Insolvente Fluggesellschaft Germania-Pleite versetzt Regionalflughäfen in Existenzangst

Die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania ist ein schwerer Schlag für die Belegschaft - und für kleinere Airports in Deutschland. Ihnen geht ein großer Teil des Geschäfts verloren. Muss der Steuerzahler sie retten?

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Am Morgen danach sitzt Harald Grabowski (Name von der Redaktion geändert) in der Arbeitsagentur. Der Flugbegleiter hat wenig geschlafen; die Nacht lang hat er über das Internet mitverfolgt, wie sein Arbeitgeber Germania pleiteging: Erst strich die Airline kurzfristig eine Maschine von Berlin nach Tel Aviv. Wenig später wurde ein Flug nach Antalya abgesagt. Und schließlich sah Grabowski die Bestätigung für seine Befürchtung.

"Die Germania Fluggesellschaft mbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH haben am Montag, den 4. Februar 2019, beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt", gab das Unternehmen um 1.45 Uhr bekannt . "Der Flugbetrieb wird (...…) eingestellt."

Germania ist zahlungsunfähig: die Airline mit dem grün-weißen Logo, die ihr Hauptquartier im Berliner Stadtteil Charlottenburg hat. Gleich um die Ecke vom Saatwinkler Damm - wo einst Air Berlin residierte. Diese Pleite ist nicht so groß wie die des früheren Nachbarn. Germania beförderte mit rund vier Millionen Fluggästen pro Jahr zuletzt etwa ein Siebtel so viele Menschen wie Air Berlin.

Trotzdem ist sie folgenschwer: für die rund 1100 Mitarbeiter. Und für eine Reihe kleiner Flughäfen in Deutschland, die ohne die Germania-Flüge um ihr Überleben kämpfen müssen.

Belegschaft fühlt sich hintergangen

"Die Belegschaft fühlt sich hintergangen", sagt Grabowski. "Die Geschäftsführung hat uns nie richtig informiert." Schon zu Jahresanfang hatte die seit Langem defizitäre Germania Geldnöte eingeräumt. Wenig später behauptete Geschäftsführer Karsten Balke, er habe Zusagen von Investoren über mehr als 15 Millionen Euro bekommen: "Die mittel- und langfristige Perspektive der Germania als unabhängige mittelständische Fluggesellschaft ist damit gesichert." Dass dies nicht stimmt, schwante Grabowski am vergangenen Donnerstag. Sein Gehalt ging nicht ein: "Da dachte ich gleich an Air Berlin."

Wenn es nicht doch irgendwie weitergeht, müssen sich an die 700 Besatzungsmitglieder nun wohl einen neuen Arbeitgeber suchen. "Es ist zu befürchten, dass es für viele Germania-Kollegen nicht sofort eine Anschlussbeschäftigung geben wird", sagt Nicoley Baublies, Chef der Kabinengewerkschaft UFO zum SPIEGEL. Und diejenigen, die fündig werden, werden umziehen müssen. Denn viele Crewmitglieder sind an regionalen Flughäfen stationiert. Schließlich hat der Nischenanbieter Germania massiv auf Strecken zwischen kleineren deutschen Airports und Ferienzielen in Süd- und Osteuropa gesetzt.

Auch diese Flughäfen sind durch die Germania-Pleite schwer mitgenommen. Ihnen bricht nun ein beachtlicher Teil ihres Angebots schlagartig weg. Klicken Sie auf die Bilder.

Der Luftfahrtexperte Gerald Wissel erwartet "große Turbulenzen" für einige der betroffenen Flughäfen. Mangels Alternativen hätten sich manche kleinere Airports abhängig gemacht von Germania. "Jetzt kann es passieren, dass der Steuerzahler hier und da einspringen muss", sagt der Chef des Hamburger Beratungshauses Airborne Consulting dem SPIEGEL. "Dann wird wieder eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Regionalflughäfen aufkommen."

