Konflikt mit den USA Gazprom warnt Europa vor Lieferengpässen

Gazprom rät den Europäern, möglichst rasch die Importe aus Russland zu erhöhen. Sonst könne es zu Lieferengpässen kommen. Die USA wollen den Einfluss Russlands in der Energiepolitik zurückzudrängen.

Rohre für die Ostsee-Erdgastrasse Nord Stream 2
DPA

Rohre für die Ostsee-Erdgastrasse Nord Stream 2


Der russische Energiekonzern Gazprom warnt Europa vor einem möglichen Gasengpass und daraus resultierenden Preiserhöhungen im kommenden Jahrzehnt. Dazu könnte es kommen, wenn Europa sich nicht schnell entscheide, Importe aus Russland zu erhöhen. Das sagte Gazprom-Vize Alexander Medwedew der Nachrichtenagentur Reuters. Gaslieferungen aus den USA oder Katar würden nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken.

Hintergrund ist eine Initiative der USA, den Einfluss Russlands in Europas Energiepolitik zurückzudrängen. Die US-Regierung will eigene Gaslieferungen nach Europa und Asien ausweiten. Die USA wollen damit eigenen Angaben zufolge Marktverzerrungen durch Russland und die Opec reduzieren.

Russische Gaslieferungen an Europa sind politisch umstritten, weil Moskau Lieferungen an die Ukraine mehrfach ausgesetzt hatte. Dabei ging es vor allem um Streitigkeiten wegen des Preises und ausbleibende ukrainische Zahlungen. Die Annexion der Krim durch Russland 2014 verschärfte die Spannungen.

Gazprom bereitet Lieferungen an China vor

Der Westen beschuldigt Russland, Gaslieferungen als politische Waffe zu missbrauchen. Russland wiederum wirft dem Westen vor, neue Pipelineprojekte eher aus politischen als aus wirtschaftlichen Gründen zu blockieren.

Die Warnung über einen möglichen Lieferengpass an Europa kommt zeitgleich mit den Vorbereitungen Gazproms für groß angelegte Lieferungen an China. Medwedew sagte, der Konzern habe genug Vorräte für Europa und Asien. Aber es sei Zeit für Europa zu entscheiden, wo sich der Kontinent eindecken wolle. Die Nachfrage würde steigen und die Produktion sinken.

Europa folge der fälschlichen Annahme, keine weiteren Gaslieferungen zu benötigen und sie nötigenfalls von außerhalb Russlands beziehen zu können, sagte Medwedew.

Trotz wiederholter Warnungen vor einer zu großen Abhängigkeit Russlands waren die Gazprom-Exporte im vergangenen Jahr auf ein Allzeithoch von 194 Milliarden Kubikmeter gestiegen. Der Marktanteil des russischen Konzerns in Europa lag bei 35 Prozent.

brt/Reuters

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