Geheimplan VW will MAN zur Scania-Tochter degradieren

Volkswagen sortiert seine Marken neu: Die Lkw-Tochter Scania soll nach SPIEGEL-Informationen MAN-Mehrheitsaktionärin werden. Bislang ist VW an dem Münchner Unternehmen lediglich beteiligt, das einst selbst den schwedischen Rivalen übernehmen wollte. Ärger scheint programmiert.

Volkswagen-Chef Winterkorn: Aussicht auf Unmut in der Lastwagensparte
REUTERS

Volkswagen-Chef Winterkorn: Aussicht auf Unmut in der Lastwagensparte


Hamburg - Auf spektakuläre Weise ordnet der VW-Konzern sein Lastwagengeschäft neu. Bislang ist der Autokonzern mit knapp 30 Prozent an MAN beteiligt und hält gut 46 Prozent der Kapitalanteile von Scania. Internen Planungen zufolge will VW seinen Anteil an Scania auf 75 bis 80 Prozent erhöhen und den Schweden dann seinen Anteil an MAN übertragen. Scania soll nach SPIEGEL-Informationen den übrigen MAN-Aktionären schließlich ein Übernahmeangebot unterbreiten und Mehrheitsaktionär des Münchner Unternehmens werden.

Den Beteiligten soll der Mega-Deal als Merger of Equals, als Vereinigung der gleich starken Unternehmen MAN und Scania, nahegebracht werden. Bei MAN wird der Plan wohl dennoch für Verärgerung sorgen. Die Münchner wollten einst selbst Scania übernehmen - und jetzt sollen sie zur Tochter der Schweden degradiert werden.

Für VW dagegen ist die angestrebte Lösung vorteilhaft. Der Konzern hätte endlich eine klare Struktur für seine Lastwagenmarken. Bislang hintertrieben sowohl Scania als auch MAN eine weitreichende Zusammenarbeit. Jedes Unternehmen pochte auf seine Selbständigkeit.

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insgesamt 5 Beiträge
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panseduc 13.11.2010
1. MAN als Porsche für Arme
Tja das erinnert doch schwer an den Porsche-Flop. Ich kann mich noch gut an die Überheblichkeit der MAN-Verantwortlichen vor der geplanten Übernahem von Scania erinnern. Aus dem Dachauer Hinterland heraus läßt sich nun mal nicht die Welt erobern. Etwas weniger Internationalität im gefühlten Auftritt und etwas mehr Konzept in der Strategie hätten hier sicher geholfen. Dass die gesamte Führungsriege unter dem Ex-Scania-Mann Samuelsson (sic!) sukzessive von einer Anti-Schmiergeld Säuberungswelle weggefegt wurde, mnacht die Sache nur noch leichter für VW. Der geradezu hysterische Compliance-Aktivismus in München hilft jetzt nichts mehr. MAN als eine Marke unter Scania-Führerschaft macht das Mächteverhältnis in Europa spannend. Wie gesagt man fühlt sich fatal an Porsche erinnert: die Trucknology®-Generation frisst ihre Kinder® ...
Methusalixchen 14.11.2010
2. Das ...
... wird aber auch mal Zeit, daß da klare Kante reinkommt. Und die skizzierte Lösung ist wohl die beste. Da kann man sich nicht nur auf die eigenen Beobachtungen, sondern auch auf "Burli" verlassen.
w.hasus 14.11.2010
3. Das Ende von MAN?
Man weiß nicht, ob MAN nicht irgendwann sowieso von VW gschluckt worden wäre, aber der schlecht vorbereitete Versuch von Samuelsson, seinen früheren Arbeitgeber Scania 2006 ohne Zustimmung von Piech zu übernehmen, hat das Ende des Traditionskonzerns (250 Jahre!) jedenfalls beschleunigt. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Scania, übernimmt jetzt - wenn auch im Auftrag von Piech - MAN. Scania-Chef Oestling muss sich jetzt viele neue Argumente ausdenken, warum das sinnvoll sein sollte, nachdem er bisher immer bestritten hat, dass ein Zusammengehen Vorteile bringt, aber die wird ihm Wolfsburg schon liefern. Es wird dann nur noch eine Frage der Zeit sein, wie lange die MAN Zentrale (mit ihrem Neubau in München) noch existieren wird und wann die Augsburger Diesel-Tochter und die Renk AG verkauft wird. Dann ist für MAN Schicht im Schacht. München verliert einen DAX-Konzern, die Steuerung liegt künftig in Wolfsburg/Södertälje. Viel Spaß!!
dr. kaos 14.11.2010
4. Glaub ich nicht.
Zitat von w.hasusMan weiß nicht, ob MAN nicht irgendwann sowieso von VW gschluckt worden wäre, aber der schlecht vorbereitete Versuch von Samuelsson, seinen früheren Arbeitgeber Scania 2006 ohne Zustimmung von Piech zu übernehmen, hat das Ende des Traditionskonzerns (250 Jahre!) jedenfalls beschleunigt. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Scania, übernimmt jetzt - wenn auch im Auftrag von Piech - MAN. Scania-Chef Oestling muss sich jetzt viele neue Argumente ausdenken, warum das sinnvoll sein sollte, nachdem er bisher immer bestritten hat, dass ein Zusammengehen Vorteile bringt, aber die wird ihm Wolfsburg schon liefern. Es wird dann nur noch eine Frage der Zeit sein, wie lange die MAN Zentrale (mit ihrem Neubau in München) noch existieren wird und wann die Augsburger Diesel-Tochter und die Renk AG verkauft wird. Dann ist für MAN Schicht im Schacht. München verliert einen DAX-Konzern, die Steuerung liegt künftig in Wolfsburg/Södertälje. Viel Spaß!!
Scania und MAN sprechen zwei verschiedene Art Leute aus den gleichen Schichten an: Spediteure und LKW-Fahrer. Scania hat den Nimbus des absolut Besonderen, MAN eher ein leicht widerspenstiges Image. Die meisten MAN-Käufer (wie mein Chef) wollen ein 'deutsches' Auto, aber kein Daimler, weil unzuverlässig und schweineteuer. Andererseits bietet Scania in unserer Klasse (Fernverkehr mit 12-Tonner im Kurier- und Sonderfahrtensektor) kein passendes Fahrzeug. Wer Scania fährt, hängt ein bisschen den Macho raus (pers. Eindruck!) und hält sich für was Besonderes. Wer MAN fährt, will meist zuverlässig und komfortabel ans Ziel kommen. Dummerweise konkurrieren MAN und Scania um die Leute, die in der 700PS-Klasse ein Auto wollen, beide mit ähnlichen Konzepten. Es wird sicherlich Rationalisierungseffekte geben, aber ich bezweifle, dass z.B. ein Scania V8 je seinen Weg unter eine MAN-Kabine finden wird, bzw. vice versa. Eher wird im Rahmen von Fahrwerkstechnologie oder Entwicklungspotential eine Konsolidierung stattfinden. Und dass VW an dem einen oder anderen die Mehrheit haben wird, heißt noch lange nicht, dass die Leitungsfunktionen zusammengelegt werden. Ich bin auf die Synergieeffekte gespannt.
Cancun, 16.11.2010
5. Das wär ja noch schöner
Zitat von dr. kaosScania und MAN sprechen zwei verschiedene Art Leute aus den gleichen Schichten an: Spediteure und LKW-Fahrer. Scania hat den Nimbus des absolut Besonderen, MAN eher ein leicht widerspenstiges Image. Die meisten MAN-Käufer (wie mein Chef) wollen ein 'deutsches' Auto, aber kein Daimler, weil unzuverlässig und schweineteuer. Andererseits bietet Scania in unserer Klasse (Fernverkehr mit 12-Tonner im Kurier- und Sonderfahrtensektor) kein passendes Fahrzeug. Wer Scania fährt, hängt ein bisschen den Macho raus (pers. Eindruck!) und hält sich für was Besonderes. Wer MAN fährt, will meist zuverlässig und komfortabel ans Ziel kommen. Dummerweise konkurrieren MAN und Scania um die Leute, die in der 700PS-Klasse ein Auto wollen, beide mit ähnlichen Konzepten. Es wird sicherlich Rationalisierungseffekte geben, aber ich bezweifle, dass z.B. ein Scania V8 je seinen Weg unter eine MAN-Kabine finden wird, bzw. vice versa. Eher wird im Rahmen von Fahrwerkstechnologie oder Entwicklungspotential eine Konsolidierung stattfinden. Und dass VW an dem einen oder anderen die Mehrheit haben wird, heißt noch lange nicht, dass die Leitungsfunktionen zusammengelegt werden. Ich bin auf die Synergieeffekte gespannt.
Noch nie Volker Pispers gehört? Von einer Fusion profitieren doch nicht die beteiligten *Unternehmen*... die wird zum Wohl der ausführenden *Banken* veranstaltet =;-) Aber mal im Ernst: Irgendwas hat der Spiegel-Redakteur da von seinem Insider in den falschen Hals bekommen oder so. Weil - es gibt ja zwei Scania Aktien, eine mit einer vollen Stimme und eine mit einem Zehntel Stimmrecht. VW mag daher zwar bloß etwa 38% des Kapitals an Scania halten - aber da sie die "richtigen" Aktien haben, bedeutet das bereits 68 Prozent der Stimmrechte und damit die Mehrheit. Entsprechend gab es gestern zwar einen winzigen "Run" auf Scania, aber vor allem eine MAN Rally... weil *da* muss VW seinen Anteil noch ausbauen.
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