Nach Niederlage vor Schiedsgericht Russland will kein Gas an Ukraine liefern

Gazprom reagiert auf die milliardenschwere Niederlage gegen Naftogaz vor einem Schiedsgericht. Der russische Staatskonzern will unverzüglich die Verträge mit dem ukrainischen staatlichen Versorger auflösen.

Gazprom-Chef Alexej Miller
AP

Gazprom-Chef Alexej Miller


Am Donnerstag hatte ein Schiedsgericht in Schweden entschieden, dass Gazprom dem ukrainischen Staatskonzern Naftogaz rund zwei Milliarden Euro zahlen muss. Nun hat der russische Staatskonzern die unverzügliche Auflösung eines noch bis 2019 laufenden Liefervertrags angekündigt. Vorstandschef Alexej Miller warf dem internationalen Schiedsgericht in Stockholm vor, die Ukraine bei seinen Urteilen bevorzugt zu haben.

Das Schiedsgericht hatte verschiedene Ansprüche gegeneinander aufgerechnet. Russland habe weniger Gas durchgeleitet als vereinbart. Der Ukraine gab das Gericht auf, 2018 mindestens fünf Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas zu kaufen.

Gazprom weigert sich nun allerdings, Naftogaz kurzfristig wieder Gas zu verkaufen und überwies eine Vorauszahlung aus Kiew für März zurück. Es fehlten die nötigen Zusatzverträge, argumentierte der Konzern. Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für russisches Gas Richtung EU. Sie hatte aber auch für März erstmals seit zwei Jahren wieder Gas aus Russland zum Eigenverbrauch kaufen wollen.

Stattdessen weicht Naftogaz nun auf Lieferungen aus Polen aus. "Dank unserer polnischen Partner ist ein erneuter Versuch Moskaus fehlgeschlagen, Gas als politische Waffe gegen die Ukraine zu nutzen", sagte Konzernchef Andrej Kobolew. In der gegenwärtigen Kälte verbraucht die Ukraine viel Gas. Deshalb wurden Kindergärten, Schulen und Hochschulen bis kommenden Mittwoch geschlossen.

Die EU-Kommission bot an zu vermitteln, wenn beide Seiten dies wollten. Vizepräsident Maros Sefcovic werde mit beiden Seiten Kontakt aufnehmen, sagte eine Sprecherin. Der Gasfluss in die EU werde beobachtet, sei aber normal und stabil. Die Naftogaz-Tochter Ukrtransgaz berichtete indes von einem Druckabfall bei dem von Russland gelieferten Transitgas.

fdi/dpa



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