Geldnot: Commerzbank verschafft sich frisches Kapital

Die Commerzbank kämpft um ihre Selbstständigkeit - doch dafür braucht sie mehr Eigenkapital: Das Geldhaus gibt nun 600 Millionen Euro aus, um Anleihen zurückzuerwerben. Der Kauf könnte ein gutes Geschäft werden.

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dapd

Commerzbank-Zentrale: Zwangsverstaatlichung umgehen

Frankfurt am Main - Die kriselnde Commerzbank Chart zeigen zieht alle Register, um neue Staatshilfen zu vermeiden: Der teilverstaatlichte Dax-Konzern kündigte an, seine Kapitallücke durch den Rückkauf von eigenen Anleihen verkleinern zu wollen. Insgesamt stellt das Institut dafür 600 Millionen Euro zur Verfügung, um dieses sogenannte Hybridkapital aus dem Markt zu nehmen. Da die Papiere seit der Ausgabe deutlich an Wert verloren haben, kauft die Bank sie unter ihrem Nennwert zurück. Dadurch entsteht ihr ein Buchgewinn.

Der Rückkauf ist Teil eines umfangreiches Pakets, mit dem die Commerzbank ihre Kapitallücke von voraussichtlich rund fünf Milliarden Euro schließen will. Bereits vor einem Monat hatte Bankchef Martin Blessing angekündigt, die Bilanzrisiken um 30 Milliarden Euro herunterzufahren. Randgeschäfte sollen verkauft und Gewinn einbehalten werden. Zudem dürfen in einzelnen Geschäftsfeldern derzeit keine Kredite mehr vergeben.

Ob das reicht, ist unklar. Sollte das Institut die Lücke nicht aus eigener Kraft schließen können, erwägt die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen eine Verstaatlichung der Bank. Nur die Krisen-Tochter Eurohypo zu übernehmen, komme für den Bund nicht in Frage. Die Commerzbank-Aktie verlor am Montag bis zum Mittag mehr als sieben Prozent an Wert.

Regierungskreisen zufolge will das Kabinett noch vor Weihnachten beschließen, den Bankenrettungsfonds Soffin wieder zu öffnen, um Banken notfalls unter die Arme zu greifen. Je nachdem, wie viel Eigenkapital der Commerzbank fehlt, könnte der Bund dann die Mehrheit übernehmen. "Wir sind so schnell wie möglich bemüht, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, den Soffin bereitzustellen", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.

Anleihenbesitzer haben bis zum 13. Dezember Zeit

Der Rückkauf der Hybridanleihen (Trust Preferred Securities) könnte für die Commerzbank ein gutes Geschäft werden. Das Institut will rund die Hälfte der noch ausstehenden Papiere zu Preisen von 40 bis 52,5 Prozent des einstigen Ausgabepreises zurücknehmen. Die Differenz zwischen dem neuen Preis und dem Nominalwert kann sich die Bank als Gewinn gutschreiben. Insgesamt beläuft sich das Volumen der ausstehenden Hybridanleihen noch auf nominal 2,23 Milliarden Euro.

"Das ist eine gewisse Bilanzkosmetik, das Kernproblem der Commerzbank wird nicht gelöst", kommentierte der Frankfurter Bankenexperte Martin Faust. Als größten Klotz am Bein der Commerzbank sehen Experten die Immobilientocher Eurohypo, die aber wegen des turbulenten Marktumfeldes derzeit als unverkäuflich gilt.

Besitzer der Anleihen haben bis zum 13. Dezember Zeit, das Angebot anzunehmen. Damit auch sie etwas von dem Geschäft haben, bietet die Commerzbank ihnen einen Aufschlag zum derzeitigen Marktpreis an. Zuletzt notierten die Anleihen nur noch bei 35 bis 43 Prozent des einstigen Wertes.

Mit dem Schritt rüstet sich die Bank für die schärferen Vorgaben der Regulatoren. Die europäische Bankenaufsicht EBA erkennt Hybridkapital nicht als hartes Eigenkapital an. In einem Blitz-Stresstest ermitteln Aufseher derzeit, wie groß die Kapitallücke der europäischen Institute bei einer Bewertung der von ihnen gehaltenen Staatsanleihen zu Marktpreisen ist. Die Banken müssen auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent kommen. Kernkapital gilt als Puffer für Krisen.

yes/dpa/Reuters

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