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Gehaltsexzesse in Vorständen: Abkassieren zu Machtpreisen

Eine Analyse von Wolfgang Kaden

Deutschlands Top-Manager kennen bei ihren Gehältern kein Halten: Der Abstand zum Einkommen gewöhnlicher Arbeitnehmer wird immer größer. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Grund für die Bonusexzesse sind äußerst fragwürdige Machtverhältnisse.

Bankenviertel in Frankfurt: Viele Spitzenmanager kosten häufig mehr, als sie bringen Zur Großansicht
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Bankenviertel in Frankfurt: Viele Spitzenmanager kosten häufig mehr, als sie bringen

Vor einigen Jahren erlaubte sich das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Fortune" einen netten Gag. In einer Geschichte über die Einkommen amerikanischer Top-Manager druckte das Blatt einen Absatz, in dem die Autoren beredt Klage führten über die Raffgier ihrer Wirtschaftsoberen. Im nächsten Absatz durfte der Leser dann erfahren: Den kritischen Text hatte die Redaktion wörtlich einem "Fortune"-Artikel entnommen, der fünfzehn Jahre zuvor erschienen war.

Sollte heißen: Nichts hatte sich in den anderthalb Jahrzehnten am Verhalten der Konzernführer geändert. Im Gegenteil, die Selbstbedienung hatte in der Zwischenzeit nur noch schlimmere Ausmaße angenommen. Die Kaste der Top-Manager in den USA schien und scheint immun gegen Kritik an ihrer skandalösen Vermögensmehrung.

Den Scherz der Kollegen von "Fortune" könnten wir uns hierzulande auch erlauben. Seit Jahren sind die Bezüge der angestellten Unternehmensfürsten ein Ärgernis, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet. Die Einkommen der gewöhnlichen Arbeitnehmer sind in den vergangenen Jahren kaum gestiegen, netto und in Kaufkraft gemessen waren sie gar rückläufig. Die Überweisungen auf die Privatkonten der Top-Manager hingegen nahmen meist im zweistelligen Prozentbereich zu, hinauf in Dimensionen, die dieses Land bisher nicht kannte. Doch wie im kapitalistischen Mutterland USA zeigten sich die Unternehmenschefs von der öffentlichen Kritik gänzlich unbeeindruckt.

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Gehaltscheck: Das verdienten die Dax-Chefs 2010
Also handelte der Gesetzgeber. 2009 verabschiedete der Bundestag ein "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung". Aber gebracht hat die Berliner Kraftanstrengung wenig. Heraus kam eine Ansammlung von unverbindlichen Soll-Vorgaben. Beispielsweise die Empfehlung, die Bezüge am "nachhaltigen Unternehmenserfolg" auszurichten, nicht also an kurzfristigen Ergebnissen.

Die Schere geht immer weiter auseinander

Die Manager amüsierten sich, änderten die Regeln für die Bezahlung - beließen es aber bei der einmal erreichten Gesamthöhe. Das belegen die bisher veröffentlichten 21 Geschäftsberichte von Dax-Firmen: Sieben Konzernchefs streichen mehr als fünf Millionen Euro ein, angeführt von VW-Chef Martin Winterkorn mit 9,3 Millionen. Hinzurechnen muss man die Rückstellungen für die in der Regel üppig bemessenen Altersbezüge - die eigene Vorsorge wird in diesen Kreisen offenbar als Zumutung empfunden -, und für all die "Nebenleistungen", die das Unternehmen den Obersten zuteil werden lässt.

Und wieder darf man staunen darüber, was in diesen Sphären als "angemessen" angesehen wird, um den Begriff aus dem Gesetz zu strapazieren. Die beiden Großversorger RWE Chart zeigen und E.on Chart zeigen beispielsweise haben aus Sicht der Anteilseigner kein blendendes Jahr hinter sich. Dennoch bedient RWE seinen Konzernchef Jürgen Großmann mit 6,6 Millionen Euro; E.on-Anführer Johannes Teyssen, erst seit Mai im Chefzimmer, bekommt 4,4 Millionen Euro, hochgerechnet also etwa so viel wie Großmann. Oder die Autobosse. Dieter Zetsche von Daimler Chart zeigen darf sich über satte 8,7 Millionen Euro freuen; Norbert Reithofer von BMW Chart zeigen, der mitnichten einen schlechteren Job gemacht hat als der Kollege in Stuttgart, muss sich mit halb so viel abfinden.

