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Geldanlage bei Niedrigzinsen: Rendite ohne Risiko gibt's nicht mehr

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EZB-Zentrale: Entscheidung mit Folgen für Kleinsparer Zur Großansicht
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EZB-Zentrale: Entscheidung mit Folgen für Kleinsparer

Der neue Geldsegen der EZB beschert dem Dax einen kurzzeitigen Höhenflug. Für Tagesgeldkunden ist die Zinssenkung eine schlechte Nachricht. Wohin also jetzt mit den Ersparnissen? Gold, Immobilien, ein Jaguar? Der Überblick.

Berlin - Europas Währungshüter haben hehre Ziele. Mit dem historischen Zinsschritt von Donnerstagnachmittag hoffen sie, die Konjunktur anzukurbeln und einer Deflation vorzubeugen. Doch die Maßnahme ist nicht ohne Nebenwirkungen. Denn auch die Sparer bekommen die Maßnahmen zu spüren. Die Zinsen für Guthaben auf dem Sparbuch, für Tages- oder Festgeld können schon seit Monaten nicht mehr den Wertverlust ausgleichen, der durch die Inflation entsteht - auch wenn diese im Euro-Raum mit 0,5 Prozent so niedrig ist wie kaum jemals zuvor.

"Der Leitzins gibt natürlich die Richtung vor", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das heißt: Sinkt der Leitzins, werden auch die Sparzinsen voraussichtlich sinken, wenn auch mit Verzögerung. Grund genug, einen kritischen Blick auf die eigenen Finanzen zu werfen: Welche Anlageform bringt in naher und mittlerer Zukunft noch genug Ertrag, um die Teuerung zumindest zu kompensieren?

Wer auf absolute Sicherheit setzt, muss sich damit abfinden, dass sein Vermögen schrumpft. Rendite ohne Risiko - das war einmal. Entsprechend skeptisch stehen die Experten dem klassischen Sparbuch gegenüber, das bislang als Inbegriff der sicheren Anlage galt. Nicht viel besser kommen Anleihen weg. Bei erstklassigen Schuldnern wie der Bundesrepublik Deutschland gleicht die Rendite gerade mal die Geldentwertung aus. Und mit der Rendite steigt unweigerlich auch das Risiko, dass man sein Geld am Ende der Laufzeit nicht wiederbekommt.

Allianz-Versicherung: Garantiezins sinkt immer weiter Zur Großansicht
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Allianz-Versicherung: Garantiezins sinkt immer weiter

Bei der Kapital-Lebensversicherung können sich jene Kunden glücklich schätzen, die vor 2005 einen Vertrag abgeschlossen haben. Denn ihnen garantierten die Versicherer noch einen vergleichsweise hohen Zins. Überdies sind die Erträge nach zwölf Jahren komplett steuerfrei. Wer heute eine Police kauft, muss mit einem Garantiezins von 1,75 Prozent vorliebnehmen und den Ertrag auch noch versteuern. Ab 2015 sinkt der Zins gar auf 1,25 Prozent. Die Verwaltungskosten bleiben hingegen so hoch wie eh und je. Alles in allem bleibt das Vermögen erhalten, viel mehr aber auch nicht. Vorteil einer Lebensversicherung: Ihre meist monatlichen Beiträge und die lange Laufzeit der Verträge zwingen zu regelmäßigem Sparen. Das fällt vielen Menschen sonst schwer.

Mietwohnungen: Wertzuwachs gilt nicht als Rendite Zur Großansicht
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Mietwohnungen: Wertzuwachs gilt nicht als Rendite

Der Zwang zu lang anhaltendem regelmäßigen Sparen ergibt sich auch, wenn man ein Haus oder eine Eigentumswohnung kauft. Eine attraktive Option, zumal die Zinsen auf Hypothekenkredite weiterhin niedrig bleiben dürften - auch das eine Nebenwirkung der EZB-Politik. Anlageberater verweisen aber auch darauf, dass eine Immobilie das Kapital langfristig bindet und daneben oft wenig Raum für weitere Sparanlagen lässt.

Immerhin garantieren eine Wohnung oder ein Haus in ordentlicher Lage eine regelmäßige Rendite in Form von Mieteinnahmen (oder Mietersparnis bei Eigennutzung). Einen Wertzuwachs der Immobilie selbst sollte man hingegen nicht fest einplanen. Zumal langfristig nur Immobilien in Wachstumsregionen eine solide Wertentwicklung versprechen. In vielen ländlichen Regionen und strukturschwachen Gebieten gehen die Preise wegen der schrumpfenden Bevölkerung jetzt schon spürbar zurück.

Börsenhändler: Mit Fondsanteilen lässt sich das Risiko streuen Zur Großansicht
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Börsenhändler: Mit Fondsanteilen lässt sich das Risiko streuen

Im Zuge stetig sinkender Zinsen sollten Sparer den Kauf von Aktien ins Auge fassen, die bei den Deutschen traditionell als besonders riskante Anlageform gelten. Den schlechten Ruf haben sie allerdings nicht verdient. Immerhin hat der Dax allein im vergangenen Jahr und 20 Prozent an Wert gewonnen und lag am Donnerstag zeitweise schon über der 10.000-Punkte-Marke.

