Tauschgeschäft mit BASF: Gazprom sichert sich Zugang zu deutschen Kunden

Für Gazprom geht ein Traum in Erfüllung: Der russische Staatskonzern tauscht Konzernteile mit dem deutschen Konkurrenten BASF - und erhält damit Zugang zum westeuropäischen Markt. Im Gegenzug sollen die Deutschen Anteile an sibirischen Gasfeldern bekommen.

Pipeline in den Urengoi-Gasfeldern: BASF erhält Zugriff auf weitere Teile der Vorkommen Zur Großansicht
REUTERS

Pipeline in den Urengoi-Gasfeldern: BASF erhält Zugriff auf weitere Teile der Vorkommen

Ludwigshafen/Moskau - Der weltgrößte Chemiekonzern BASF gibt den Gashandel an Gazprom ab und setzt auf die Förderung von Öl und Gas. Dazu tauschen beide Unternehmen Firmenteile im gleichen Wert. BASF erhält von den Russen 25 Prozent der Anteile an Gasfeldern in Westsibirien. Im Gegenzug geht das bislang gemeinsam betriebene Erdgashandels- und Speichergeschäft komplett an Gazprom. Dazu gehört unter anderem das Kasseler Unternehmen Wingas.

Für Gazprom Chart zeigen geht mit dem Tausch ein Traum in Erfüllung: "Die Aufstockung des Anteils an Gasspeichern und Gashandelsunternehmen wird es uns gestatten, auf dem Endkundenmarkt in europäischen Ländern Fuß zu fassen", sagte Gazprom-Vorstandschef Alexej Miller.

Doch noch ist nicht sicher, ob das Geschäft überhaupt vollzogen wird. Die Bundesregierung behält sich ein Veto vor. "Die Bundesregierung wird die Transaktion im Rahmen ihrer außenwirtschaftlichen Möglichkeiten prüfen", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

Über den Paragraf 53 des Außenwirtschaftsgesetzes hat die Regierung die Möglichkeit, ein Veto gegen einen Anteilskauf von Nicht-EU-Unternehmen an deutschen Firmen auszusprechen. Voraussetzung ist, dass der "Erwerb die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährdet". Dies gilt etwa bei Beteiligungen an Rüstungsunternehmen, aber kann auch für Infrastruktur- oder Energieunternehmen gelten.

Auch BASF profitiert

Sollte der Tausch zustande kommen, würde er die Position des russischen Staatskonzerns in Westeuropa deutlich stärken. Schon jetzt hat Gazprom Chart zeigen eine dominierende Stellung im europäischem Markt. Mit der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee pumpt der Konzern bereits durch zwei Leitungen Gas direkt nach Deutschland, ein Ausbau wird erwogen. Und am 7. Dezember beginnt das Unternehmen mit dem milliardenschweren Bau der Röhre South Stream durch das Schwarze Meer und bekommt dann leichter Zugang zum südeuropäischen Markt.

Doch auch für BASF Chart zeigen wäre das Geschäft nach Ansicht von Experten ein Gewinn. Geplant ist etwa, dass die Konzerntochter Wintershall gemeinsam mit Gazprom zwei weitere Teile des Urengoi-Gasfeldes in Westsibirien erschließt. Wintershall verfügt den Angaben zufolge zudem über eine Option, den Anteil an diesen Lagerstätten auf 50 Prozent aufzustocken. Das Urengoi-Feld gilt mit einer Billion Kubikmeter Gas und rund 200 Millionen Tonnen Gaskondensat als äußerst lukrative Lagerstätte.

Das Tauschgeschäft stehe in Einklang mit der Strategie der BASF, die Exploration und Produktion von Öl und Gas auszubauen, sagte Unternehmenschef Kurt Bock laut Mitteilung. Erst im Oktober hatte sich BASF in norwegische Öl- und Gasfelder eingekauft und dafür gut eine Milliarde Euro an den norwegischen Statoil-Konzern gezahlt. Im Gegenzug für die Beteiligung an den drei Nordsee-Feldern erhielt Statoil 15 Prozent an einem BASF-Ölfeld.

stk/dpa/Reuters

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insgesamt 22 Beiträge
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1.
Mehrleser 14.11.2012
Hat die BASF nichts von Shell gelernt? Im Zweifelsfall schickt Putin einen Schlägertrupp, dann kann BASF die frisch eingetauschten Anteile in den Wind schreiben, während Gazprom in Deutschland fröhlich Geschäfte macht. Selten naiv und dämlich!
2. Abstand
Gröfurz 14.11.2012
Zitat von MehrleserHat die BASF nichts von Shell gelernt? Im Zweifelsfall schickt Putin einen Schlägertrupp, dann kann BASF die frisch eingetauschten Anteile in den Wind schreiben, während Gazprom in Deutschland fröhlich Geschäfte macht. Selten naiv und dämlich!
Und die Zeche zahlt der Endverbraucher. Die Ukraine kauft mittlerweile Gas bei RWE aus dem EU-Gaspool, weil Gas aus Russland "signifikant teurer ist". Die Russen werden abzocken so viel sie können, wenn sie erstmal Marktmacht oder Monopolstellung haben. Gasprom ist zudem ein geradezu mafiös geführtes Unternehmen. Intransparent, korrupt, mit nachweislichen Verbindungen zur Organisierten Kriminalität. Die Blöden hierzulande rollen den russischen Mafiosi den roten Teppich aus und handeln damit gegen die nationalen Interessen Deutschlands. Gasprom und Putin-Russland sind durch und durch mafiös und sollten im Interesse der Zivilgesellschaft und Demokratie auf Abstand gehalten werden. Nur soviel Kontakt wie nötig und schon gar kein Zugang für Gasprom zum Endverbraucher. Zudem: jeder in Europa verdiente Euro geht direkt in die Kassen der russischen Putin-Faschos und stärkt deren Diktatur.
3.
Boesor 14.11.2012
Zitat von MehrleserHat die BASF nichts von Shell gelernt? Im Zweifelsfall schickt Putin einen Schlägertrupp, dann kann BASF die frisch eingetauschten Anteile in den Wind schreiben, während Gazprom in Deutschland fröhlich Geschäfte macht. Selten naiv und dämlich!
Meinen Sie BP? Falls ja, die konnten ihre Anteile jedenfalls nicht in den Wind schreiben, sondern bekamen eine Menge Geld dafür.
4. Gazprom-Gerd
alibaba2011 14.11.2012
und unser ExKanzler auch Gazprom-Gerd genannt und die Fäden gesponnen. Zum Ehrensold noch eine Schaufel Rubel, da lebt sich doch gut.
5. BASF bekommt sibirische Felder
hxk 14.11.2012
Zitat von sysopFür Gazprom geht ein Traum in Erfüllung: Der russische Staatskonzern tauscht Konzernteile mit dem deutschen Konkurrenten BASF - und erhält damit Zugang zum westeuropäischen Markt. Im Gegenzug sollen die Deutschen Anteile an sibirischen Gasfeldern bekommen. Gazprom und BASF tauschen Unternehmensteile - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gazprom-und-basf-tauschen-unternehmensteile-a-867287.html)
Und wie lange wird sie den Zugang behalten? Ein Jahr, zwei? Schön doof, wer auf Gasprom vertraut.
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