Nach den bisher veröffentlichten Berichten stiegen die Einkommen der Vorstandschefs 2010 um 16 Prozent. Das ist erneut ungleich mehr als der Zuwachs bei den gewöhnlichen Werktätigen. Deren Tarifverdienste legten um gerade mal 1,6 Prozent zu. Die Schere geht immer weiter auseinander.

Wenn sie gefeuert werden, bekommen sie einen goldenen Handschlag

Was da seit Jahren in immer lichtere Höhen wächst, daran darf erinnert werden, ist Einkommen ohne jedwedes Risiko. Manager vergleichen sich und ihren Verdienst gern mit den Einkommen von Eigentümer-Unternehmern. Die Aufgaben mögen ähnlich sein. Doch Familienunternehmer setzen ihr Kapital ein, das im Fall des Misserfolgs weg ist. Vorstände von Kapitalgesellschaften hingegen arbeiten mit dem Geld anderer Leute, sie sind nur die ersten Angestellten des Unternehmens: Wenn sie versagen und gefeuert werden, verlieren sie nichts. Im Gegenteil - in der Regel bekommen sie sogar noch einen goldenen Handschlag.

Zum Trost für uns gewöhnliche Erdenbürger und zur Entlastung unserer heimischen Wirtschaftselite wollen wir auslassen, dass sich die heimischen Konzernlenker in bester internationaler Gesellschaft befinden. Nur die wie immer rätselhaften Japaner lassen sich deutlich schlechter bezahlen. Die Kollegen der großen europäischen Firmen, die im Euro-Stoxx gelistet sind, liegen knapp über dem deutschen Durchschnitt. Und die Chefs in den amerikanischen Unternehmen bedienen sich traditionell mit besonderer Hemmungslosigkeit.

Sie sind es auch, die die Standards gesetzt haben für die aus den Fugen geratene Bezahlung der Manager in Old Europe. In seinem höchst lesenswerten Buch "Markt und Macht" beschreibt der "Handelsblatt"-Journalist Norbert Häring, wie in Amerika die Bezüge der Konzernspitzen regelrecht explodierten.

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1.
fx33 04.04.2011
Zitat von sysopDeutschlands Top-Managern kennen bei ihren Gehältern kein Halten: Der Abstand zum Einkommen gewöhnlicher Arbeitnehmer wird immer größer. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Grund für die Bonusexzesse sind äußerst fragwürdige Machtverhältnisse. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,754834,00.html
Solange die Aktionäre das mitmachen... es ist schliesslich ihr Geld, das den Lenkern in den Rachen geschmissen wird, ungeprüft, ob es denn eine billigere Alternative gäbe. Das System wird genau so lange funktionieren, wie in den Aufsichtsräten die Vorständler anderer Unternehmen sitzen, oder Politker, die sich der Wirtschaftn andienen wollen. Die Kaste der Vorstände und Aufsichtsräte ist untereinander sehr gut vernetzt, wer da nicht dazu gehört, hat auch keine Chance auf einen hochdotierten Spitzenjob. Qualifikation ist da eher nebensächlich. Dummerweise ist diese Selbstbedienungsclique gross genug, um niemanden von aussen rein lassen zu müssen, und andererseits klein genug, um ihren elitären Dünkel ausleben zu können, ohne Konkurrenz zu bekommen.
2. Einfach nur krank
rmuekno 04.04.2011
und was macht der Staat sieht zu und wirft das Geld des Steuerzahlers mit vollen Händen weiter raus. Mir wegen können die soviel verdienen wie sie wollen, wenn sie für Fehlverhalten auch entsprechend haftbar gemacht werden. Abder da sieht es anders aus entweder werden sie noch belohnt oder müssen nur Peanuts zahlen, siehe aktuell Telekom oder Siemens Korruptionsskandal
3. alter Hut
ergoprox 04.04.2011
Zitat von sysopDeutschlands Top-Managern kennen bei ihren Gehältern kein Halten: Der Abstand zum Einkommen gewöhnlicher Arbeitnehmer wird immer größer. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Grund für die Bonusexzesse sind äußerst fragwürdige Machtverhältnisse. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,754834,00.html
Reine Selbstbedienungsmaschinerie, die sich da gebildet hat, immer schön den Ball zwischen Aufsichsrat und Vorstand hin und her gespielt.... Bei Aktienoptionen auch noch durch eine Verwässerung des Wertes der Anteilsscheine. Hier bedient sich eine kleine Kaste auf Kosten der Arbeitnehmer, des Staates und der Aktionäre - und letztere sind auch noch so blöd das im Regelfall zu beklatschen. Irre Welt. 50Mrd bei DC vernichtet, dafür 50Mio Bonus kassiert, das ist die neue Welt der Selbstbediener...auch nett das Beispiel Porsche, 100Mio Bonus, dafür Rekordverschuldung und Kapitalerhöhung auf Kosten der Aktionäre. Super Sache. Aus dem Bankbereich kennt man ja noch viele hundert solcher Fälle. Anscheinend verhält sich der Bonus umgekehrt proportional zur Vernichtung der Unternehmenssubstanz. Allerdings ist das so ein alter Hut (Häring/Kaden), dass man sich fragt, ob es nicht interessantere Dinge zu berichten gäbe.
4. Titel
sponner_hoch2 04.04.2011
Zitat von sysopDeutschlands Top-Managern kennen bei ihren Gehältern kein Halten: Der Abstand zum Einkommen gewöhnlicher Arbeitnehmer wird immer größer. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Grund für die Bonusexzesse sind äußerst fragwürdige Machtverhältnisse. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,754834,00.html
Was bei dieser "Nicht Markt, sondern Macht"-These aber geflissentlich Unterschlagen wird: Der Aufsichtsrat entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern wird von den Aktionären, also den Eigentümern bestimmt. Und solange das so ist, kann ich nichts verwerfliches an den hohen Bezügen finden - wenn die Aktionäre der Meinung sind, es ist zu viel, können sie einfach den Aufsichtsrat gegen einen eintauschen, der weniger an den Vorstand zahlt.
5. xy
heinz4444 04.04.2011
Gier frisst Hirn!
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Zum Autor
mm
Wolfgang Kaden leitete ab 1979 das Ressort Wirtschaft des SPIEGEL und übernahm dort 1991 die Chefredaktion. Von 1994 bis Juni 2003 war er Chefredakteur des manager magazins.

Die schlimmsten Chef-Sprüche (3)

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Die neuen Regeln für Manager
Vergütungshöhe
Der Aufsichtsrat soll künftig bei der Festlegung der Bezüge darauf achten, dass sie im angemessenen Verhältnis zur Lage des Unternehmens und - das ist neu - zur Leistung des Vorstands und der sonst "üblichen Vergütung" stehen. Übliche Vergütung meint, dass das Gehalt im Vergleich innerhalb der Branche, aber auch im Unternehmen selbst im Rahmen bleiben muss.
Langfristanreize
Vor allem müssen "langfristige Verhaltensanreize zur nachhaltigen Unternehmensentwicklung" gesetzt werden. Dies ist eine direkte Lehre aus der Finanzmarktkrise, die durch die Gier in vielen Chefetagen nach kurzfristigen Boni zumindest verschärft worden war. Konkret wird festgeschrieben, dass Aktienoptionen erst nach vier statt bisher zwei Jahren eingelöst werden dürfen.
Herabsetzung
Der Aufsichtsrat soll neuerdings die Bezüge herabsetzen, wenn sich die Lage des Unternehmens verschlechtert. Das alte Recht stellte dies ins Ermessen des Gremiums.
Festlegung
Künftig muss der Aufsichtsrat selbst über die Vorstandsverträge befinden. Eine Delegation an einen Ausschuss, wo bislang meist die Gespräche stattfanden, ist untersagt. Die Hauptversammlung soll zudem das Recht haben, über die Vergütungen zu debattieren und Beschlüsse zu fassen - die allerdings nicht rechtlich verbindlich sein sollen. Ferner sollen künftig die Ruhestandsgehälter von ausgeschiedenen Vorständen veröffentlicht werden. Die entsprechende Transparenzvorschrift wird erweitert.
Managerhaftung
Die Top-Manager sollen künftig auf einem Teil der Schäden, die sie verursachen, selbst sitzen bleiben. Gegenwärtig stellen sie Versicherungen, deren Prämien von ihren Gesellschaften bezahlt werden, von der Haftung in der Regel frei. Künftig wird ein Selbstbehalt von zehn Prozent eingeführt. Vorstände können dann maximal mit dem Anderthalbfachen ihres Jahreseinkommens zur Kasse gebeten werden.
Wechselverbot
Für börsennotierte Aktiengesellschaften - also nicht Aktiengesellschaften in Familienbesitz - wird ein zweijähriges Verbot des Wechsels vom Vorstand in den Aufsichtsrat eingeführt. Damit soll eine effektivere Kontrolle des Unternehmens erreicht werden. Ausnahme: Der Vorschlag erfolgt von Aktionären, die zusammen mindestens 25 Prozent der Anteile halten.

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