Geldsegen der Fed Dow Jones so stark wie vor der Lehman-Pleite

Die Brachial-Geldpolitik der US-Notenbank treibt die Börsenkurse nach oben. Anleger fürchten einen Preissturz, weil die Fed massenhaft amerikanische Staatsanleihen kauft und die Märkte mit Dollar überschüttet. Viele schichten ihr Geld in Aktien um: Dax, Dow Jones und andere Indices steigen.

Frankfurter Börse: Anleger fliehen aus Staatsanleihen und stecken Geld in Aktien
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Frankfurter Börse: Anleger fliehen aus Staatsanleihen und stecken Geld in Aktien


Frankfurt am Main - Die US-Notenbank hat die Geldschleusen geöffnet - und eine weltweite Börsenrallye verursacht: Der Dax Chart zeigen schloss mit einem kräftigen Plus von 1,77 Prozent bei 6734 Punkten - seinem höchsten Stand seit Mitte Juni 2008. Der MDax Chart zeigen legte um 0,88 Prozent auf 9456 Punkte zu, der TecDax Chart zeigen um 0,51 Prozent auf 821 Punkte.

Auch an anderen Börsen stiegen die Kurse: Der amerikanische Leitindex Dow Jones Chart zeigen legte um 1,96 Prozent auf 11.434,84 Punkte zu - so stark war das Börsenbarometer seit der Pleite von Lehman Brothers vor über zwei Jahren nicht mehr aus dem Handel gegangen. Gleiches galt für den breiter gefassten S&P-500- Index, der 1,93 Prozent zulegte. Noch besser lief es an der Technologiebörse Nasdaq: Der Composite-Index Chart zeigen gewann 1,46 Prozent und erreichte damit fast ein Dreijahreshoch. Der EuroStoxx 50 Chart zeigen, der wichtige europäische Werte zusammenfasst, kletterte um fast zwei Prozent.

Grund für den Boom ist eine weitreichende geldpolitische Entscheidung, die die Fed am Mittwochabend bekanntgab. Bis Mitte 2011 will sie amerikanische Staatsanleihen im Umfang von 600 Milliarden Dollar aufkaufen.

Das hat zwei Effekte: Erstens erhöht die Fed die Nachfrage nach US-Staatsanleihen - bei gleich bleibendem Angebot. Zweitens erhöht sie das Angebot an Dollar - bei gleichbleibender Nachfrage. Der Kurs der US-Währung dürfte in der Folge sinken, ebenso die Rendite für amerikanische Staatsanleihen. Anleger, die genau das erwarten, zogen ihr Geld entsprechend aus dem Dollar und aus US-Bonds ab. Viele legten ihr Vermögen stattdessen in Aktien an.

Drohende Gegenmaßnahmen aus China und Japan

Die Ankündigung der Fed hatte auch auf die Wechselkurse wichtiger Währungen bereits Effekte. So kletterte der Euro Chart zeigen in der Spitze um mehr als einen Cent im Vergleich zum Dollar und näherte sich seinem Jahreshoch. Das Pfund Sterling stieg auf ein Neun-Monats-Hoch von 1,6236 Dollar.

Sinkt der Dollarkurs im Vergleich zu anderen Währungen, dann kosten die in den USA gefertigten Produkte in anderen Staaten weniger. Für Länder wie Japan bedeutet das einen Wettbewerbsnachteil auf dem Exportmarkt. Entsprechend scharf protestieren sie gegen die Geldschwemme der Fed.

"Solange die Welt keine Zurückhaltung bei der Ausgabe von Währungen wie dem Dollar übt, ist das Eintreten einer neuen Krise unvermeidlich", schrieb der Berater der chinesischen Notenbank, Xia Bin, in einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag in der "Financial News", einem von der Zentralbank herausgegebenen Blatt. Die Volksrepublik müsse einen "währungspolitischen Schutzwall" errichten, um sich gegen externe Schocks abzusichern.

Die japanische Regierung sprach sich am Donnerstag für eine verstärkte Debatte zur Abstimmung der Währungspolitik führender Wirtschaftsnationen aus. Ein Sprecher sagte, man hoffe, dass die Debatte über eine "Koordinierung der Geldpolitik vertieft" werde. Japans Wirtschaft ist in hohem Maße vom Export abhängig - und durch den sinkenden Dollarkurs entsprechend stark belastet. Die japanische Notenbank kommt am Donnerstag zu einer vorgezogenen Sitzung zusammen. Am Markt wird spekuliert, dass sie aus Sorge um einen steigenden Yen notfalls ihrerseits Geld auf den Markt schütten will. Notenbankchef Masaaki Shirakawa hatte vor kurzem genau damit gedroht.

Sollten sich China und Japan jetzt zu Gegenmaßnahmen entschließen, könnte die Folge ein protektionistisches Wettrüsten sein, das den Welthandel lähmt und den Aufschwung bremst (siehe Video linke Spalte). Erst Ende Oktober gelobten die 20 wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt (G20) zwar Besserung. Ein Währungs- und Handelskrieg müsse unbedingt vermieden werden, sagten sie. Die von der Fed angekündigte Dollarschwemme bedroht den Konsens der Staaten nun schon wieder.

