Lufthansa-Tochter Germanwings-Piloten wollen am Freitag streiken

Kunden von Germanwings müssen sich auf Behinderungen einstellen. Die Piloten der Lufthansa-Tochter wollen am Freitag streiken, falls die Tarifverhandlungen an diesem Donnerstag scheitern.

Germanwings-Maschine: Noch fliegen sie
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Germanwings-Maschine: Noch fliegen sie


Frankfurt am Main - Die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings wollen am Freitag streiken - falls es nicht doch noch eine Einigung im Tarifkonflikt gibt. Betroffen seien am Freitag von 6 bis 12 Uhr alle Germanwings-Flüge, die an deutschen Flughäfen starten, teilte die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit.

"Für die kurzfristig am heutigen Tage anberaumten Verhandlungen erwartet die VC daher die Korrektur der vom Management bislang erhobenen tiefgreifenden Forderungen", teilte die Gewerkschaft am Morgen weiter mit. "Sollte eine Einigung erfolgen, wird es selbstverständlich auch nicht zum Streik kommen." Man bedauere mögliche Unannehmlichkeiten für die Kunden der Germanwings.

Im Tarifstreit mit den Piloten hatten sich beide Seiten zuletzt darauf verständigt, an diesem Donnerstag wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Über Ort und Uhrzeit war Stillschweigen vereinbart worden.

Lufthansa bedauert Ankündigung

Die Lufthansa reagierte zurückhaltend auf die Streikdrohung. "Welche Auswirkungen das für die heute angesetzten Gespräche hat, müssen wir prüfen", sagte eine Sprecherin des Konzerns und fügte hinzu: "Wir bedauern die Streikankündigung sehr, insbesondere die dadurch entstehenden Unannehmlichkeiten für die Kunden der Germanwings."

Der Tarifstreit bei Europas größter Airline dreht sich momentan um die Übergangsrente für die 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. So konnten Lufthansa-Piloten bis Ende 2013 bereits ab dem Alter von 55 Jahren in Rente gehen. Als Überbrückung bis zur staatlichen Rente zahlte das Unternehmen dann aus einer eigenen Übergangsrentenkasse bis zu 60 Prozent der Bezüge. Im Gegenzug mussten die Piloten spätestens mit 60 Jahren aufhören.

Bisher zahlte die Airline jährlich acht Prozent eines Pilotengehalts in die Übergangsrentenkasse. Im Streit mit Cockpit fordert Lufthansa, die Altersgrenze für die Frührente zu erhöhen und die Piloten an der Finanzierung zu beteiligen.

Die Gewerkschaft lehnt das ab. Sie verweist auf gesundheitliche Schäden durch lange Arbeitszeiten und Nachtflüge. Und sie befürchtet, dass das Unternehmen die gebildeten Rückstellungen von 1,2 Milliarden Euro auflösen will. Das wiederum weist Lufthansa zurück. Daneben verhandeln Cockpit und Lufthansa noch über höhere Gehälter und Betriebsrenten.

Zuletzt hatten die Piloten im April ihre Macht demonstriert und die Arbeit für drei Tage niedergelegt - insgesamt 425.000 Lufthansa-Passagiere waren betroffen. Wegen des größten Streiks in ihrer Geschichte strich die Airline damals 3800 Flüge. Die Gewinneinbußen für den Frankfurter Konzern beliefen sich auf 60 Millionen Euro.

yes/Reuters/dpa



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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
jamirogwei 28.08.2014
1. Jammern auf hohem Niveau
Keine Berufsgruppe wie die der Piloten erhält so hohe Einkommen ausser vielleicht Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglieder von Firmen. Für Lokführer habe ich Verständnis aber nicht für die absolut überzogenen Forderung der fliegenden Gilde.
ich-sach-ma 28.08.2014
2. Gierige Piloten
Streik bei Germanwings am Wochenende vor dem Ende der Schulferien. Wie weltfremd sind diese Piloten eigentlich, ihren unverschämten Arbeitskampf auf dem Rücken von Familien auszutragen, die aus dem Urlaub kommen und zurück nach Hause müssen?
Pult 28.08.2014
3.
Schön blöd, wenn man nicht merkt, dass man damit die Hand beisst, die einen füttert. Ich habe nächsten Mittwoch einen Flug mit Germanwings (ich wusste irgendwie schon, dass das ein Fehler war). Fällt der aus, dann Gnade euch Ikarus.
prash 28.08.2014
4.
es ist schön zu sehen, dass sich die Piloten nicht hinhalten lassen und ihren Forderungen mit angemessenen Mitteln Nachdruck verleihen. sie lassen sich nicht unterkriegen und ohne Grund von einem Gewinn erzielenden Unternehmen zu Sozialabbau hinreißen. daran sollten sich viele andere ein Beispiel nehmen, anstatt neidisch auf die Gehälter zu schauen, die von der Presse verbreitet werden. in Deutschland haben sich die Arbeitnehmer schon viel zu viel gefallen lassen. ich drücke die Daumen für erfolgreiche Verhandlungen und ansonsten für einen wirkungsvollen Streik, der hoffentlich nicht zu viele Passagiere trifft.
DMenakker 28.08.2014
5.
Die Lufthansa sollte es doch so langsam begriffen haben. So lange keine zwingende Notwendigkeit besteht, sollte sie nicht versuchen, gerade bei den Piloten Verschlechterungen durchzusetzen. Das geht, wenn überhaupt, nur für Neueinstellungen und ist nur in wesentlich schlechteren Zeiten durchsetzbar.
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