Handelskonflikt mit den USA Autolobby fordert Abschaffung von Zöllen

Nach dem Eklat beim G7-Gipfel zeigt sich die deutsche Autoindustrie "sehr besorgt" - und fordert die generelle Senkung von Zöllen. US-Botschafter Grenell verbreitet hingegen Optimismus im Handelskonflikt.

Mercedes-Neuwagen in Bremerhaven
DPA

Mercedes-Neuwagen in Bremerhaven


Der Eklat um den Rückzug der USA von der G7-Abschlusserklärung hat die Furcht der deutschen Autoindustrie vor einer Eskalation des Handelskonflikts gesteigert. Der Autoverband VDA fordert statt einer Erhöhung von Zöllen sowohl seitens der USA als auch der EU deren Abschaffung. "Ich bin über die Entwicklung der transatlantischen Beziehungen sehr besorgt", sagte der Chef des Autoverbands VDA, Bernhard Mattes, der "Süddeutschen Zeitung". "Aktuell wird eine Politik der Abschottung und des Protektionismus verfolgt."

Die Autoindustrie steht im Zentrum der öffentlichen Auseinandersetzung im Rahmen des Handelskonflikts. So hatte US-Präsident Donald Trump die Absage an die gemeinsame Abschlusserklärung des G7-Gipfels explizit mit der Drohung mit höheren Zöllen auf Autos verknüpft. Er habe die US-Vertreter angewiesen, die Erklärung nicht zu unterstützen, "da wir Zölle auf Automobile in Betracht ziehen, die den US-Markt überfluten". Trump hat schon häufiger mit Importzöllen auf deutsche Autos von BMW und Daimler gedroht.

Vor diesem Hintergrund warnte VDA-Chef Mattes vor einer weiteren Eskalation. Die EU baue gerade eine Gegenposition zu Zöllen auf, die die USA seit Anfang Juni auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren erheben. Allerdings könnten Zölle auf US-Produkte auch neue Gegenreaktionen mit sich bringen, sagte Mattes.

"Ich bin weiterhin für freien und fairen Handel und sehe die Lösung in der Fortsetzung der Verhandlungen. Schafft die Zölle ab und setzt dafür auf beiden Seiten des Atlantiks gegenseitige Standards", forderte Mattes. Dazu müssten aber beide Seiten bereit sein. "Einseitige Zugeständnisse wären der falsche Weg."

Deutsche Autos könnten mit Importzöllen in den USA zwar teurer werden, sagte Mattes. Dennoch sei nicht zu erwarten, dass den deutschen Autobauern das Geschäft komplett wegbreche: "Schon bisher haben sich deutsche Modelle in den USA nicht in erster Linie über den Preis verkauft." Gerade im Premiumsegment seien auch Attraktivität und Qualität entscheidend.

Grenell: "Zuversichtlich, dass wir das schaffen"

Der neue US-Botschafter in Deutschland zeigt Verständnis für die Sorgen der deutschen Autobranche. "Ich bin ein großer Autofan und weiß um die Bedeutung dieser Industrie", sagte Richard Grenell dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er verwies auf die Verflechtung der deutschen und der US-Industrie in diesem Bereich. "Wenn Sie zum Beispiel einen BMW X3 in Deutschland kaufen, müssen Sie ihn aus den USA importieren, da er nur in Spartanburg in South Carolina hergestellt wird", sagte der Diplomat.

Grenell sagte, er wolle einen Handelskrieg zwischen Deutschland und den USA verhindern. "Ich setze mich dafür ein, den Handelskonflikt zu lösen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen." Beide Seiten seien daran interessiert, weitere Konflikte zu vermeiden. Aber das dauere seine Zeit.

Die Verhandlungen zwischen über 20 Ländern erforderten mehr Koordination als bilaterale Beziehungen. "Ich glaube, wir werden noch weitere Manöver beider Seiten sehen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir den Streit beilegen können", sagte Grenell. "Alle wissen, wie viel auf dem Spiel steht."

fdi/dpa-AFX

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MisterD 11.06.2018
1. Letztlich muss man sich in der Tat fragen...
was aus Sicht der EU fair daran sein soll, wenn die USA 2,5% Importzoll auf Autos nehmen und die EU im Gegenzug 10%. Klar die EU kämpft damit auch gegen die Asiaten, aber gegenüber den USA hat man hier tatsächlich in Sachen Fairness einen sehr schweren Stand...
dasfred 11.06.2018
2. Also wenn das funktioniert,
dann fordere ich die Abschaffung der Mehrwertsteuer. Natürlich ist jede Abgabe ein Graus, aber ein Land, das Importzölle einführt, denkt sich was dabei. Und zwar bestimmt nicht die Unterstützung der ausländischen Kfz Industrie.
koves 11.06.2018
3. Wenn internationale Abgaben ein Hemmschuh sind
... kann man das doch nur begrüßen - noch mehr Spritfresser aus USA, Deutschland oder Italien braucht die Welt nicht wirklich! Mehr Augenmerk aus der Politik braucht der Autoverkehr, nicht die Automobil-Industrie! Lärmende und stinkende Autos sind das größte Gesundheits- und Umwelt-Risiko übrhaupt. Wir brauchen viel höhere und gerechtere Steuern auf Autos, vor allem auf Luxus-Autos und SUV, mehr Auto freie Stadtteile, Begrenzung der Geschwindigkeiten in Städten, auf Landstraßen und Autobahnen. Aber im gleichen Zuge mehr Radwege und günstigeren ÖPNV.
Tevje 11.06.2018
4. Schon lustig,
dass nun ausgerechnet diejenigen für die Abschaffung von Zöllen auf Kfz plädieren, die durch Zollgebühren und angeblich notwendige, nachgeordnete technische "Nachrüstungen" bisher dafür per Lobbyarbeit sorgten, dass ihnen speziell in lukrativen Sektoren des Kfz-Marktes keine Konkurrenz aus USA erwächst. Trump ist in vielerlei Hinsicht eine Katastrophe für die Welt, aber manchmal hat er eben auch Recht. Schafft den Protektionismus endlich ab, die Zölle zwischen den westlichen Nationen zuerst, dann kann sich auch niemand mehr über Handelsbilanzdefizite ernsthaft beklagen. Für Drittweltstaaten würde es die Ankurbelung der eigenen Wirtschaft erleichtern, wobei auch hier technischer Protektionismus das größere Handelshemmnis ist.
PaulchenGB 11.06.2018
5. OETTINGER, EU-Haushaltskommissar wird Abschaffung der Zölle
eher nicht freuen. Zölle gehen nicht in die Nationalhaushalte, sondern sind der größte Teil des 160 Mrd. € EU-Haushaltes. Wenn die Zolleinnahmen wegfallen und die 12 Mrd. € jährlich von GB, muss er schnell eine neue Einnahmequelle finden, denn in Brüssel regiert ja nicht der Rotstift.
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