Das Risiko starker Wertschwankungen einzelner Aktien lässt sich durch den Kauf von Fondsanteilen minimieren. Die garantieren sogar noch regelmäßige Einkünfte, sofern sie sich vor allem aus Aktien mit sicherer Dividendenzahlung zusammensetzen. Solche Aktienfonds ermöglichen eine breite Streuung schon bei geringem Kapitaleinsatz. Wer in Aktien oder Aktienfonds investiert, sollte allerdings genug Geduld besitzen, um auch mal ein paar Jahre mit zwischenzeitlichen Kursverlusten auszusitzen.

Goldbarren: Spekulative Anlage für den spezielle Geschmack Zur Großansicht
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Goldbarren: Spekulative Anlage für den spezielle Geschmack

Zu den umstrittensten Anlagen zählt Gold. Das Edelmetall besitzt auch in Zeiten des elektronischen Börsenhandels noch eine fast magische Anziehungskraft. Einige Berater raten Anlegern, bis zu 20 Prozent ihres Vermögens in Gold anzulegen. Dagegen spricht: Zum einen lässt sich die Entwicklung des Goldpreises kaum vorhersagen, Gold ist ein reines Spekulationsobjekt. Zum anderen bringt eine Anlage in Gold keine Rendite in Form von Dividenden, Zinszahlungen oder Mieteinnahmen.

Jaguar 3,8 E-Type Roadster: Wertanlage mit hohem Risiko Zur Großansicht

Jaguar 3,8 E-Type Roadster: Wertanlage mit hohem Risiko

Weit spekulativer noch als Gold sind Kunstwerke oder Oldtimer als Geldanlage. Der Anstieg der Preise in den vergangenen Jahren sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier Modetrends stärker als anderswo über Gewinn oder Verlust entscheiden. Ohne ein feines Gespür für diese Trends und große Fachkenntnis wird ein Kauf zum Vabanquespiel - ganz gleich, ob es sich um ein Gemälde oder einen alten Jaguar handelt. Außerdem müssen bei einer seriösen Berechnung der Rendite die Kosten für Sicherung und Werterhalt abgezogen werden, die im Einzelfall sehr hoch ausfallen können. Auch die sogenannte Marktgängigkeit ist ein Faktor: Selbst ein originaler Rothko hilft wenig, wenn man kurzfristig Geld braucht.

Generell gilt: Am besten fährt langfristig, wer seine Ersparnisse über mehrere Anlageformen streut. Wer also zum Beispiel eine selbstgenutzte Immobilie mit einem Wertpapierdepot in Form von Aktienfonds und einigen Anleihen von soliden Schuldnern paart.

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1. Gold unter der Matratze
Kenntauer 05.06.2014
"Gold, Immobilien, ein Jaguar?" Wenn der Bankenrun beginnt, weil Geldanlage eine Geldvernichtung ist, ist man mit dem Gold in der Matratze noch immer am besten bedient.
2.
Art Vandelay 05.06.2014
Aktien zu kaufen ist gar nicht soooo verkehrt. Natürlich muß man das streuen und sollte auch nicht auf irgendwelche New-Economy-Unternehmen setzen, aber die ganz soliden Blue Chips, die genannte Allianz SE oder Unternehmen von ähnlichem Ausmaß, vielleicht auch große deutsche Bankhäuser: Das ist nicht grundlegend falsch.
3.
RalfHenrichs 05.06.2014
Zitat von Art VandelayAktien zu kaufen ist gar nicht soooo verkehrt. Natürlich muß man das streuen und sollte auch nicht auf irgendwelche New-Economy-Unternehmen setzen, aber die ganz soliden Blue Chips, die genannte Allianz SE oder Unternehmen von ähnlichem Ausmaß, vielleicht auch große deutsche Bankhäuser: Das ist nicht grundlegend falsch.
Grundlegend ist das einfach ein Spiel. Alles kann richtig, alles kann falsch sein. Der beste Rat ist gegenwärtig sicherlich: hoch in die Schulden gehen und darauf warten, dass es zum Währungsschnitt kommt.
4. Rendite ohne Risiko...
kantundco 05.06.2014
...wird es weiter für die Banken geben, die zunächst Staatanleihen kaufen und sie dann der EZB wieder andrehen oder zu Recht darauf hoffen können, dass die Staaten "gerettet" werden. Das geht noch ein paar Jahre gut, bis der Spaß ein richtiges Loch hat, das alle Spekulanten und Politiker verschluckt.
5.
GoBenn 05.06.2014
Ein Start-up gründen mit einer möglichst schrulligen Idee (= USP). Investoren, die nicht wissen, wohin mit dem Geld, finden sich viele. Nach drei Jahren dann: Bahamas. (Oder Jaguar)
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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