Insolventes Öko-Unternehmen German Pellets darf sich nicht selbst sanieren

Eine externe Verwalterin soll den insolventen Holzpellet-Hersteller German Pellets aus der Krise führen. Die Pleite des Öko-Unternehmens weckt Erinnerungen an den Fall Prokon.

Werk von German Pellets: Keine Sanierung in Eigenregie
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Werk von German Pellets: Keine Sanierung in Eigenregie


Der Wismarer Brennstoff-Hersteller German Pellets darf sich vorerst nicht selbst sanieren. Der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung sei abgelehnt worden, bestätigte der neue Interimsgeschäftsführer Frank Günther dem "Handelsblatt".

Dem Bericht zufolge kommt es nun zunächst zu einem regulären Insolvenzverfahren. Vorläufige Verwalterin soll dem "Handelsblatt" zufolge Bettina Schmudde von der Kanzlei White&Case werden.

German Pellets hatte am Mittwoch einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt und angekündigt, die Geschäfte "in vollem Umfang" weiterzuführen. Der Pellet-Hersteller muss eine Anleihe mit einem Volumen von 52,4 Millionen Euro zum 1. April zurückzahlen.

Laut der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sind mehr als 200 Millionen Euro im Feuer. Der Wert der Anleihen ist in den vergangenen Wochen ins Bodenlose gesackt, zum Teil auf unter ein Prozent des Nennwerts.

Die Insolvenz ruft Erinnerungen an die Pleiten der Windkraft-Projektierer Prokon und Windreich wach: Wieder ein Öko-Unternehmen, das Verbrauchern die "eigene Energiewende" verspricht und Anlegern hochriskante Genussscheine verkauft.

"Mittelstandanleihe" klingt solider als die Papiere oft sind

Mittelstandsanleihen sind im Grunde Darlehen, die Anleger an Firmen geben. Teilweise werden die Papiere an der Börse gehandelt. 2010 rief die Börse Stuttgart das Segment BondM für solche Schuldscheine ins Leben. "Die Mischung aus guten Renditen und verfügbaren Ratings hat im Niedrigzinsumfeld zu einem Boom geführt", erklärt Martin Steinbach von der Unternehmensberatung Ernst & Young.

Doch der flaut merklich ab: Schlagzeilen über Insolvenzen wie im Falle der Windenergiefirma Prokon haben Anleger skeptisch gemacht. Die Börse Düsseldorf hat das Segment inzwischen wieder eingestellt. In Stuttgart sind noch elf Anleihen gelistet - zwei von German Pellets.

Der Begriff Mittelstandsanleihe habe viele Anleger in die Irre geführt, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Der Zins ist ein Risikopreis." Solide mittelständische Unternehmen haben in der Regel viel Eigenkapital und bekämen ausreichend Kredit von der Bank. Mittelstandsanleihe nutzten Unternehmen, die dringend Geld brauchten. Die German-Pellets-Anleihen werden in Stuttgart als "spekulativ" eingeordnet.

Rechtsanwalt Klaus Nieding, dessen Kanzlei auch Anleihezeichner von German Pellets vertritt, fordert deshalb nicht nur das Verbot sogenannter Kaskadenfinanzierung, mit deren Hilfe fällige Anleihen einfach durch neue Schuldscheine abgelöst werden. Auch die Plakate, die häufig mit grünem Gewissen und erneuerbaren Energien lockten und im Falle von Prokon in S- und U-Bahnen hingen, müssten verboten werden.

ade/dpa

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