EZB hält Leitzins stabil

Entspannter als China und Japan reagierte die europäische Notenbank auf die Aktion der Fed. Sie beließ den Leitzins, zu dem sie Privatbanken Geld leiht, bei ihrer Sitzung bei 1,0 Prozent - und sendete keine Signale, auf die Ausweitung der Dollarmenge reagieren zu wollen. Institutschef Jean-Claude Trichet sagte, er habe keine Zweifel am Bekenntnis der USA, den Dollar stabil zu halten. Eine starke US-Währung sei auch im amerikanischen Interesse.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle kritisierte die aggressive Geldpolitik der USA dagegen. "Ich sehe das mit Sorge", sagte Brüderle. Er habe Zweifel, dass das Gelddrucken der US-Notenbank Fed die Konjunktur ankurbeln werde. Die Banken hätten ohnehin ausreichend Geld für Kredite, nur seien die Verbraucher zu zögerlich, diese abzurufen. "Es reicht nicht, allein das Wasser hinzustellen", sagte der FDP-Politiker. "Die Pferde müssen auch saufen."

US-Notenbankchef Ben Bernanke verteidigte indes seinen Kurs. Die Fed habe entschieden, dass "eine zusätzliche Unterstützung der Wirtschaft angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der niedrigen Inflationsrate notwendig ist", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Washington Post". Die Notenbank habe die Aufgabe, bei der Steigerung der Beschäftigung zu helfen und die Preisstabilität zu unterstützen. Dazu trage die beschlossene Maßnahme bei.

Bernanke wies Befürchtungen eines verstärkten Preisauftriebs in dem Artikel zurück. Das Instrument sei bereits zuvor eingesetzt worden und habe nicht zu höherer Inflation geführt. Er versicherte, die Federal Reserve verfüge über die Werkzeuge, die zusätzliche Liquidität "zur angemessenen Zeit" wieder abschöpfen zu können. Die Federal Reserve bekenne sich zu ihrem Mandat, die Inflation niedrig und stabil zu halten.

