Autobauer-Fusion: VW übernimmt Porsche schon im August
Mehrmals war der Zeitplan gescheitert, jetzt geht es doch schneller als erwartet: Volkswagen und Porsche werden schon im August komplett fusionieren. Die beiden Autohersteller nutzen ein Steuerschlupfloch und umgehen damit hohe Abgaben an den Staat.
Wolfsburg/Stuttgart - Die Hängepartie um die vollständige Übernahme von Porsche durch Volkswagen hat ein Ende. Noch in diesem Sommer wollen die bereits eng verbandelten Autohersteller nach Unternehmensangaben einen integrierten Automobilkonzern schaffen. Das teilten die Volkswagen AG und der Porsche-Dachkonzern Porsche Automobil Holding SE an diesem Mittwochabend mit.
Volkswagen werde das Porsche-Sportwagengeschäft komplett übernehmen, hieß es aus Wolfsburg. Die Fusion solle voraussichtlich zum 1. August 2012 perfekt sein. Einem entsprechenden Konzept hätten die zuständigen Gremien beider Unternehmen nach dem Vorliegen aller erforderlichen verbindlichen Auskünfte der Finanzbehörden zugestimmt.
Die Porsche Holding
erhalte dafür eine Gegenleistung in Höhe von insgesamt rund 4,46 Milliarden Euro plus einer Stammaktie von Volkswagen
. Die Gesellschaften nutzen damit ein Schlupfloch in der Steuergesetzgebung und vermeiden hohe Abgaben an den Staat. Bisher hält Europas größter Autobauer knapp die Hälfte an der Porsche AG.
Kern des Deals ist, dass VW den grundsätzlich steuerpflichtigen Kauf der noch ausstehenden zweiten Hälfte der Porsche AG als eine - ausdrücklich legale - Umstrukturierung ausweist. Die ist steuerfrei. Das Delikate an der Sache: Normalerweise fließt bei einem Geschäft dieser Art kein Geld. Für gewöhnlich ist es ein Anteilstausch. Für die noch ausstehende Hälfte der Porsche AG hätten also eigentlich VW-Aktien zum Gegenwert fließen sollen. Nun aber wandert eben nur eine Aktie plus die Milliardensumme in den Süden. Diese Gestaltungsmöglichkeit ist das Extrem, aber erlaubt.
Porsche will von dem Kaufpreis seine Schulden zurückzahlen
VW rechnet nach eigenen Angaben damit, dass der Kauf noch im laufenden Jahr den Gewinn des Konzerns erhöht. Porsche will nach eigenen Angaben mit dem Kaufpreiserlös zunächst zwei Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. Der Rest soll in Beteiligungen mit Schwerpunkt Autoindustrie verwendet werden. Sonderausschüttungen an die Aktionäre der Porsche Holding seien nicht geplant.
Die erste Hälfte der Porsche-Sportwagenfabrikation hatte VW bereits vor Jahren nach dem Sieg im Machtkampf mit Porsche übernommen. Danach war bereits für 2011 eine Verschmelzung der beiden Autobauer geplant, diese kam jedoch nicht zustande. Grund für die Verzögerung waren die in den USA und Deutschland anhängigen Verfahren beziehungsweise Klagen gegen Porsche wegen behaupteter Marktmanipulation - Altlasten des früheren Übernahmekampfs der beiden heutigen Partner. Die Schwaben hatten zunächst versucht, VW zu übernehmen - am Ende hatte die Porsche Holding 11,4 Milliarden Euro Schulden.
Ein Zusammengehen galt vor dem zweiten Halbjahr 2014 nicht als wirtschaftlich sinnvoll. "Vor diesem Hintergrund haben beide Unternehmen nach Alternativen und für alle Beteiligten umsetzbaren Wegen gesucht, das gemeinsame Ziel des integrierten Automobilkonzerns früher zu erreichen", erklärte VW.
Nachdem das Projekt einer Verschmelzung beider Unternehmen gescheitert war, lautete Plan B, dass die Wolfsburger die restlichen Anteile an der Porsche AG - die unter dem Dach der SE-Holding das operative Sportwagengeschäft macht - in ihren Konzern holt. Dieser Plan scheint nun zeitnah aufzugehen.
"Der für alle schwierige Schwebezustand ist beendet, der integrierte Automobilkonzern ist endlich geschaffen, und wir können die riesigen Vorteile aus dem Gesamtkonzern für Porsche nutzen - und ebenso umgekehrt", sagte Betriebsratschef Uwe Hück. Der Aufsichtsrat der Porsche AG und die Porsche-Betriebsratsgremien bleiben demnach in ihrer Tätigkeit und in ihrer vollen Verantwortung unberührt. Porsche werde in allen Bereichen eigenständig bleiben - mit eigenständiger Entwicklung, eigenständiger Produktion und eigenständiger Vertriebsstruktur, sagte Hück. "Der Mythos Porsche lebt weiter."
lgr/Reuters/dpa/dapd
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