Verlustgeschäft Eigentümer drohen mit Stilllegung von Gaskraftwerk Irsching

Das Gaskraftwerk Irsching ist erst wenige Jahre alt und eines der modernsten in Europa, doch wegen der Energiewende lohnt es sich nicht mehr. Die Betreiber hoffen nun, dass Subventionen für die Anlage verlängert werden - sonst droht das Aus.

Gaskraftwerk Irsching: Turbinen auf modernstem Stand
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Gaskraftwerk Irsching: Turbinen auf modernstem Stand


Düsseldorf/Berlin - Die Eigentümer des defizitären Gaskraftwerks Irsching drohen, ihre Anlage stilllegen. Der Energieversorger E.on, die Frankfurter Mainova, N-Ergie aus Nürnberg und die Darmstädter HSE wollten noch im März einen entsprechenden Antrag stellen, berichtet die ARD. Das Kraftwerk ist erst wenige Jahre alt und gilt als eines der modernsten in Europa.

"Die wirtschaftliche Perspektive des Gaskraftwerks Irsching ist äußerst kritisch", teilte E.on in einer Stellungnahme mit. Die Kosten könnten wegen der energiepolitisch veränderten Rahmenbedingungen kaum noch erwirtschaftet werden. "Da sich die Marktbedingungen in den letzten Jahren weiter zugespitzt haben, ist der Weiterbetrieb nach dem Auslaufen der bisherigen vertraglichen Regelung gefährdet."

Das Kraftwerk in Irsching ist ein Beispiel für die Folgen der Energiewende. Da immer mehr Ökostrom produziert wird, gleichzeitig aber nach wie vor die meisten Kohlemeiler auf Hochtouren laufen, gibt es am Strommarkt ein immer größeres Überangebot. In der Folge sind die Preise stark gesunken. Vor allem Gaskraftwerke sind nicht mehr konkurrenzfähig und stehen die meiste Zeit still.

Irsching war laut ARD im vergangenen Jahr nur deshalb überhaupt am Netz, weil die Bundesnetzagentur es zur Stabilisierung des Stromnetzes vorgesehen hat. Energie für den Markt habe das Werk nicht erzeugt.

Bundesnetzagentur muss über Irschings Zukunft entscheiden

Bereits 2013 stand die Anlage auf der Kippe. Schon damals wollte E.on die Anlage am liebsten stilllegen. Doch die bayerische Landesregierung und die Bundesnetzagentur setzten sich damals für den Weiterbetrieb als Reservekraftwerk ein. Seitdem wird die Anlage subventioniert. Die Betreiber bekommen für die Blöcke 4 und 5 pro Jahr jeweils einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Sonderregelung läuft noch bis Ende März 2016.

Eine Stilllegung der Anlage muss zwölf Monate zuvor bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Die Behörde entscheidet, welche Anlagen für eine sichere Stromversorgung am Netz bleiben müssen. Sie könnte neue Subventionen für Irsching beschließen. Dann könnte die Anlage weiterlaufen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geht davon aus, dass genau das passiert. Die Bundesnetzagentur werde nach Vorliegen des Antrags prüfen, ob die beiden Kraftwerksblöcke 4 und 5 wichtig für die Stabilität der Stromnetze seien: "Dann wird der Stilllegung widersprochen." Anschließend werde Irsching in die Reserve-Kraftwerksverordnung aufgenommen, die Betreiber erhielten weiter Geld dafür.

Heftiger Streit um Stromtrassen

Die Debatte um Irsching ist vor allem für Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer unbequem. Denn Bayern benötigt fossile Kraftwerke, um nach der Stilllegung aller Atomkraftwerke 2022 Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Strom könnte künftig aus Windrädern aus dem Norden der Republik kommen, doch dafür müssten erst zwei neue Stromtrassen errichtet werden, deren Bau Seehofer blockiert. Sein Alternativvorschlag: mehr Gaskraftwerke.

Seehofer zeigte denn auch keinerlei Verständnis für die drohende Stilllegung von Irsching. "Es ist geradezu ein Treppenwitz, dass wegen der noch nicht getroffenen Entscheidungen, unter welchen Bedingungen konventionelle Kraftwerke weiterbetrieben werden sollen, jetzt das modernste Gaskraftwerk Europas stillgelegt werden soll, damit alte Kohlekraftwerke weiterlaufen können", sagte er dem ARD-Hauptstadtstudio.

Gabriel forderte Seehofer erneut auf, den Widerstand gegen neue Stromautobahnen von Norden nach Süden aufzugeben. "Was wir dringend brauchen, ist der Ausbau der Energienetze auch in Bayern", sagte er. Es sei etwas merkwürdig, öffentlich neue Gaskraftwerke zu fordern, "wenn wir gerade merken, dass ein hochmodernes Gaskraftwerk nicht wirtschaftlich ist, und wir es letztlich nur für unsichere Zeiten brauchen".

ssu/stk/dpa/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 386 Beiträge
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Bondurant 06.03.2015
1. In diesem unsrem Lande
verfestigt sich täglich der Eindruck, man lebe in einem Narrenhaus.
cirkular 06.03.2015
2. Durch den Streit mit Russland wird Gas zur unsicheren
Energie. Mit TTIP wird das alles noch viel volatiler.
Pfaffenwinkel 06.03.2015
3. Für die Bayern
und damit Seehofer ist das ein Schlag ins Gesicht. Aber Seehofer hatte bisher keine Probleme mit einer Kehrtwendung um hundert Grad.
MarkusH. 06.03.2015
4.
wieviel Steuermillionen flossen in dieses Gaskraftwerk? na besser Eon kassiert unser Geld als das Ausland :P
WwdW 06.03.2015
5. Seehofer und CSU - Sargnagel
Seehofer und CSU sind der Sargnagel für Bayern. Wenn der Herr und sein G'scherr nicht endlich in die Pötte kommen und die zwei Stromleitungen durchwinken, dann geht in Bayern bald für immer das Licht aus. Und eine Völkerwanderung wird einsetzten. Industrie, Handwerk und moderene Menschen werden aus Bayern ausreisen und maximal ein paar Steinzeitmenschen nach Bayern zeihen, die ohne Strom, Wasser etc. leben möchten.
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