Galleon-Affäre US-Konzerne beurlauben verdächtige Top-Manager

Im Zuge der Galleon-Affäre haben die Technologie-Unternehmen Intel und IBM jeweils Spitzenmanager beurlaubt. Diese stehen im Verdacht, mit illegalen Insidergeschäften Millionen abgezockt zu haben. Die US-Börsenaufsicht ermittelt derzeit in "bedeutenden" Fällen.

SEC-Ermittler Robert Khuzami: Top-Manager von IBM und Intel unter Verdacht
AFP

SEC-Ermittler Robert Khuzami: Top-Manager von IBM und Intel unter Verdacht


New York - Im wohl größten Insider-Skandal eines Hedgefonds an der Wall Street bemühen sich mehrere US-Großkonzerne fieberhaft um Schadensbegrenzung. Die IT-Riesen IBM Chart zeigen und Intel Chart zeigen haben ihre zwei im Zuge der Affäre verdächtigten Top-Manager bis auf weiteres beurlaubt. Beide bestreiten die Vorwürfe.

Die Anleger des im Zentrum des Skandals stehenden Hedgefonds Galleon Group ziehen derweil laut "Wall Street Journal" scharenweise ihr Geld ab. Sie wollten demnach bereits mehr als ein Drittel der bei Galleon verwalteten rund 3,7 Milliarden Dollar zurückhaben, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf Händler. Das "Wall Street Journal" berichtet außerdem, dass Bank of America Chart zeigen, Merrill Lynch Chart zeigen und Barclays Chart zeigen nicht länger mit Galleon handeln wollen.

In einer spektakulären Aktion hatten US-Behörden am Freitag den in Sri Lanka geborenen Milliardär und Hedgefonds-Chefs Raj Rajaratnam sowie fünf mutmaßliche Komplizen festgenommen.Als Insiderhandel-Netzwerk sollen sie mit vertraulichen Informationen verbotene Aktiengeschäfte getätigt und so illegal 20 Millionen Dollar verdient haben. Der 52 Jahre alte Rajaratnam kam gegen eine Kaution von 100 Millionen Dollar vorerst auf freien Fuß.

Manager bei Intel und IBM unter Verdacht

Der weltgrößte Chip-Produzent Intel hatte laut Konzernchef Paul Otellini keinerlei Wissen oder Warnung vor der Festnahme eines seiner führenden Manager. "Niemand in der Rechtsabteilung oder im Management wusste irgendetwas davon", sagte Otellini dem "Wall Street Journal".

Bei Intel soll laut Staatsanwaltschaft der in der Finanzabteilung arbeitende Rajjiv Goel den Betrügerring mit noch unveröffentlichten Details etwa zu anstehenden Quartalszahlen versorgt haben. Bei IBM steht Vizepräsident Robert Muffat im Verdacht. Er zählte bisher zu den möglichen Kandidaten für den Chefsessel des Konzerns.

Er ist einer von sechs Managern, die am Freitag vergangener Woche verhaftet wurden. Der Senior Vizepräsident soll vertrauliche Informationen über IBM-Bilanzen und Transaktionen mit Partnerunternehmen weitergegeben haben. Die Teilnehmer an dem Insider-Handel sollen durch das Ausnutzen solcher Informationen an der Börse mehr als 25 Millionen Dollar an illegalen Profiten erzielt haben. Ob der 53-jährige Moffat ebenfalls davon profitiert hat, ist unklar.

Börsenaufsicht ist "bedeutenden" Fällen auf der Spur

Die US-Börsenaufsicht SEC und die Staatsanwaltschaft gehen Kreisen zufolge derzeit verstärkt "bedeutenden" Fällen von Insiderhandel im Finanzsektor nach. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters Chart zeigen am Montag von einer mit den Vorgängen vertrauten Person. Ob die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem jüngsten Insiderskandal stehen, wollte die Person nicht sagen. Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg hatte am Montag ebenfalls berichtet, dass noch weitere Ermittlungsverfahren liefen.

Nach Angaben des ehemaligen SEC-Anwalts Ian Roffman sind die Aufsichtsbehörden derzeit besonders aktiv. Roffman erwartet ebenso wie andere Anwälte, dass die Zahl der Strafverfolgungsfälle insgesamt in diesem Jahr ebenso zunehmen wird wie die Zahl spektakulärer Fälle.

Die SEC hat in diesem Jahr eine Reihe von internen Reformen umgesetzt, um Delikte im Finanzsektor besser verfolgen zu können. Die Aufsichtsbehörde war in die Kritik geraten, weil sie Hinweise zu dem Milliardenbetrugssystem des Finanzjongleurs Bernard Madoff jahrelang ignoriert hatte.

ore/AP/Reuters/dpa

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Hartmut Dresia, 19.10.2009
1.
Zitat von sysopErst Madoff, jetzt Rajaratnam - hat die Wall Street aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt?
Was sollte sie denn lernen? Dass der Staat im Zweifel die Rechnungen begleicht, das konnten auch die deutschen Banken aus der Krise lernen. Und dass Politiker Geld ohne jede Gegenleistung geben. Warum ist das so? Es gibt da viele Thesen: Heiner Flassbeck: Gescheitert - Warum die Politik vor der Wirtschaft kapituliert (http://www.plantor.de/2009/gescheitert-warum-die-politik-vor-der-wirtschaft-kapituliert/) Aber was sollen Banken auch von Politikern halten, wenn man sich zum Beispiel die Besetzung von Vorstandsposten bei der Bundesbank durch die Politik anschaut: Thilo Sarrazin - eine glatte Fehlbesetzung in der Bundesbank (http://www.plantor.de/2009/thilo-sarrazin-eine-glatte-fehlbesetzung-in-der-bundesbank/)
founder 19.10.2009
2. Ein Stoßdämpfer für die Börsen
Zitat von sysopErst Madoff, jetzt Rajaratnam - hat die Wall Street aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt?
Was passiert wenn bei einem Auto die Stoßdämpfer kaputt sind? Schlechte Straßenlage, längerer Bremsweg, es wird extrem gefährlich damit zu fahren. Stoßdämpfer sind Schwingugsdämpfer. Ohne Schwingungsdämpfung schaukelt sich das Auto auf Bodenwellen zu immer größeren Schwingungen auf, bis es unkontrollierbar ins Schleudern gerät. Eine Börsentransaktionssteuer wäre ein Stoßdämpfer für die Börse.
londoneye 19.10.2009
3. Wie blöd muss man eigentlich sein?
Der Kerl hat schon 1,3 Mrd US Dollar Privatvermögen und betreibt Insiderhandel, um an weitere 20 Mio USD zu gelangen! Das ist nicht nur raffgierig, sondern auch extrem dämlich.
Ghost12 19.10.2009
4. Nicht ein paar Profiteure, sondern
Zitat von sysopErst Madoff, jetzt Rajaratnam - hat die Wall Street aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt?
Die Verantwortung der Exzesse, die momentan noch schlimmer sind als bei Beginn der Finanzkrise, trägt derjenige, der die Blasen aufbläht- das ist Ben Bernanke. Mit Unterstützung von Geithner und Obama, die ihn bei seinem Kurs unterstützen.
Sackaboner 19.10.2009
5.
Es ist schon mehr als merkwürdig, dass Leute, die eigentlich mehr als genug Kohle für ein sorgefreies Leben bis an ihr Ende haben, immer noch weiter raffen müssen. Das kann nur eine Krankheit sein, da jede Logik und Vernunft darin fehlen. Dumm, wenn man dann noch der amerikanischen, alttestamentarischen Rachejustiz in die Hände fällt.
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