Beckenbauer als Gazprom-Botschafter Lassen Sie uns nicht über Politik reden!

Der umstrittene russische Energieriese Gazprom hat Fußballegende Franz Beckenbauer angeheuert, um sein Image aufzupolieren. Der sieht darin kein Problem - und schwelgt lieber in Erinnerungen an seine Tore gegen die Mannschaft der UdSSR.

Von Claudia Thaler, Moskau

Franz Beckenbauer: Fußball-Legende
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Franz Beckenbauer: Fußball-Legende


Eigentlich ist es eine hochpolitische Veranstaltung, aber über Politik reden will niemand. Franz Beckenbauer, Deutschlands Fußball-Legende Nummer eins, hat beim russischen Energiegiganten Gazprom angeheuert, dem weltgrößten Gaskonzern. Beckenbauers Image in der Welt ist beinahe ungeteilt positiv. Das von Gazprom trotz teurer PR-Anstrengungen, beispielsweise als Sponsor von Schalke 04, bestenfalls gemischt. Umso mehr freuen sich die Russen, dass einer wie Beckenbauer sich von ihnen bezahlen lässt, um das Bild des Mammutkonzerns aus dem Osten aufzuhellen.

Denn Gazprom ist eine Staatsfirma und das Werkzeug von Kremlherr Wladimir Putin. Gas dient Russland nicht nur als Devisenquelle, sondern auch als politische Waffe. Bündnispartner bekommen den Rohstoff zu Vorzugspreisen. Die arme, aber unbequeme Ukraine, die sich dem Einfluss des Kreml entziehen will, muss für russisches Gas mehr bezahlen als das reiche Deutschland.

Aushängeschild für die WM 2018

Davon ist keine Rede, als der "Kaiser" im Land von Zar Putin seine erste Pressekonferenz als Gazprom-Sportbotschafter gibt. "Ich bin hier als Sportler. Es geht um ein Miteinander, nicht um Politik", sagt Beckenbauer. Mit Gazprom-Vize Alexander Medwedew verbindet Beckenbauer "eine innige Freundschaft", er kennt ihn seit der EM 2008 in Österreich und der Schweiz und nennt ihn " meinen lieben Freund Alexander". Enthusiastisch schwelgt er in den Erinnerungen an den 25. Juli 1966, als Deutschland in Liverpool im WM-Halbfinale die Sowjetunion zwei zu eins besiegte und er in der 68. Minute das zweite deutsche Tor schoss. Aber bitte keine Politik!

Seit einem Jahr ist Beckenbauer als "Sportbotschafter" für Gazprom aktiv. Als Sponsor der Europäischen Fußball-Union Uefa und Geldgeber für beliebte Sportereignisse will Gazprom nicht nur sein eigenes Image aufpolieren, sondern auch das von Russland selbst.

Beckenbauers offizielle Funktion ist, für sportliche Großereignisse in Russland zu werben. So ist er eines der prominenten Aushängeschilder der Winterspiele in Sotschi 2014 und der Fußballweltmeisterschaft in fünf Jahren. Im Mai präsentierte Beckenbauer in London eine Jugendveranstaltung, deren Hauptsponsor Gazprom war. Für das Programm "Fußball für Freundschaft" gab der Konzern von 2007 bis heute umgerechnet 22 Millionen Euro aus. "Alles für die Kinder", wie Beckenbauer-Freund Medwedew betont.

Dann darf der 12-jährige Nachwuchsfußballer Andrej seinem Idol die Hand schütteln und Beckenbauer das Ehrenabzeichen der Jugendspiele überreichen. Die leuchtenden Gesichter der Kinder seien alle Arbeit wert, meint Beckenbauer gerührt.

Dass bei dem einstigen Fußballkaiser purer Idealismus am Werk ist, scheint wenig wahrscheinlich. Auf die Frage, wie viel Beckenbauer mit seinem Werbedeal bei Gazprom verdiene, lächelt dieser nur verschmitzt und verweist auf seinen Manager Marcus Höfl. Auch der schüttelt den Kopf: "Die genaue Summe habe ich vergessen", sagt er.