Laut einer Statistik des Flughafenverbands ADV benutzten im vergangenen Dezember mehr als 90 Prozent aller Passagiere in Deutschland einen der acht größten Airports. Insgesamt gibt es hierzulande aber 39 Verkehrsflughäfen: von Heringsdorf bis Friedrichshafen. Viele rechnen sich kaum; die Fixkosten etwa für den Unterhalt oder die Sicherheit sind hoch. Ab und an machen sie Schlagzeilen, wenn dubiose Investoren mit viel Getöse einsteigen - und später dann oft wieder aussteigen. Auch Billigflieger wie Ryanair steuern seit einiger Zeit verstärkt größere Airports an.

"Landratspisten" werden die Flughäfen jenseits der Ballungszentren höhnisch genannt, weil sie oft auf Subventionen der öffentlichen Hand angewiesen sind. Aber die lokale Wirtschaft und viele Wähler verlangen eine nahe Anbindung an die weite Welt. Und die örtlichen Politiker lassen dann lieber Steuergeld springen, als die Flughäfen dichtzumachen.

Dies wird künftig schwieriger: Die EU schreibt vor, dass solche Airports von 2024 an nur noch in wenigen Ausnahmefällen staatliche Zuschüsse zum Betrieb erhalten dürfen.

insgesamt 95 Beiträge
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sabaka56 05.02.2019
1. Na selbstverständlich
Der Steuerzahler hat den Bau und den Unterhalt der Flughäfen bezahlt. Da er sich nicht über die unötigen Statusprojekte von Provinzpolitikern, z.B. bei Wahlen, beschwert, darf er sie selbstvertsändlich auch retten.
prefec2 05.02.2019
2. Hier muss nichts gerettet werden
"Muss der Steuerzahler [die Regionalflughäfen] retten?" Nein muss er nicht. Die meisten sind so oder so defizitär. Sie sind auch volkswirtschaftlich nicht sinnvoll. Das Beste wäre sie stillzulegen. Warum gute Geld schlechtem hinterher werfen?
matti99 05.02.2019
3. Landratsposten....
diese vielen kleinen (und kleinsten) regionalen Plätze, ohne vernünftige Anbindung an einen öffentlichen Personenverkehr in der Passagierzulieferung, verschleudern doch nur unser aller Steuergelder, sind Prestigeobjekte der Landräte (und deren Landkreisräten)(Beispiel: Kassel-Calden, Coburg), eigentlich nicht schade, dort sollte man sofort die Stillegung vorbereiten.
hasselblad 05.02.2019
4.
Die Regionalflughäfen sind ein Witz. Zweitverwertete Ex-Luftwaffenstützpunkte im Niemandsland, mit denen niederrangige Provinzfürsten künstlich Wichtigkeit demonstrieren, die aber keinerlei infrastrukturellen Mehrwert bieten außer als günstige Knotenpunkte für Billigflieger zu fungieren, die ihrerseits aber in vielerlei Hinsicht ebenfalls keinen objektiven Mehrwert liefern. Insofern kein Mitleid, je weniger sinnloser Luftverkehr a la "Karlsruhe - Kreta", desto besser. Gilt für die pleitegehenden Billigflieger ebenso wie für die Provinzflughäfen.
waldschrat_72 05.02.2019
5. Muss der Steuerzahler sie -die Regionalflughäfen- retten ?
Nein. Muss er nicht ! In gar keinem Falle. Eine bessere Gelegenheit, diesem wuchernden Spuk von Klein- und Kleinst-Airports auf der grünen Wiese endlich ein Garaus zu machen, kommt nicht so schnell wieder. In diesem Land der A.Merkel wird doch Neoliberalismus, -das freie Wirken der freien Marktkräfte-, so groß geschrieben. Also, bitte. Lasst sie eingehen, die da nicht mehr weiterleben können, schon wenn nur eine Fluggesellschaft wie Germania insolvent geht. Steuergelder zur "Rettung" der Regionalflughäfen? Gott bewahre.
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