Gehaltsentwicklung: So hart trifft die Krise die Chefs

Von Anne Spies

Egal wie die Konjunktur läuft, Spitzenmanager scheinen immer gut zu verdienen. Doch auf der mittleren Führungsebene sieht das anders aus. Hier hat die Krise die Gehälter spürbar gedrückt, zeigt eine manager-magazin-Umfrage.

Manager (Symbolbild): Die Pharmabranche kam am besten durch die Krise Zur Großansicht
Corbis

Manager (Symbolbild): Die Pharmabranche kam am besten durch die Krise

Hamburg - Die Krise scheint überstanden - doch wie hat sie sich auf die Einkommen ausgewirkt? Laut dem neuen manager-magazin-Gehaltsreport hat im vergangenen Jahr jede fünfte Führungskraft Gehalt eingebüßt.

Zumindest wenn man sich nicht nur die Top-Manager anschaut, sondern alle Führungsebenen, hat die Krise Spuren hinterlassen. Allerdings kommt es stark auf die jeweilige Branche an (siehe Tabellen unten).

In der Automobilindustrie musste 2009 fast die Hälfte der Manager Kürzungen hinnehmen. In der ebenfalls stark angeschlagenen Finanzbranche war es ein Viertel, wobei die Banker-Boni um bis zu 50 Prozent schrumpften. Am glimpflichsten davon kamen Führungskräfte der Pharmaindustrie - nur jeder Zwanzigste war hier von Kürzungen betroffen.

"Es gab diesmal keine flächendeckenden Gehaltskürzungen wie im Jahr 2001", sagt Olaf Lang, Vergütungsexperte bei Towers Perrin. "Vieles wurde über Kurzarbeit oder freiwilligen Gehaltsverzicht abgefangen."

Selbsttest: Können Sie Chef?
Boss werden wollen viele. Doch nicht jeder hat das Zeug dazu. Haben Sie's? Testen Sie Ihre Eignung zur Führungskraft.

Jetzt beim großen Cheftest mitmachen!
Die Erwartungen für die Zukunft sind jedoch gedämpft. Während sich in den vergangenen fünf Jahren 60 Prozent der Manager über Gehaltssteigerungen um 20 Prozent und mehr freuen konnten, erwarten nur knapp 40 Prozent derartige Steigerungen in den kommenden fünf Jahren. Am optimistischsten sind Mitarbeiter in Branchen mit überproportionalen Gehaltssteigerungen in der Vergangenheit, allen voran die Wirtschaftsprüfer. Für mehr als 80 Prozent von ihnen gab es in den vergangenen fünf Jahren mindestens 20 Prozent mehr Geld. Ähnlich gut lief es für Unternehmensberater und Banker, wobei Letztere für die Zukunft deutlich pessimistischer sind.

Im Langzeitvergleich schneiden Führungskräfte immer noch bestens ab, das zeigen aktuelle Erhebungen. Sie verdienen heute durchschnittlich 15 Prozent mehr als 2003 - bei Fachkräften sind es nur vier Prozent.

