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Gefeuerte Yahoo-Chefin Bartz: "These people fucked me over"

Sie ist um deutliche Sprüche nicht verlegen: Die gefeuerte Yahoo-Chefin Carol Bartz nennt in einem Interview Details ihres Rauswurfs. Als der Aufsichtsratschef ihr am Telefon eine vorbereitete Erklärung verlas, habe sie ihn gefragt, ob er nicht die Eier habe, es ihr mit eigenen Worten zu sagen.

Ex-Yahoo-Chefin Bartz: "Die haben mich verarscht" Zur Großansicht
AFP

Ex-Yahoo-Chefin Bartz: "Die haben mich verarscht"

Die gefeuerte Konzernchefin zeigt sich wenig zimperlich: "These people fucked me over", sagte Carol Bartz in ihrem ersten Interview nach dem Rauswurf als Yahoo-Chefin. In halbwegs diplomatisches Deutsch übersetzt heißt das so viel wie: "Diese Leute haben mich verarscht." Das meldet das US-Magazin "Fortune", deren Reporter einen Tag nach Bartz' Kündigung am Dienstagabend mit ihr sprach. In dem Interview habe sie die Mitglieder des Yahoo-Aufsichtsrats zudem als "Idioten" bezeichnet, heißt es in dem Bericht.

Der Chef des Kontrollgremiums hatte Bartz nach nur zweieinhalb Jahren Amtszeit entlassen. Damit musste die Yahoo-Chefin bereits deutlich vor dem Ende ihres Vier-Jahres-Vertrags gehen.

Sie habe von ihrem Rauswurf am Telefon erfahren, teilte Bartz ihren Mitarbeitern in einer E-Mail mit. "Ich bin sehr traurig, euch mitteilen zu müssen, dass mich der Aufsichtsratsvorsitzende von Yahoo gerade am Telefon gefeuert hat", schreibt Bartz darin. "Es war mir ein Vergnügen, mit euch zu arbeiten und ich wünsche euch für die Zukunft alles Gute."

Yahoo hat unter Bartz immer mehr Boden gegenüber den schärfsten Konkurrenten Google und Facebook verloren. Alle drei Internet-Unternehmen finanzieren sich größtenteils mit Werbung. Der Verwaltungsrat von Yahoo sieht die Schuld für die schwache Geschäftsentwicklung nach US-Medienberichten bei Bartz und hat sich deshalb von ihr getrennt.

In dem Gespräch mit "Fortune" schilderte Bartz detailliert den Ablauf des Telefongesprächs mit Aufsichtsratschef Roy Bostock. Sie sollte ihn am Dienstag um 18 Uhr anrufen und habe dies um 18:06 getan. Bostock habe dann sofort begonnen, das Statement eines Anwalts vorzulesen. Sie habe ihn dann gefragt, warum er "nicht die Eier habe, es mir in seinen eigenen Worten zu sagen". Als er dann weiter gelesen habe, habe sie gesagt: "Ich hätte gedacht, dass du mehr Klasse hast."

Zehn Millionen Dollar Abfindung

Bartz erzählte "Fortune" weiter, sie habe nach dem Anruf zwei Stunden Zeit gehabt, um zu entscheiden, ob sie zurücktritt oder dem Aufsichtsrat erlaubt, sie zu entlassen.

Zwar rief sie dann nach eigenen Angaben zunächst ihren Mann und ihre langjährige Assistentin an. Den Karriereknick wollte sie aber dennoch selbst managen. Das macht laut "Fortune" ihr Verhalten deutlich: Weil Bartz wusste, dass die Anwälte von Yahoo in ihr Hotel kommen wollten, wechselte sie einfach in ein anderes. "Bin ich denn blöd?", wird sie von dem Magazin zitiert.

Immerhin zeigt Bartz Größe - und lobt ihren Interimsnachfolger: "Er ist ein großartiger Typ." Bis auf weiteres hat bei Yahoo Vorstandsmitglied Timothy Morse das Ruder übernommen, der unter Bartz als Finanzvorstand gearbeitet hatte.

So brutal der Rausschmiss am Telefon auch war - immerhin wird er Carol Bartz mit einer stattlichen Summe vergolten. Rund zehn Millionen Dollar dürfte sie bekommen, da ihr Vertrag eigentlich noch eineinhalb Jahre weitergelaufen wäre.

Laut einer Börsenmitteilung von April hätten Bartz 10,4 Millionen Dollar zugestanden, wenn sie am Ende des vergangenen Jahres ausgeschieden wäre. Die Hälfte davon wäre in bar ausbezahlt worden, die andere Hälfte in Aktien. Diese Summen dürften im Wesentlichen bis heute Bestand haben. Wie Yahoo mitteilte, gibt es keine neue Vereinbarung.

