

Die Telekom, Deutschlands größter Netzversorger, rechnet mit gewaltigen Umsatzsteigerungen beim Verkauf von Datenpaketen. Ihr Umsatz in diesem Sektor lag 2009 bei knapp vier Milliarden Euro. Bis 2012 soll er auf mehr als sechs Milliarden Euro steigen, bis 2015 auf mehr als zehn Milliarden.

Stärkung für den Standort Deutschland

Auch die Bundesnetzagentur, Deutschlands oberste Behörde für die Weiterentwicklung der Infrastruktur, setzt große Hoffnungen in die Megaversteigerung. Ihre Vision ist eine deutsche Datenautobahn. Bis Ende 2010 soll jeder deutsche Haushalt mit mindestens einem MBit pro Sekunde versorgt werden, bis 2014 sollen drei Viertel der Haushalte 50 MBit pro Sekunde bekommen.

Das schnelle mobile Netz soll den Standort Deutschland nachhaltig stärken: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass Breitbandkommunikation bis 2011 ein Drittel zum Produktivitätszuwachs der hochentwickelten Länder beitragen wird.

Tatsächlich ist die Frequenzversteigerung ein gewaltiger Schritt für Deutschland. Aktuell sind für das mobile Internet gut 250 Megahertz Frequenzen reserviert. Durch die Versteigerung kommen jetzt noch einmal 360 Megahertz hinzu - so viel wie in keiner Frequenzauktion zuvor (was die Frequenzen bedeuten: siehe Infobox links). "In Kombination mit verbesserten Übertragungstechniken dürfte die maximale Kapazität des mobilen Internets in Deutschland mindestens um den Faktor fünf wachsen", sagt Torsten Gerpott, Telekommunikationsexperte an der Universität Duisburg-Essen.

Doch das mobile Internet wird nicht nur größer - es wird auch schneller. Die neuen Frequenzen bilden auch die Grundlage für den neuen Übertragungsstandard Long Term Evolution (LTE). Während die aktuell eingesetzte UMTS-Technik Übertragungsraten von 14 Megabit pro Sekunde gewährleistet, soll LTE Raten von bis zu hundert Megabit schaffen, genug, um Videos und Online-Spiele ruckel- und unterbrechungsfrei zu übertragen. "Die Nutzungserfahrung ändert sich dadurch entscheidend", sagt Gerpott. "Das mobile Netz fühlt sich an wie das stationäre Netz zu Hause."

Die Erwartung an die Frequenzversteigerung sind gewaltig - aber sind sie auch realistisch? SPIEGEL ONLINE hat Netzversorger, Analysten, unabhängige Experten und die Bundesnetzagentur ausgiebig zu Deutschlands mobiler Zukunft befragt. Antworten auf zentrale Fragen finden Sie nach dem Klick.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
Ben Major 12.04.2010
1. Eyh..
Zitat von sysopApp-Wahn, iPad, blitzschnelles Surfen ohne Kabel: Alles, was dieses Jahrzehnt in Deutschlands mobilem Internet passiert, hängt von der Versteigerung der neuen Mobilfunkfrequenzen ab. Die Milliarden-Auktion beginnt am Mittag - SPIEGEL ONLINE erklärt, was sie für den Standort Deutschland bedeutet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,688040,00.html
UMTS reloaded? Was machen eigentlich die Firmen mit den wahnsinnig teuren UMTS Lizenzen, hat sich da schon irgendwas refinanziert?
frank_lloyd_right 12.04.2010
2. Mit dem Versteigern fängts immer an...
...und dann dauert es Jahrzehnte, bis die Preise auf eine anständiges Niveau gefallen sind - mobiles Internet wär ja fein, doch wer leistet sich das schon - noch immer hängen die meisten am schwarzen Kabel. Je mehr der Staat jetzt verdient, desto mehr müssen die Staatsbürger jahrelang latzen. Sollen sie doch die Lizenzen einfach vergeben, unter strengen Auflagen (dann muß nicht die EU 20 Jahre später die Konzerne zu Preissenkung zwingen)- letztlich hilft das der Entwicklung mehr.
Meckermann 12.04.2010
3. Bauern-DSL
---Zitat--- Branchenberechnungen zufolge haben ein bis zwei der insgesamt gut 39 Millionen deutschen Haushalte derzeit keine Möglichkeit, sich einen Breitbandanschluss einzurichten. ---Zitatende--- Süß, ein bis zwei Haushalte also? ;) Persönlich wäre ich schon froh an meinem Wohnort volles DSL-1000 zu bekommen und nicht die halbierte "Light" Version. Leider kann sich die Stadt nicht mit den Netzbetreibern einigen, wer wieviel bezahlt und der private Funknetzanbieter, den es seit neustem gibt ist auch nicht der günstigste.
steffenkrug 12.04.2010
4. Mobiles Internet in der "3. Welt"
Also ich bin gerade in Nigeria. Mein Internetanschluss zu Hause ist genauso schnell wie der in Deutschland und Drahtlos. Wenn ich mal ausserhalb von Lagos unterwegs bin kann ich mit UMTS ins Internet (kostet c.a. 4 Euro fuer 100 MB pro Monat - ohne Vertrag). Waere es nicht an der Zeit, dass sich die Verantwortlichen in Deutschland mal ansehen wie elegant andere Laender ohne Kabel Infrastruktur Kunden ins Internet bringen? Wenn der Staat wieder mal viel Geld fuer die Frequenzen einstreicht werden sich die Gewinner des Bieterwettstreits das ueber die Steuern wiederholen! Wir hatten das doch schon mal mit den UMTS Frequenzen - oder? Gruesse aus dem sonnigen Afrika!
br0iler 12.04.2010
5. Das Geld sinnvoller nutzen
für Milliarden von Euros, könnte man auch das vorhandene UMTS-Netz weiter ausbauen und die Preise senken. Neue Kunden gewinnen und dann bei der nächsten Stufe weiter machen, also LTE überspringen. Die Letzten werden die Ersten sein ;-)
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