Leitende Angestellte: Gehaltskürzung in der Krise, Angaben in Prozent
Gehaltskürzung Ja < 10% 10-19% 20-39% > 40% Nein
Auto 48,6 22,1 19,4 6,5 0,7 51,4
Banken, Finanzen 24,4 7,4 8,1 7,4 1,3 75,6
Chemie 30,4 16,9 10,6 2,3 0,6 69,6
Pharma 4,6 2,3 1,4 0,6 0,2 95,4
EDV 20,8 9,0 6,7 4,3 0,8 79,1
Consulting 21,9 7,4 7,1 6,6 0,8 78,1
Einzelhandel 14,4 5,4 7,3 1,3 0,2 85,6
Großhandel 18,5 10,2 6,2 2,0 0,1 81,5
IT 19,2 8,3 7,7 2,8 0,4 80,8
Maschinenbau 25,8 10,7 10,8 3,9 0,3 74,2
Telekommunikation 14,0 6,1 6,1 0,9 0,9 86,0
Verlage, Medien, Werbung, PR 16,6 7,6 5,6 2,8 0,6 83,4
Gesamt 19,2 8,5 7,2 3,0 0,5 80,8
Quelle: mm-Gehaltsreport 200 - Online-Umfrage im Juli/August, 91.000 Teilnehmer
Report 2009: Gehaltsentwicklung in den vergangenen fünf Jahren
Leitende Angestellte Stagnation, Verlust* Steigerung um fünf oder zehn Prozent* Steigerung um 20 Prozent oder mehr* aktuelles Durchschnittsgehalt in Euro
Automobilindustrie 6% 32% 62% 90.000
Banken, Finanzen 6% 24% 70% 104.000
Bildung und Erziehung 19% 43% 38% 54.000
Chemische Industrie 6% 32% 62% 92.000
Consulting 6% 21% 72% 97.000
EDV 11% 31% 58% 84.000
Einzelhandel 12% 29% 59% 72.000
Energie, Versorger 4% 33% 63% 89.000
Gastronomie 13% 39% 47% 46.000
Gesundheits-, Veterinärwesen 17% 33% 50% 75.000
Großhandel 10% 34% 57% 75.000
IT 8% 27% 65% 86.000
Konsumgüter 7% 26% 67% 97.000
Lebensmittel 8% 36% 57% 81.000
Logistik, Versand 8% 31% 61% 76.000
Maschinen-, Anlagenbau 6% 31% 63% 87.000
Medizin-, Mess-, Steuertechnik 5% 32% 63% 90.000
Metallerzeugung, -bearbeitung 8% 37% 55% 80.000
Pharmaindustrie 5% 26% 68% 97.000
Telekommunikation 9% 29% 62% 88.000
Verkehr, Luftfahrt 8% 33% 59% 87.000
Verlage, Medien, Werbung, PR 12% 27% 61% 72.000
Versicherungen 6% 35% 59% 93.000
Wirtschaftsprüfung 5% 12% 83% 91.000
*Vergangene fünf Jahre
Quelle: mm-Gehaltsreport 2009 - Online-Umfrage im Juli/August, 91.000 Teilnehmer
Report 2009: Erwartete Gehaltsentwicklung in den kommenden fünf Jahren
Leitende Angestellte Stagnation, Verlust* Steigerung um fünf oder zehn Prozent* Steigerung um 20 Prozent oder mehr* aktuelles Durchschnitts
-gehalt in Euro
Automobilindustrie 15% 50% 35% 90.000
Banken, Finanzen 15% 46% 39% 104.000
Bildung und Erziehung 23% 55% 22% 54.000
Chemische Industrie 11% 52% 36% 92.000
Consulting 12% 37% 51% 97.000
EDV 15% 47% 37% 84.000
Einzelhandel 18% 42% 40% 72.000
Energie, Versorger 9% 52% 39% 89.000
Gastronomie 20% 46% 34% 46.000
Gesundheits-, Veterinärwesen 18% 52% 30% 75.000
Großhandel 16% 50% 34% 75.000
Informationstechnologie 11% 47% 42% 86.000
Konsumgüter 11% 44% 45% 97.000
Lebensmittel 12% 54% 34% 81.000
Logistik, Versand 14% 52% 33% 76.000
Maschinen-, Anlagenbau 12% 52% 36% 87.000
Medizin-, Mess-, Steuertechnik 10% 47% 43% 90.000
Metallerzeugung, -bearbeitung 16% 53% 31% 80.000
Pharmaindustrie 10% 44% 46% 97.000
Telekommunikation 15% 45% 40% 88.000
Verkehr, Luftfahrt 17% 51% 32% 87.000
Verlage, Medien, Werbung, PR 18% 42% 40% 72.000
Versicherungen 12% 52% 36% 93.000
Wirtschaftsprüfung 7% 35% 58% 91.000
*Kommende fünf Jahre, Erwartungen
Quelle: mm-Gehaltsreport 2009 - Online-Umfrage im Juli/August, 91.000 Teilnehmer

