Ex-Chef der Hypo Real Estate Georg Funke ist tot

Das deutsche Gesicht der Finanzkrise: So nahmen viele Georg Funke wahr, Ex-Chef der Hypo Real. Er selbst beharrte trotzig auf seiner Unschuld am Taumeln der Bank. Nun ist er mit 63 Jahren gestorben.

Georg Funke im Jahr 2017
DPA

Georg Funke im Jahr 2017

Von und


Georg Funkes Tod war so geheim wie sein Leben in den vergangenen Jahren. Schon im Juni soll der ehemalige Chef der Hypo Real Estate gestorben sein - nach kurzer Krankheit, wie es heißt. Erst jetzt wurde die Nachricht bekannt. Sein Anwalt Wolfgang Kreuzer bestätigte Funkes Tod am Dienstag auf Anfrage.

Wenn es ein deutsches Gesicht der Finanzkrise gab, dann war es Georg Funke. Als die Finanzkrise ausbrach, war der Bankmanager nur absoluten Branchenexperten bekannt. Das änderte sich am 29. September 2008, als sich Bundesregierung und Bankenvertreter nach einer langen Verhandlungsnacht auf ein Rettungspaket in Höhe von 35 Milliarden Euro für die angeschlagene Hypo Real Estate einigten - das Finanzinstitut, das Funke führte. Eine Woche danach musste das Volumen bereits auf 50 Milliarden Euro erhöht werden, später kamen neue Staatsgarantien hinzu. Bis heute hat die HRE den deutschen Staat laut Bundesregierung mehr als 20 Milliarden Euro gekostet.

Georg Funke war stets eine tragische Figur. Er wollte die Schuld für die teure HRE-Rettung nie auf sich nehmen. Die Bank sei "von außen zerstört" worden, behauptete Funke. "Die HRE war keinesfalls in einer akuten Notlage", so Funke 2017 vor Gericht. Das Institut sei vielmehr ohne rechtliche Grundlage an den Gremien vorbei von der Deutschen Bank mit ihrem früheren Chef Josef Ackermann und der Finanzaufsicht "praktisch übernommen" und "schwer geschädigt" worden. Den Rest habe der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) besorgt, indem er von einer "geordneten Abwicklung" der HRE gesprochen habe, die nie geplant gewesen sei.

Funke selbst stand vor Gericht, weil die Staatsanwaltschaft ihm und dem früheren Finanzvorstand der HRE vorwarf, die wahre Lage der Bank zu lange verschleiert zu haben. Im September 2017 stellte das Landgericht München den Prozess ein. Funke musste 18.000 Euro an karitative Einrichtungen zahlen.

Er wollte es den Schnöselbankern zeigen

Ob Funke eine Mitschuld trug, konnte juristisch nie geklärt werden. Das Bild des abgehobenen Gier-Bankers, das einige Medien gerne von ihm zeichneten, wurde ihm aber nie wirklich gerecht. Im April 1955 in Gelsenkirchen geboren, machte Funke nach der Schule eine Ausbildung zum Kaufman der Wohnungswirtschaft bei der Westdeutschen Wohnhäuser AG in Essen. Anschließend studierte er berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre und stieg später bei der HypoVereinsbank zum Bereichsvorstand für das Immobiliengeschäft auf.

Als die HypoVereinsbank ihre Gewerbeimmobiliensparte mit anderen Randbereichen abspaltete und im Jahr 2003 als Hypo Real Estate an die Börse brachte, war Funke plötzlich Chef - und wollte es allen zeigen: den HVB-Leuten in München, dass er aus ihrer Resterampe etwas Großes machen konnte; den Schnöselbankern in Frankfurt, dass man auch dann Erfolg haben kann, wenn man nicht den Golf-Cliquen der Taunuselite angehört.

Zunächst hatte Funke großen Erfolg. Im Jahr 2005 stieg die HRE in den Dax auf, den Aktienindex der 30 größten börsennotierten Firmen in Deutschland. In der Branche erntete er Lob und Anerkennung. Doch schon bald beging er einen Fehler, der seinen Ruf später ruinieren sollte.

Im Oktober 2007 übernahm die Hypo Real Estate die in Irland ansässige Depfa-Bank für mehr als fünf Milliarden Euro. "Depfa, das ist Klasse, nicht Masse", jubelte Funke. Doch in der aufziehenden Finanzkrise wurde das Geschäftsmodell der irischen Bank, die langfristig Kredite vergab und sich das Geld selbst kurzfristig lieh, zur Falle. Und Georg Funke zum Gespött.

In der Öffentlichkeit stand Funke schon vorher nicht gerne. Mit Politikern oder auf Empfängen sah man ihn praktisch nie. Nun wurde sein Leben zum Spießrutenlauf. Fremde lauerten ihm vor seinem Haus auf, einige sollen ihn sogar körperlich angegriffen haben. Funke schwieg meist.

Wenn er sich doch einmal äußerte, klang es vor allem trotzig. Die öffentliche Meinung schien ihm egal zu sein. Zum endgültigen Freiwild der Boulevardpresse wurde er, als er trotz des HRE-Debakels auf der Auszahlung seines Vorstandsvertrags bestand, der bis 2013 lief und ihm etwa 3,5 Millionen Euro Gehalt sowie eine monatliche Rente von knapp 47.000 Euro bringen sollte. "Bankster", schimpfte eine große Boulevardzeitung. Das Gerichtsverfahren läuft noch immer.

Funke flüchtete - zunächst nach Mallorca, wo er sich zwischenzeitlich als Immobilienmakler versuchte. Später zog er mit seiner Familie weiter. Wieder ins Ausland. Dort lebte er bis zuletzt. Er hinterlässt eine Ehefrau und zwei Kinder.



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.