Im Dienste des Kreml

Beckenbauer ist nicht der einzige prominente Neuzugang auf der Werbeliste der Russen. Ex-Kanzler Gerhard Schröder steht seit März 2006 als Vorstandschef der Ostsee-Pipeline Nordstream AG in Verbindung mit Gazprom. Der französische Schauspieler Gérard Depardieu hat sich nach Streitigkeiten über den Spitzensteuersatz in Frankreich von Paris ab- und Moskau zugewandt. Von Putin erhielt er sogar die russische Staatsbürgerschaft. Seitdem preist Depardieu die russische Kultur und Freiheit bei jeder Gelegenheit. Seinen Wohnsitz nahm er in der Provinzhauptstadt Saransk in der Straße der Demokratie. Auch der amerikanische Actionheld Steven Seagal ist ein Putin-Freund. Seit kurzem wirbt Seagal im Ausland für die russische Rüstungsindustrie.

Jennifer Lopez in der Wüste

Wenn es ums große Geld im wilden Osten geht, übergehen manche Stars gerne ihre persönliche Moralgrenze: So schmeichelte die amerikanische Sängerin Jennifer Lopez dem turkmenischen Diktator Gurbanguly Berdymuchammedow am vergangenen Wochenende mit einem Geburtstagsständchen in der Hauptstadt des Wüstenstaats. Von Menschenrechtsverletzungen und Repressionen der Staatsmacht hätte die Sängerin nichts gewusst, argumentiert ihr Management.

Wichtig seien für ihn nur die Werte und das Miteinander im Sport, sagt Beckenbauer, und Gazprom-Vize Medwedew stimmt seinem deutschen Freund zu: "Ohne Ideale wäre solch ein Projekt nicht möglich gewesen", sagt er. Ohne eine lukrative Geldsumme an Beckenbauer sicherlich auch nicht.

Und natürlich sieht der Fußballfunktionär kein Problem darin, dass er sich als Ehrenpräsident von Bayern München von Gazprom bezahlen lässt, das den Bundesliga-Konkurrenten Schalke 04 mit jährlich 16 Millionen Euro sponsert. "Unsere Vereine verbindet doch eine jahrelange Freundschaft", sagt Beckenbauer.



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Seite 1
nichzufassen 02.07.2013
1. na klar
jaja, der kaiser. wenn die kasse stimmt, ist alles bester ordnung. es geht ja nur um sport. ein weiterer verlogener bayern-katholik, den den hals nicht voll genug kriegen kann. widerlich. man sollte bei dem mal etwas genauer nach schweizer konten forschen wie beim ulli
volker_morales 02.07.2013
2. Wer auf gazprom zeigt,
sollte nicht vergessen, dass viele deutsche Unternehmen wie beispielsweise DaimlerBenz und VW, in das dritte Reich und dessen Verbrechen involviert waren. Das ist zwar etwas länger her, aber "reiner" als gazprom sind diese Unternehmen auch nicht und werden dennoch als Sponsoren akzeptiert. Der echte Unterschied besteht eigentlich darin, dass sich Beckenbauer letzutlich von der russischen Regierung bezahlen läßt, die mit Hilfe von gazprom auch politschen Einfluss auf die Gestaltung der WM nimmt und damit zumindest nach meinem Verständnis die Pflicht zur Nichteinmischung verletzt. Da aber Blatter nach meiner Einschätzung die WM 2018 und 2022 ohnehin verkauft hat, spielt dieser Verstoß eigentlich auch keine Rolle mehr.
herrbausb 02.07.2013
3. Der Kaiser bei
Das ist doch bekannt, dass der Kaiser für die arbeitet. Bereits zum CL-Finale in London gewährte er Jugendlichen aus aller Welt bei "Football for Friendship" Einblicke in seine Karriere: http://www.bochumschau.de/champions-league-finale-wembley-schalke-u13-2013.htm
heinz4444 02.07.2013
4. Pecunia non olet
Auch Kaiser können den Verlockungen des Geldes nicht widerstehen.
berlin-steffen 02.07.2013
5. Geld stinkt nicht
Das haben schon viele Promis erkannt. Aber irgendwann reicht es uns, dann muß auch der Kaiser Farbe bekennen. Er kann sich nicht nur auf seinen Lorbeeren ausruhen. In Brasilien machen es die Leute richtig. Wir brauchen keine Fußball-Funktionäre. Und auch die UEFA/FIFA ist ersetzbar. Weg mit den Bonzen!
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