Traditionswerk: GM will Opel-Standort Bochum erhalten

Bochum bleibt Opel-Standort: Nach quälenden Verhandlungen hat sich der Opel-Vorstand mit den Arbeitnehmervertretern auf eine Zukunft des Traditionswerks geeinigt. Ab 2016, nach dem Ende der Zafira-Fertigung, sollen dort Komponenten montiert werden.

Demonstrierende Opel-Mitarbeiter in Bochum: Quälend lange Verhandlungen Zur Großansicht
dapd

Demonstrierende Opel-Mitarbeiter in Bochum: Quälend lange Verhandlungen

Rüsselsheim/Bochum - Rund 700 Opel-Arbeiter müssen das Opel-Werk in Bochum schon in den nächsten Monaten verlassen. Denn ab April soll die Produktion schrittweise von einem Dreischicht- auf einen Zweischichtbetrieb umgestellt werden. Kurzentschlossene können auf eine Abfindung bauen. Die übrigen Opel-Mitarbeiter werden noch weiter Familienvan Zafira bauen - mindestens bis 2016, wenn die Nachfrage anhält auch länger.

Aus Sicht der IG-Metall ist die jetzt gefundene Einigung ein echter Durchbruch. "Mit den jetzt erreichten Vereinbarungen konnte die Schließung des Standorts verhindert werden", sagte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer Klug. Jetzt habe man fünf Jahre Zeit, um im Sinne der Beschäftigten Lösungen zu finden. Noch sind die Verhandlungen allerdings nicht abgeschlossen. Über einzelne Details werde ab Montag weiter beraten, sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber.

Auch GM-Vize Steve Girsky zeigte sich mit der Einigung zufrieden. Damit seien die Chancen größer geworden, Opel bis zur Mitte des Jahrzehnts aus den roten Zahlen zu führen. "Wir wollen insgesamt 1200 tarifgebundene Opel-Arbeitsplätze in Bochum sichern - und den Standort in ein Komponentenwerk umwandeln", sagte Girsky, der auch den Aufsichtsrat von Opel leitet.

Die Zugeständnisse der Konzernführung sind tatsächlich bemerkenswert. Schließlich sind darin auch finanzielle Garantien für die kommenden Jahre enthalten. Auch das Getriebewerk, das General Motors anfangs hatte aufgeben wollen, bleibt bestehen. "Wir wollen unser Warenverteilzentrum in Bochum behalten. Wir wollen insgesamt rund 1200 tarifgebundene Opel-Arbeitsplätze in Bochum sichern - und den Standort zum Komponentenwerk umwandeln", sagte Girsky.

Ford saniert entschiedener

Für die anderen Opel-Standorte in Rüsselsheim, Eisenach, und Kaiserslautern sagten die Konzernbosse Produktionsaufträge für neue Modelle zu, was die Auslastung in den nächsten Jahren sichert. Im Gegenzug verzichten die Beschäftigten auf die Auszahlung der im vergangenen Jahr ausgehandelten Tariferhöhungen so lange, bis die jeweils nächste Tariferhöhung in Kraft tritt. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel hat die Einigung kritisiert. Er habe dagegen gestimmt, "weil alle Punkte für Bochum weiterhin offen sind". Es bestehe die Gefahr, dass 2016 mehr als 2000 Menschen in Bochum vor einer Kündigung stehen.

Ob die skizzierte Einigung Opel den Weg in die Gewinnzone ebnet, bleibt abzuwarten. Nach wie vor kämpft der Traditionshersteller mit hohen Produktionskosten und einem schleppenden Absatz vor allem in Südeuropa. GM-Rivale Ford ist da schon einen guten Schritt weiter. Drei Werke in Belgien und Großbritannien mit insgesamt 5700 Beschäftigten stehen vor der Schließung. Bis 2015 verspricht Ford in Europa wieder schwarze Zahlen.

GM dagegen hatte die Arbeitnehmer durch wiederholte Scharaden gegen sich aufgebracht. Die verhärteten Fronten hatten die Verhandlungen an den Rand des Scheiterns geführt. Gemeinsam mit der britischen Schwestergesellschaft Vauxhall machte Opel im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Dollar Verlust, fast dreimal so viel wie im Jahr davor. Im laufenden Jahr soll der Verlust zumindest etwas eingedämmt werden.

mik/Reuters

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
fuchsig1212 28.02.2013
Jetzt doch erhalten? GM hat auch n ziemliches Talent Leuten Sicherheit im Job zu geben. Find ich klasse...
2. Lachnummer
zick-zack 28.02.2013
Opel und schwarze Zahlen - meinen die das ernst? Ich hatte einen Astra G aus Bochum. Also auf mich brauchen die nicht zu zählen, das tue ich mir nicht noch einmal an!
3. Warum nicht
fraenzaen 28.02.2013
Hatte auch einen Astra G aus Bochum und war recht zufrieden!
4. überflüssig
ostap 01.03.2013
Zitat von sysopdapdBochum bleibt Opel-Standort: Nach quälenden Verhandlungen hat sich der Opel-Vorstand mit den Arbeitnehmervertretern auf eine Zukunft des Traditionswerks geeinigt. Ab 2016, nach dem Ende der Zafira-Fertigung, sollen dort Komponenten montiert werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/general-motors-will-standort-bochum-erhalten-a-886208.html
Warum wird eine überflüssige Produktionskapazität nicht einfach abgebaut? Das erfolgt doch in der restlichen Industrie ohne grosses Aufheben tagtäglich.
5. ...und den...
ISTQB 01.03.2013
Zitat von zick-zackOpel und schwarze Zahlen - meinen die das ernst? Ich hatte einen Astra G aus Bochum. Also auf mich brauchen die nicht zu zählen, das tue ich mir nicht noch einmal an!
sicher auch noch über 6 Jahre finanziert oder? Und dann gedacht für die investierten 18.000€ ein Premiumprodukt zu bekommen mit Spaltmaßen wie im Audi, Motoren wie bei BMW und nem Wertverlust wie ein Porsche...Herr laß Hirn vom Himmel regnen!
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