ssu/dpa/Reuters



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insgesamt 19 Beiträge
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onemanshow 04.11.2010
1. Blasen über Blasen
Zitat von sysopDie Brachial-Geldpolitik der US-Notenbank lässt die Börsen boomen. Die Fed kauft massenhaft amerikanischen Staatsanleihen und überschüttet die Märkte mit Dollar. Anleger fürchten einen Preissturz - und schichten ihr Geld in Aktien um: Dax, Dow Jones und europäische Indexe legen kräftig zu. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,727343,00.html
“Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion – oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem” (Ludwig von Mises, "Nationalökonomie – Theorie des Handelns und Wirtschaftens")
wika 04.11.2010
2. Kann man icht oft genug wiederholen…
Zitat von onemanshow“Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion – oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem” (Ludwig von Mises, "Nationalökonomie – Theorie des Handelns und Wirtschaftens")
…danke dafür und als kleines Schmankerl und zur Vertiefung des Diskurses hier noch die Geschichte vom „Greenspam“. *„Was hat Greenspam mit Dollar zu tun?”* … Link (http://qpress.de/2010/08/11/was-hat-greenspam-mit-dollar-zu-tun/) Die kleine Süffisanz korreliert unmittelbar mit dieser Geschichte und letztlich ist es ja auch jener Herr und Namensgeber der diese Flut erfunden hat. Sein Nachfolger … Ben Bad Bankie … ist jetzt auch nur der Schleusenwärter der selbige jetzt gerade wieder mal aufgedreht (°!°) Sowas „von Mises“ aber auch, aber er wird wohl Recht behalten, dass lässt sich schon mathematisch aber auch geschichtlich belegen. Wir brauchen nicht mehr über das „wie“ zu rätseln sondern tatsächlich nur noch über das „wann“, denn alle Haltesignal sind mit Volldampf überfahren worden und wer für diesen Anlass die Augenbinden für unsere Politiker spendiert hat, darüber dürfen sie jetzt auch nochmal nachdenken.
SethGecko 04.11.2010
3. beklemmende szenerie
Diese Überschwemmung der Märkte mit Bergen von Dollars, noch dazu indem man Staatsanleihen dafür tauscht zeigt eine beängstigende Hilflosigkeit der FED und der amerikanischen Institutionen im Angesicht der Krise. Die eigentlichen Probleme, wie z.B. den Verlust von Wettbewerbsfähigkeit in vielen Sparten der "Real"wirtschaft, sprich der eigentlichen Wirtschaft, die extreme Ungleichverteilung der Einkommen und daraus resultierend eine Konsumblockade, die nur jahrelang mit Schuldenmachen überspielt wurde, werden ja nicht mal diskutiert. Statt dessen sind Märchenstunden mit sogenannten Konservativen in Mode, wo sich in eine angeblich goldene Vergangenheit geträumt wird. Zu deren Restauration sei nur die Zerstörung der staatlichen Institutionen nötig, und die Auslebung hemmungslosen Egoismus. Es ist absurd, den Schritt damit rechtfertigen zu wollen, dass die Banken mehr Kredite rausgeben sollen, wenn eine exzessive jahrelange Kreditrallye die USA überhaupt erst dorthin gebracht haben. Natürlich wollen die Leute keine Kredite, die sind ja schon verschuldet! Und für was sollen denn die Unternehmen Kredite aufnehmen, wenn kein Spielraum für Konsum da ist, um ihnen mehr Produktion abzukaufen? Nicht nur wird das nicht das geringste an den eigentlichen Problemen der USA ändern, es wird noch dazu bloß den altbekannten Profiteuren von der Wall Street auf Kosten der Staatskasse ne ordentliche Rallye ermöglichen. Wenn das mal Zufall ist. Und auch auf Kosten der einfachen Leute, denn die Zentralbank Staatsschulden gegen Bares tauschen zu lassen ist ja die Lehrbuchversion davon, wie man die Inflation ankurbelt. Und dabei wird, wenn es dumm läuft, gleich die nächste Blase aufgepumpt. Da es ja nicht möglich ist, das Geld in produktive oder wenigstens konsumptive Wirtschaftstätigkeit zu investieren, wird es im Kasino landen. Und der Rest der Gesellschaft darf nach der Party dann wieder aufräumen. Absurdes Theater, aber viel mehr Akte werden wir davon nicht mehr aufführen können.
Huuhbär, 04.11.2010
4. Die Machtfrage steht wieder an ...
Geld ohne Gegenwert ist visionelles Geld und wird von Geldforschern verwaltet. Somit halten und haben diejenige, die für das weltweite Finanzdesaster verantwortlich sind auch noch die menschlichen Werte im Würgegriff und höhlen noch zusätzlich systematisch mit kriminellen Methoden den Rechtsstaat und die Demokratie aus. Ein Beispiel dazu, es existiert ein wunderschönes Märchen, in Gestalt eines Spazierganges zwischen einem Kobold und dem menschlichen Sein, nicht nur für Kinder, sonder für Erwachsene hervorragend geeignet und von einem unbekannten Menschen geschrieben, nur das Marktrecht benutzt ein Verlag dazu aus, dass das Original Märchen nicht kostenlos den Menschen zugänglich gemacht wird. Das ist Marktwirtschaft, poor!
Gerixxx 04.11.2010
5. und die Folgen ?
Zitat von SethGeckoDiese Überschwemmung der Märkte mit Bergen von Dollars, noch dazu indem man Staatsanleihen dafür tauscht zeigt eine beängstigende Hilflosigkeit der FED und der amerikanischen Institutionen im Angesicht der Krise. Die eigentlichen Probleme, wie z.B. den Verlust von Wettbewerbsfähigkeit in vielen Sparten der "Real"wirtschaft, sprich der eigentlichen Wirtschaft, die extreme Ungleichverteilung der Einkommen und daraus resultierend eine Konsumblockade, die nur jahrelang mit Schuldenmachen überspielt wurde, werden ja nicht mal diskutiert. Statt dessen sind Märchenstunden mit sogenannten Konservativen in Mode, wo sich in eine angeblich goldene Vergangenheit geträumt wird. Zu deren Restauration sei nur die Zerstörung der staatlichen Institutionen nötig, und die Auslebung hemmungslosen Egoismus. Es ist absurd, den Schritt damit rechtfertigen zu wollen, dass die Banken mehr Kredite rausgeben sollen, wenn eine exzessive jahrelange Kreditrallye die USA überhaupt erst dorthin gebracht haben. Natürlich wollen die Leute keine Kredite, die sind ja schon verschuldet! Und für was sollen denn die Unternehmen Kredite aufnehmen, wenn kein Spielraum für Konsum da ist, um ihnen mehr Produktion abzukaufen? Nicht nur wird das nicht das geringste an den eigentlichen Problemen der USA ändern, es wird noch dazu bloß den altbekannten Profiteuren von der Wall Street auf Kosten der Staatskasse ne ordentliche Rallye ermöglichen. Wenn das mal Zufall ist. Und auch auf Kosten der einfachen Leute, denn die Zentralbank Staatsschulden gegen Bares tauschen zu lassen ist ja die Lehrbuchversion davon, wie man die Inflation ankurbelt. Und dabei wird, wenn es dumm läuft, gleich die nächste Blase aufgepumpt. Da es ja nicht möglich ist, das Geld in produktive oder wenigstens konsumptive Wirtschaftstätigkeit zu investieren, wird es im Kasino landen. Und der Rest der Gesellschaft darf nach der Party dann wieder aufräumen. Absurdes Theater, aber viel mehr Akte werden wir davon nicht mehr aufführen können.
Da das Alles ja leider keine science fiction ist und offenbar auch keine "linke Inspiration", - muß man sich nicht langsam um die politische Dimension des kommenden wirtschaftlichen Zusammenbruchs Sorgen machen ?
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