Gehalt nach Leistung: Karstadt will Verkäufer mit Boni anstacheln

Leistung soll sich bei Karstadt stärker lohnen: Die Kaufhaus-Kette führt ein Bonusprogramm für seine Mitarbeiter ein. In anderen Branchen genießen solche Anreize einen schlechten Ruf - auch beim früheren Mutterkonzern führten sie bereits zu heftigem Streit.

Kaufhaus-Drama: Karstadt kämpft ums Überleben Fotos
AP

Essen - Wer viel verkauft, erhält bei Karstadt künftig einen Zuschlag auf sein Gehalt. Zum 1. September startet die Kaufhaus-Kette ein Bonusprogramm für seine Mitarbeiter, wie Karstadt-Chef Andrew Jennings den Zeitungen der "WAZ"-Gruppe sagte. Mit dem Programm lohne sich "besondere Leistung in finanzieller Hinsicht", betonte er. Der Betriebsrat habe bereits zugestimmt.

In anderen Branchen sind Bonuszahlungen in den vergangenen Jahren eher in Verruf geraten. Besonders Banken mussten sich immer wieder dafür rechtfertigen, weil sie selbst in der Finanzkrise noch millionenschwere Prämien an ihre Mitarbeiter ausgezahlt hatten. Kritiker hatten immer wieder angemerkt, dass Boni zu einer Jagd nach kurzfristigem Gewinn führen, während die langfristigen Folgen für Unternehmen und Märkte ignoriert würden.

Auch beim früheren Karstadt-Mutterkonzern Arcandor gab es wegen Manager-Vergütungen bereits heftigen Streit. Klaus Hubert Görg warf Ex-Chef Thomas Middelhoff mehr oder weniger vor, der Konzern sei eine Zeit lang eine Art Selbstbedienungsladen des Managements gewesen. Trotz mieser Bilanzen sollen die Manager etliche Prämien kassiert haben. Middelhoff wies die Vorwürfe zurück.

Karstadt war im Sommer 2009 zusammen mit Arcandor insolvent gegangen. Der Brite Jennings hat die schwierige Aufgabe, die Kaufhaus-Kette zu sanieren und wieder wettbewerbsfähig zu machen. Nach Angaben des Managers ist das Unternehmen dabei "schon sehr weit, aber es liegt noch ein gutes Stück harter Arbeit vor uns".

Innerhalb der nächsten vier Jahre sollten rund 60 der 119 Filialen modernisiert werden. Noch seien nur "sehr wenige" Kaufhäuser so, wie sie sein sollten, sagte Jennings. Pläne für Filialschließungen gebe es nicht.

ssu/AFP/dapd

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insgesamt 43 Beiträge
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1. cooler vergleich... :)
fessi1 29.07.2011
Bankster-Millionen zu Fleischfachverkäufer-Extraeuro Mal ganz davon abgesehen. Bei wem hat das leistungsbezogene Endgeld einen schlechten Ruf? Nur bei denen die Angst haben, das Ihre "Norm versaut" wird.
2. Dem hat der Betriebsrat zugestimmt?
Kellner 29.07.2011
Sowas sorgt für Konkurrenzkampf unter den Mitarbeitern. Kunden werden einander weggeschnappt und eine neue Neidkultur wird einziehen. Und für die Kunden gibt es auch keine positiven Änderungen. Im Gegenteil. man wird vermutlich noch mehr belagert und Empfehlungen der Verkäufer kann man getrost ignorieren. Die ehrliche Meinung wird nicht vergütet.
3. Willkommen, Ambermoon.
Ambermoon 29.07.2011
Zitat von sysopLeistung soll sich bei Karstadt künftig stärker lohnen: Die Kaufhaus-Kette führt ein Bonusprogramm für seine Mitarbeiter ein. In anderen Branchen genießen solche Anreizprogramme einen schlechten Ruf. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,777263,00.html
Der Aufmacher erweckt den Eindruck, dass vergleichbare Branchen bewusst nicht mit Boni arbeiten. Im Artikel selbst wird dann ausschließlich der Banksektor genannt - eine schwerlich vergleichbare Branche. Übermäßig seriös ist das nicht.
4. Ist das ernsthaft gemeint?
atherom 29.07.2011
n anderen Branchen sind Bonuszahlungen in den vergangenen Jahren eher in Verruf geraten. Besonders Banken mussten sich immer wieder dafür rechtfertigen, weil sie selbst in der Finanzkrise noch millionenschwere Prämien an ihre Mitarbeiter ausgezahlt hatten. Kritiker hatten immer wieder angemerkt, dass Boni zu einer Jagd nach kurzfristigem Gewinn führen , während die langfristigen Folgen für Unternehmen und Märkte ignoriert würden. Sie wollen tatsächlich die (am Ende ohnehin niedrige) Prämien der schlecht bezahlten Verkäufer mit Boni der grundsätzlich -auch in niedrigeren Positionen- wesentlich besser bezahlten Banker, vergleichen? Haben Sie auch nun endgültig jegliche humane Orientierung verloren?
5. ---
olleolaf 29.07.2011
Ein Anreizprogramm? Die Leute erhalten ein Minimum + sollen Kunden keilen? MLM grüßt. Eine Frechheit.
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