Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Gehaltslücke: US-Angestellte sollen erfahren, wie viel mehr der Chef verdient

Trotz Protesten der Wirtschaftslobby hat die US-Börsenaufsicht SEC eine umstrittene Regelung beschlossen. Ab 2017 sollen Konzerne offenlegen, wie groß die Gehaltslücke zwischen Vorstandschefs und Mitarbeitern ist.

Dollar-Noten: Geldregen für Manager soll transparenter werden Zur Großansicht
REUTERS

Dollar-Noten: Geldregen für Manager soll transparenter werden

US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton hat die soziale Ungleichheit in den Vereinigten Staaten zu einem zentralen Thema ihres Vorwahlkampfes gemacht. Nun könnte die Diskussion darüber neue Fahrt aufnehmen. Denn die US-Börsenaufsicht SEC hat eine Regelung durchgewunken, die das Lohngefälle in Firmen transparent machen soll. US-Konzerne müssen künftig die Gehaltskluft zwischen ihrem Chef und dem Rest der Belegschaft veröffentlichen.

Die betroffenen Firmen müssen ab 2017 den Mittelwert (Median) der Angestelltenlöhne bestimmen und mit dem Chefgehalt vergleichen. Die Informationen müssen Investoren zugänglich gemacht werden. Betroffen sind große und mittelgroße börsennotierte Unternehmen.

Eine entsprechende gesetzliche Regelung wurde bereits 2010 ausgearbeitet. Nun beschloss die SEC, diese umzusetzen. Vorausgegangen waren hitzige Diskussionen. Auch innerhalb der Börsenaufsicht ist die Regelung umstritten. Von den fünf stimmberechtigten SEC-Mitgliedern votierten drei dafür und zwei dagegen.

Hintergrund der neuen Regeln ist die Sorge vor einer wachsenden Lohnungleichheit in den USA. Dort gehen die Einkommen im internationalen Vergleich relativ stark auseinander. Laut einer Studie des Economic Policy Institute aus Washington verdiente ein Unternehmenschef in den USA 2013 im Schnitt rund 300 Mal so viel wie ein durchschnittlicher Angestellter. 1963 war es 20 Mal so viel.

Während Demokraten für die nun von der SEC beschlossene Regelung werben, sind Republikaner und Wirtschaftsverbände dagegen. Nach Ansicht dieser Kritiker bringen die Regeln zu hohe Kosten mit sich. Außerdem hätten die Angaben über die Gehälter nichts mit der finanziellen Lage einer Firma zu tun und könnten Investoren in die Irre führen. Gewerkschafter hatten hingegen beklagt, dass die SEC die Vorschrift nicht schnell genug umsetze.

Die nun beschlossene Regel war Bestandteil der US-Gesetzesreform Dodd-Frank. Diese wurde im Zuge der Finanzkrise ausgearbeitet und soll verhindern, dass es wieder zum Crash kommt.

mmq/Reuters/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 72 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Hochprozentig
tomquixote 06.08.2015
Die Manager bekommen 100 Prozenz mehr Lohn als die Angestellten? Das ist ja'm Ding!
2. Jetzt sind schon die USA
rockwater 06.08.2015
sozialistischer als die BRD.
3.
nic 06.08.2015
Und damit ist dann die Ungleichheit bekämpft? Kapitalismus heißt nun mal Reich wird reicher (Wenige) und Arm wird ärmer (Viele). Das geht rechnerisch so lange bis jegliches Kapital in den Händen weiniger ist.
4. Oh ja
u.lose 06.08.2015
Das wäre mal was wenn wir so etwas auch hier bekommen würden. Alles transparent, alle Gehälter, alle Verünstigungen und alle Bedingungen. Uii hier wär was los.
5. natürlich sind Wirtschaftsverbände dagegen
Halcroves 06.08.2015
ebenso in Deutschland ist das 200 bis 300 Fache nicht mehr nachvollziehbar. Setzt die Maßlosen auf einer einsamen Insel aus, wo sie ihrer Existenz wegen arbeiten. Dann begreifen sie vielleicht den Sinn einer soz. Gemeinschafft. Und die Handlanger aus Politik gleich mitgeschickt, um Wasser zu holen, oder so.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



DER SPIEGEL
Das Kapital-Verbrechen
Anatomie einer Weltkrise, die gerade begonnen hat

Der Bankraub: Rekonstruktion eines Kapitalverbrechens


Fotostrecke
Der große Crash: Wie es zur Finanzkrise kam

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: