Geldmangel: Commerzbank spart sich Weihnachtsfeiern

Der Commerzbank fehlen Milliarden - und das bekommen nun auch die Mitarbeiter zu spüren. Das Institut spart bei Weihnachtsfeiern. So knauserig war das Geldhaus nicht mal während der Finanzkrise 2008.

Kerze vor der Commerzbank-Zentrale: Sparen ist angesagt Zur Großansicht
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Kerze vor der Commerzbank-Zentrale: Sparen ist angesagt

Frankfurt am Main - Die ernste Lage eines Unternehmens macht sich meist durch ganz banale Dinge bemerkbar. Etwa wenn die Chefs die Weihnachtsfeier absagen. So weit ist es laut der Nachrichtenagentur dpa-AFX auch bei der Commerzbank. Zahlreiche Weihnachtsfeiern von Abteilungen fallen dort in diesem Jahr aus, berichtet die Agentur unter Berufung auf Bankkreise.

So viel Sparsamkeit war nicht einmal auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 angesagt. Damals feierten etwa die Investmentbanker vor Weihnachten trotzdem. Inzwischen wurde deren Sparte aber sowieso arg geschrumpft.

Weihnachtsfeiern passten nicht in das derzeitige Umfeld, zitierte die Agentur aus Bankkreisen. Offiziell wollte sich die Bank dazu nicht äußern. Ein Sprecher verwies gegenüber SPIEGEL ONLINE aber auf das "forcierte Kostenmanagement" des Instituts. So werde auch teilweise auf externe Berater verzichtet.

Allein durch eingesparte Weihnachtsfeiern wird sich die Commerzbank Chart zeigen nicht sanieren können. Denn laut dem jüngsten Blitz-Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA fehlen dem Institut 5,3 Milliarden Euro, um die neuesten Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen. Diese Kapitallücke muss die Bank bis Ende Juni 2012 schließen, um etwa auf Staatspleiten in der Euro-Zone vorbereitet zu sein.

Die Commerzbank will das nach eigenen Angaben auf eigene Faust schaffen. Sie plant neben Einsparungen den Verkauf von Wertpapieren und will eigene Anleihen zurückkaufen. Viele Experten prophezeien aber, dass das Institut letztlich doch den staatlichen Rettungsfonds Soffin nutzen wird. Weil die Commerzbank schon während der Finanzkrise 2008 in Schieflage geriet, ist sie bereits zu 25 Prozent verstaatlicht.

Immerhin konnte die Bank am Mittwoch Fortschritte bei der Kapitalbeschaffung melden: Das Institut kaufte Anleihen zurück und kann somit das Eigenkapital um mehr als 700 Millionen Euro anheben.

mmq/dpa-AFX

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Man könnte doch noch...
timepiece123 14.12.2011
Zitat von sysopDer Commerzbank fehlen Milliarden - und das bekommen nun auch die Mitarbeiter zu spüren. Das Institut spart bei Weihnachtsfeiern. So knauserig war das Geldhaus nicht mal während der Finanzkrise 2008. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,803672,00.html
...Zeitschriftenabonnements kündigen und den Kantinenzuschuss für die Mitarbeiter kürzen. Das warme Wasser in den Waschräumen ist ja schon seit ein paar Jahren abgeschaltet worden. Tja, langsam wird's schwierig. So ein Lieblingsausdruck des Aufsichtsratsvorsitzenden Müller ist doch: "Das werden wir schon wuppen". Ich glaube, es hat sich jetzt durch den Kauf der Eurohypo und der Dresdner Bank ausgewuppt...
2. Höchst aufschlussreich...
timderzauberer 14.12.2011
"Weihnachtsfeiern passten nicht in das derzeitige Umfeld, zitierte die Agentur aus Bankkreisen. " Weihnachtsfeiern passen also nicht in das Umfeld von Weihnachten (!), sondern fügen sich offenbar nur dann in das Kalendarium ein, wenn die Bankenkasse klingelt... Ich denke, hinter dieser Denkweise verbirgt sich vieles, was einen halbwegs aufmerksamen Leser/Kunden/Verbraucher/Bürger hellhörig machen sollte. Was die Aussage anbelangt, dass sich "allein durch eingesparte Weihnachtsfeiern (...)die Commerzbank nicht sanieren können [wird]", so ist dies freilich bloß eine Spekulation. Womöglich waren die vormaligen Feiern derart ausschweifend (wie ja offenbar in vergleichbaren Fällen - ERGO, Wüstenrot - vorgekommen), dass sich in der Tat mehr als nur die Kosten für ein Dreigänge-Menü und ein paar Liter Getränke pro Mitarbeiter sparen ließen !? Traurig....
3. Bürger! Patrioten! Genossen!
zxmar06 14.12.2011
Das muss erst mal keine schlechte Nachricht sein. Es könnte ein Zeichen sein, dass die Verantwortlichen Prioritäten zu setzen wissen. Und die Prioritäten sollten auf einen Punkt konzentriert werden: Boni für die höheren Führungsebenen! Schließlich wäre es fatal, wenn ausgerechnet jetzt die Motivation der Top Leute nachließe oder ein Rückzug ins Privatleben stattfinden würde. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich Innovationen im Finanzmarkt und höchste Renditen nur mit bestbezahlten High Potentials erreichen lassen. Die Bundesregierung sollte über die Einführung einer befristeten Sondersteuer, vergleichbar dem Solidaritätsbeitrag, nachdenken, um die Versorgung essentieller Persönlichkeiten mit außerordentlichen Gratifikationen sicherzustellen. Schließlich ist auch bei der verstaatlichten HRE nach kürzester Zeit die Limitierung der Bezüge auf maximal 500.000 p.a. fallengelassen worden, weil nur so qualifizierte Bankexperten zu halten waren. Und selbstverständlich können nur diese es richten! Das Kind jetzt bloß nicht mit dem Badewasser ausschütten!
4. Die marode Commerzbank
kellitom 14.12.2011
Ich plädiere dafür die Commerzbank komplett zu verstaatlichen, wenn sie nochmals Staatsgeld bekommt. Reuters meldete gestern, dass bereits Verhandlungen mit dem Staat geführt würden. Außerdem hat diese marode Bank noch nicht mal die letzten Staatshilfen voll zurückgezahlt. ES muss enjlich Schluß sein mit dem Bankensozialismus, Verluste der Allgemeinheit aufzuhalsen und Gewinn zu privatisieren!
5. Weihnachtsfeiern
rainer_d 14.12.2011
Zitat von sysopDer Commerzbank fehlen Milliarden - und das bekommen nun auch die Mitarbeiter zu spüren. Das Institut spart bei Weihnachtsfeiern. So knauserig war das Geldhaus nicht mal während der Finanzkrise 2008. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,803672,00.html
Ist natürlich die Frage, was man unter einer "Weihnachtsfeier" tatsächlich versteht. In den wenigsten Fällen dürfte die darin bestanden haben, dass die Leute: - selbstgebackenen Kuchen und Plätzchen mitbringen - um den Christbaum und die Krippe darunter herumsitzen - und aus der Weihnachtsgeschichte vorlesen sowie gemeinsam "Oh laufet ihr Hirten" singen Insofern ist die Abschaffung ja nur konsequent und ehrlich.
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Deutsche Bank 3,2 Milliarden Euro
Commerzbank 5,3 Milliarden Euro
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Nord/LB 2,49 Milliarden Euro*
Helaba 1,49 Milliarden Euro*
DZ Bank 353 Millionen Euro
Quelle: EBA

*Die Eba erkennt die Umwandlung von Stillen Einlagen in Kernkapital noch nicht an.