Gerichtsurteil Häufige Klobesuche sind kein Grund für Gehaltskürzungen

Wer öfter mal das stille Örtchen aufsuchen muss, darf nicht mit Gehaltskürzungen bestraft werden. Das entschied das Kölner Arbeitsgericht. Der Chef einer Anwaltskanzlei hatte protokollieren lassen, wie viele Minuten ein Angestellter auf der Toilette verbrachte und ihm 680 Euro weniger gezahlt.

Mann auf der Toilette: "Eine Angestellte musste schriftlich Buch führen"
dpa/dpaweb

Mann auf der Toilette: "Eine Angestellte musste schriftlich Buch führen"


Köln - Häufige Toilettenbesuche rechtfertigen keine Gehaltskürzung. Das hat das Arbeitsgericht Köln entschieden. In dem am Freitag veröffentlichten Fall (Aktenzeichen 6 Ca 3846/09) hatte der Inhaber einer Anwaltskanzlei festgestellt, dass einer seiner Anwälte vom 8. bis zum 26. Mai 2009 insgesamt 384 Minuten auf der Toilette verbracht hatte. Hierfür zog er ihm rund 680 Euro vom Gehalt ab.

Der Chef hatte minutiös protokollieren lassen, wie lange der Rechtsanwalt auf der Toilette war. "Eine Angestellte musste schriftlich darüber Buch führen", erläutert Richter Kurt Wester vom Arbeitsgericht Köln. Der Arbeitgeber rechnete die gemessene Zeit auf die gesamte Beschäftigungszeit hoch und kam so auf insgesamt 90 Stunden, die der Angestellte in den vergangenen Monaten zusätzlich zu den üblichen Pausen- und Toilettenzeiten gebraucht hatte.

Der Mann klagte dagegen. Er habe im Mai unverschuldet so lange auf der Toilette gesessen, weil er an Verdauungsstörungen gelitten habe, argumentierte er. Das Gericht gab ihm Recht. "Gut, wenn einer nun die Hälfte der Arbeitszeit auf der Toilette verbringt, dann gibt es irgendwo eine Grenze", erläuterte ein Gerichtssprecher. "Aber bei akuten Verdauungsproblemen kann man das nicht einfach so hochrechnen." Wo die Grenze zur Arbeitsverweigerung liegt, lasse sich nicht klar festlegen. Mittlerweile ist der Mann aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden.

fro/dpa/ddp



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