Im Netz gehen die Meinungen zu Bartz' Interview, das genauso unfreundlich ist wie der Rauswurf selbst, weit auseinander. Der "Business Insider" nennt das Interview "großartig", die Bloggerin Kara Swisher von "All Things Digital" schreibt dagegen: "Dass jemand das Schimpfwort 'Idiot' benutzt, habe ich zuletzt gehört, als ich acht Jahre alt war und auf dem Spielplatz um eine Schaukel gekämpft habe." Die drastische Wortwahl der Managerin kommt für die Bloggerin wenig überraschend: Bartz sei stets ein "Riesengeschenk für die Presse" gewesen, aber eben "nicht so sehr eines für Yahoo".

cte/dpa

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1. to ride a dead horse
7days 08.09.2011
Weisheit der Indianer: Wenn Du feststellst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab! Es ist davon auszugehen, dass sich erneut ein abgehalfterter CEO finden wird, der fuer 10 Mio auch die naechsten vier Jahre Wiederbelebungsversuche betreibt.
2. Keine Beleidigungen ausdrueken!
RuleBritannia, 08.09.2011
Zitat von sysopSie ist um deutliche Sprüche nicht verlegen: Die gefeuerte Yahoo-Chefin Carol Bartz*nennt*in einem Interview*Details ihres Rauswurfs. Als der Aufsichtsratschef ihr am Telefon eine vorbereitete Erklärung verlas, habe sie ihn gefragt, ob er nicht die Eier habe, es*ihr*mit eigenen Worten zu sagen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,785213,00.html
Vielleicht sollen die SpiegelReadaktuere zurKenntnis nehmen, dass es nicht zum guten Ton gehoert fas F-word in der Presse auszudruecken. Das F-word ist vielleicht eines des schlimmsten Schimpfwpoerter ueberhaupt. Keine Britische Zeitung wuerde das F-word ausdruecken, die Yanks benutzen es viel haeufiger als in der UK. Dafuer gibt es im Britischen English viel mehr Auswahl an 'swearing oder foul language' werden aber nie in der Presse ausgedrueckt. Grund: sie sind einfach zu beleidingend! Die Briten sind ausserdem viel raffiniert wenn es darum geht, man ist 'understated'.
3. "...nicht die Eier hat..."
Kulturoptimist 08.09.2011
Ein ähnlicher Spruch von einem männlichen CEO, etwa "Vermutlich hatte sie ihre Tage oder so..." wäre ihn teuer zu stehen gekommen. Man sieht, dass es den Gendern.zis nicht um Gerechtigkeit geht, sondern dass sie sich höchst einseitig künstlich aufregen und leider in der Lage sind, damit Karrieren zu zerstören. Das muss irgendwann mal ein Ende haben!
4. x
R Panning, 08.09.2011
Zitat von RuleBritanniaVielleicht sollen die SpiegelReadaktuere zurKenntnis nehmen, dass es nicht zum guten Ton gehoert fas F-word in der Presse auszudruecken. Das F-word ist vielleicht eines des schlimmsten Schimpfwpoerter ueberhaupt. Keine Britische Zeitung wuerde das F-word ausdruecken, die Yanks benutzen es viel haeufiger als in der UK. Dafuer gibt es im Britischen English viel mehr Auswahl an 'swearing oder foul language' werden aber nie in der Presse ausgedrueckt. Grund: sie sind einfach zu beleidingend! Die Briten sind ausserdem viel raffiniert wenn es darum geht, man ist 'understated'.
Was sie nicht davon abhält eine ziemlich schäbige Skandalzeitungslandschaften zu haben. Es gibt eine schöne Szene in einem der Ocean's Filme. Im wesendlichen alles gebliepe. Wenn jeder weiß, daß bliep Möp heißt, was zum Geier soll dann die Hampelei?
5. ~
de.nada 08.09.2011
Zitat von KulturoptimistEin ähnlicher Spruch von einem männlichen CEO, etwa "Vermutlich hatte sie ihre Tage oder so..." wäre ihn teuer zu stehen gekommen. Man sieht, dass es den Gendern.zis nicht um Gerechtigkeit geht, sondern dass sie sich höchst einseitig künstlich aufregen und leider in der Lage sind, damit Karrieren zu zerstören. Das muss irgendwann mal ein Ende haben!
Kann sein, aber wirklich extra verwerflich wäre höchstens das Gender Motiv. Pure Amazonenbetriebe wären mal was.
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