Trotz Ukraine-Krise Gazprom liefert mehr Gas nach Europa

Die Ukraine-Krise hat dem Geschäft von Gazprom mit der EU bisher nicht geschadet: Der russische Energiekonzern lieferte im ersten Halbjahr 2014 mehr Gas nach Europa als im Vorjahreszeitraum.

Gas-Importstation in Österreich: EU steigert Gaseinfuhr aus Russland
REUTERS

Gas-Importstation in Österreich: EU steigert Gaseinfuhr aus Russland


Moskau - Obwohl die Europäische Union unabhängiger vom russischen Gas werden will, hat der russische Energieriese Gazprom seine Lieferungen nach Europa gesteigert. Im ersten Halbjahr 2014 habe Gazprom 80,8 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa exportiert, 2,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, berichtete die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass. Auf EU-Staaten entfielen davon den Angaben zufolge 67,9 Milliarden Kubikmeter Gas.

Die Europäische Union ist damit stark von russischem Gas abhängig. Sie muss etwas mehr als die Hälfte ihres Energiebedarfs importieren, 40 Prozent davon bezieht die EU aus Russland. Brüssel strebt aber seit Längerem an, unabhängiger von russischem Gas zu werden. Die von der EU im Ukraine-Konflikt verhängten Wirtschaftssanktionen treffen nicht den Gassektor des Landes. Russland drohte aber, die Lieferungen über die Ukraine einzustellen.

Gaskonzern aus Ukraine warnt vor Engpässen

Wie vor einigen Tagen schon die ukrainische Regierung warnte nun auch der ukrainische Staatskonzern Naftogaz europäische Unternehmen vor Versorgungsengpässen. Naftogaz sehe es als seine Pflicht an, seine europäischen Partner rechtzeitig auf mögliche Risiken hinzuweisen, teilte das Unternehmen mit. Europäische Kunden sollten prüfen, inwieweit sie ihr Gas auch direkt von Russland beziehen könnten.

Wegen der Kämpfe zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten im Osten des Landes sind die Beziehungen zwischen den Regierungen in Kiew und Moskau gespannt. Seit dem Sturz des prorussischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch im Februar streiten sich Naftogaz und der russische Monopolist Gazprom über den Gaspreis.

Weil beide Seiten sich auch nach monatelangen Verhandlungen nicht einigen konnten, drehte Gazprom der Ukraine im Juni den Gashahn zu und pocht seitdem auf die Begleichung offener Rechnungen. Etwa die Hälfte der Gaslieferungen nach Europa wird durch die Ukraine geleitet. EU-Energiekommissar Günther Oettinger will Ende August einen neuen Anlauf unternehmen, um den Gasstreit zu entschärfen.

ade/dpa

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Leser1000 13.08.2014
1. Mission Impossible?
Wünsche Hern Oettinger ein glückliches Händchen. Allerdings bin ich skeptisch. Es sei denn die Ukraine-Krise wird in etwa gelöst. Denn letztlich hängt doch alles zusammen. Sicherlich ne Binsenweisheit. Ändert aber nichts an der Richtigkeit.
kenterziege 13.08.2014
2. Na dann hoffen wir mal, dass es
Zitat von sysopREUTERSDie Ukraine-Krise hat dem Geschäft von Gazprom mit der EU bisher nicht geschadet: Der russische Energie-Konzern lieferte im ersten Halbjahr 2014 mehr Gas nach Europa als im Vorjahreszeitraum. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gazprom-liefert-trotz-ukraine-krise-mehr-gas-nach-europa-a-986004.html
....diesen Winter noch mal klappt. Wenn die "Freunde" aus Kiew den Weg des Gases dicht machen, gibt es ja noch die North-Stream-Leitung. Die Kapazität ist zwar nicht ganz doll, aber mit der direkten Belieferung könnte es noch mal gerade klappen. Hoffen wir auf einen milden Winter. Eigentlich können alle dem Deal von Schroeder dankbar sein. Auch Frau Merkel. Sie profitiert schon das zweite Mal von Schroeder. Erst Agenda 2010 und nun sicheres Gas durch die Schroeder-Putin-Direktleitung, auf die Polen so sauer war. Ohne Gas aus Russland kann sich Frau Merkel ihre in der Welt einmalige, und mit vollem Unverständnis betrachtete Energiewende, in die restlichen Haare schmieren. Was glauben wir, was hier los ist, wenn die Leute das erste Mal seit 1947 frieren müssen! Das fegt Regierungen weg!
mastertill 13.08.2014
3. Russland hat recht
Wie wir deutschen es hätten machen müssen . Erstmal unsere Schulden eintreiben bevor wir neue Kredite vergeben . Wann wäre es auch nicht zu einer Überschuldung Griechenlands usw gekommen
energieinfo 14.08.2014
4. Aber ...
Zitat von sysopREUTERSDie Ukraine-Krise hat dem Geschäft von Gazprom mit der EU bisher nicht geschadet: Der russische Energie-Konzern lieferte im ersten Halbjahr 2014 mehr Gas nach Europa als im Vorjahreszeitraum. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gazprom-liefert-trotz-ukraine-krise-mehr-gas-nach-europa-a-986004.html
1) Sind die Sanktionen gegen Russland nicht erst vor einigen Tagen aktiv geworden? - Es wäre also wahrscheinlicher, dass Probleme während der Sanktionen und dann noch in der Hauptverbrauchszeit ab November würden, falls es welche gibt. 2) Ich wünsche mir 2 oder 3 zusätzliche Flüssigerdgas-Terminals für Europa - das würde die Optionen des Edgasbezugs deutlich erhöhen!
uvg 14.08.2014
5. Schön und gut, aber ....
unsere Regierung ist trotzdem gefordert, für die künftige Absicherung der Energieversorgung alternative Bezugs- Quellen zu finden und zu installieren.
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