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Titel
ergoprox 19.08.2010
Zitat von sysopEgal wie die Konjunktur läuft, Spitzenmanager scheinen immer gut zu verdienen. Doch auf der mittleren Führungsebene sieht das anders aus. Hier hat die Krise die Gehälter spürbar gedrückt, zeigt eine manager-magazin-Umfrage. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,712355,00.html
Nachdem im vergangenen Jahrzehnt vor allem die Kleinen zu Gunsten der Großen den Gürtel enger schnallen mussten, wird jetzt eben die nächste Enteignungsstufe gezündet, schliesslich ist ja bei den Kleinen nicht mehr viel zu holen. Insofern business as usual.
2. es gibt schlimmeres
heinrichp 19.08.2010
Zitat von sysopEgal wie die Konjunktur läuft, Spitzenmanager scheinen immer gut zu verdienen. Doch auf der mittleren Führungsebene sieht das anders aus. Hier hat die Krise die Gehälter spürbar gedrückt, zeigt eine manager-magazin-Umfrage. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,712355,00.html
Muss man nun Mitleid haben, es gibt schlimmeres. Seit der Einführung von Hartz IV 2005 hat der Staat Niedrigverdienern mehr als 50 Milliarden Euro an Zuschüssen bezahlt. Die deutsche Wirtschaft ist von 1998 bis heute gewachsen. Die Arbeitnehmer profitierten davon nicht, ihre Löhne sind – preisbereinigt – konstant geblieben. Den gesamten Zuwachs bekamen Unternehmens- und Vermögenseinkommen, die um 30% gestiegen sind. Da haben die Manager doch viel mehr abbekommen. Also immer den Ball flach halten, dieses Klientel stand immer auf der Sonnenseite.
3. aw
kdshp 19.08.2010
Zitat von sysopEgal wie die Konjunktur läuft, Spitzenmanager scheinen immer gut zu verdienen. Doch auf der mittleren Führungsebene sieht das anders aus. Hier hat die Krise die Gehälter spürbar gedrückt, zeigt eine manager-magazin-Umfrage. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,712355,00.html
Hallo, was heißt gedrückz! Die gehälter des mittleren managements würden angepaßt (%tual) an die unteren einkommen was auch nötig war. Haben die denn gedacht wenn man unten immer mehr nimmt das die "mitte" dann ausgenommen wird?
4. --
Baracke Osama, 19.08.2010
Zitat von kdshpHallo, was heißt gedrückz! Die gehälter des mittleren managements würden angepaßt (%tual) an die unteren einkommen was auch nötig war. Haben die denn gedacht wenn man unten immer mehr nimmt das die "mitte" dann ausgenommen wird?
Ok. Und wann sollten die "oberen" Gehälter an die unteren und mittleren angepasst werden? Da können wir lange drauf warten. Ein Dieb wird sich doch nicht selbst bestehlen.
5. Wahre Worte.....
juergw. 19.08.2010
Zitat von ergoproxNachdem im vergangenen Jahrzehnt vor allem die Kleinen zu Gunsten der Großen den Gürtel enger schnallen mussten, wird jetzt eben die nächste Enteignungsstufe gezündet, schliesslich ist ja bei den Kleinen nicht mehr viel zu holen. Insofern business as usual.
Mal sehen wie weit es nach oben geht ?Obwohl Millionen an Kleinen sind leichter zu schröpfen.Immer schön langsam die Schraube zudrehen......!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Karriere
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 27 Kommentare
Chef werden wollen viele. Doch nicht jeder hat das Zeug dazu. Haben Sie's? Testen Sie Ihre Eignung zur Führungskraft.

Jetzt beim großen Cheftest mitmachen!

[M]DDP ;mm.de
Der Geheimcode der Chefs: In Zeugnissen werden selbst verbale Ohrfeigen nett verpackt. Wer weiß schon, ob ein Lob ehrlich ist oder doch raffiniert verstecktes Gift? Mit dem Klartext-Test finden Sie heraus, was Ihre Zeugnisse wirklich wert sind. mehr....

Die schlimmsten Chef-Sprüche (2)

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil