Geschäfte mit Agrarrohstoffen: "Ackermann bricht sein Versprechen"

Von

Keine Zockerei mehr mit Lebensmitteln? Die Deutsche Bank hatte Erwartungen geweckt, sie könne kurzfristig aus dem umstrittenen Geschäft mit Agrarrohstoffen aussteigen. Jetzt will sie davon nichts mehr wissen. Foodwatch-Chef Bode wirft Chefbanker Ackermann Foulspiel vor.

Ackermann (in Davos): "Möchten bitten, von weiteren Schreiben abzusehen" Zur Großansicht
DPA

Ackermann (in Davos): "Möchten bitten, von weiteren Schreiben abzusehen"

Die entscheidende Wende nahm die Sache in London. Kurz vor Weihnachten traf sich Thilo Bode mit sechs Managern der Deutschen Bank in der britischen Finanzmetropole. "Die Atmosphäre war sehr unangenehm", erzählt der Chef von Foodwatch, seine Gastgeber ließen ihn und seine Kritik an den Rohstoffspekulationen der Bank einfach auflaufen. "Die wollten meine Argumente gar nicht hören."

Es ging um den Bericht "Die Hungermacher", in dem Foodwatch die Rolle der Banken bei der Spekulation mit Nahrungsmitteln kritisiert. Auf 70 Seiten liefert der Autor Harald Schumann mehrere Belege dafür, dass die Wetten an den globalen Rohstoffbörsen mitverantwortlich für Hungersnöte sind. Doch über diese Hinweise wollten die Manager in London gar nicht sprechen, sagt Bode. Der Wortführer, ein leitender Rohstoffhändler der Bank, bezeichnete die Foodwatch-Einwände gar als komplett töricht - obwohl er den Report der Organisation gar nicht gelesen hatte, beschwert sich Bode. "Für mich war klar, dass Josef Ackermann sein Versprechen nicht halten wird."

Noch vor drei Monaten hatte sich das ganz anders angehört. Kein Geschäft sei es wert, "den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen", schrieb Ackermann in einem Brief am 19. Oktober - und sagte Bode zu, dass die Bank den Foodwatch-Bericht gründlich prüfen und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen werde.

Und so vielversprechend ging es zunächst weiter: Wie SPIEGEL ONLINE berichtete, sollte eine internationale Arbeitsgruppe die Foodwatch-Vorwürfe prüfen und direkt dem Vorstand berichten. Bis Ende Januar wollte die Bank dann mitteilen, ob sie Konsequenzen zieht oder nicht. Konkret fordert Foodwatch, dass die Deutsche Bank sich von Indexfonds trennt, die die Preise von Rohstoffen nachbilden. Auch gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte die Bank damals, dass man sich im Januar äußern werde.

Doch nun will Ackermann von diesem Zeitplan nichts mehr wissen. In einer E-Mail an Bode, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, schreibt die Verantwortliche für den Bereich Nachhaltigkeit, Sabine Miltner: "Wir wollen diese Aktivitäten als Reaktion auf Ihre Studie gründlich unter die Lupe nehmen und eine solide Entscheidungs- und Argumentationsgrundlage erarbeiten." Das brauche seine Zeit. "Wir haben uns daher entschieden, einen breiteren Ansatz als zunächst geplant zu verfolgen und in den kommenden Monaten eine umfassende Studie zum Thema Handel mit Agrarrohstoffen und Hunger zu erarbeiten." Die Ergebnisse sollen dann "mit internationalen Experten, Wissenschaftlern und NGOs" diskutiert werden.

"Damit bricht Ackermann sein Versprechen", kritisiert Bode. "Ich war ja positiv überrascht, dass er so schnell auf unseren Report reagiert hat. Doch dass er jetzt so auf Zeit spielt, ist enttäuschend." Der Foodwatch-Chef klagt, es habe sich "als Illusion erwiesen zu glauben, dass ein Konzernchef eine ethische Entscheidung treffen könnte".

"Wir stehen erst am Anfang"

Auf Nachfrage weist ein Deutsche-Bank-Sprecher diese Vorwürfe zurück: "Von einem Spiel auf Zeit kann überhaupt keine Rede sein." Dass die Bank sich mehr Zeit nehme, zeige, wie ernst ihr die Sache sei. Man prüfe die Vorwürfe aus dem Rohstoffreport gründlich, um "eine solide Grundlage für eine nachhaltige Entscheidung zu erarbeiten". Angesichts der höchst konträren Positionen "in Theorie, Forschung und Praxis" brauche dies Zeit. Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit und sei "im Interesse der Sache".

Aus der umfangreichen E-Mail-Korrespondenz mit Bode lässt sich jedoch durchaus ein Stimmungswandel bei der Deutschen Bank herauslesen. Nach dem Treffen in London beschwerte der Foodwatch-Chef sich bei Ackermann darüber, von den Bankmitarbeitern überhaupt nicht ernst genommen worden zu sein.

Der Konzernchef antwortete, er habe Bodes Schreiben "mit Bedauern zur Kenntnis genommen", bitte jedoch darum, "das von Ihnen als enttäuschend empfundene Gespräch mit dem Team von Frau Miltner nicht überzubewerten. Wir stehen erst am Anfang der von mir zugesagten Überprüfung unseres Geschäfts mit Agrarrohstoffen." Am Ende der E-Mail bittet der Bankchef Bode um Geduld und schließt "mit besten Grüßen und Wünschen zu den bevorstehenden Weihnachtstagen und zum Jahreswechsel".

Als Bode sich dann aber am 18. Januar darüber beschwert, dass die Deutsche Bank die Prüfung des Rohstoffhandels auf die lange Bank schieben, ändert sich Ackermanns Tonfall schlagartig. Im Auftrag antwortet Miltner, die Verantwortliche für Nachhaltigkeit, am 24. Januar: "Herr Ackermann hat Ihnen bereits zweimal mitgeteilt, dass wir das Thema sehr ernst nehmen und deshalb auch gründlich untersuchen." Die Bank treffe ihre Entscheidungen "grundsätzlich auf der Basis einer belastbaren und nachhaltigen Grundlage" und lasse sich nicht unter Druck setzen.

In ihrer knapp gehaltenen E-Mail schreibt Miltner dann noch, sie bitte Bode "im Auftrag von Herrn Dr. Ackermann, von weiteren Schreiben abzusehen".

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 87 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
sosatt! 31.01.2012
Zitat von sysopKeine Zockerei mehr mit Lebensmitteln? Die Deutsche Bank hatte Erwartungen geweckt,*sie könne kurzfristig aus dem umstrittenen Geschäft mit Agarrohstoffen aussteigen. Jetzt will sie davon nichts mehr wissen. Foodwatch-Chef Bode wirft Chefbanker Ackermann Foulspiel vor. Geschäfte mit Agarrohstoffen: "Ackermann bricht sein Versprechen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812214,00.html)
Im prinzip sind fast alle Finanzmenschen die groessten Verbrecher und gehoeren alle hinter Gitter. Aber das ist ja nichts neues. Nur keiner tut es!!!
2. als ob
ronald1952 31.01.2012
Zitat von sysopKeine Zockerei mehr mit Lebensmitteln? Die Deutsche Bank hatte Erwartungen geweckt,*sie könne kurzfristig aus dem umstrittenen Geschäft mit Agarrohstoffen aussteigen. Jetzt will sie davon nichts mehr wissen. Foodwatch-Chef Bode wirft Chefbanker Ackermann Foulspiel vor. Geschäfte mit Agarrohstoffen: "Ackermann bricht sein Versprechen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812214,00.html)
ein Bänker schon jemals die Wahrheit gesagt hätte.Außerdem, wen intressiert das wirklich, wenn wegen der Lebmittelzocke hier in der westlichen Welt in den anderen teilen dafür die Menschen hunger müssen weil sie die Lebensmittelpreise nicht mehr bezahlen können. Ich glaube es intressiert niemanden wirklich, denn unsere Supermärkte sind doch gut gefüllt.Und, würde es hierzulande wirklich jemanden intressieren, dann würde hier kein einziger Biosprit oder E10 tanken. Aber wie schon immmer,so weit geht denn unsere Nächstenlieb nur doch nicht. schönen Tag noch
3. Zeit gewinnen!!!
papayu 31.01.2012
Klar doch, Herr Ackermann braucht viel, sehr viel Zeit. Zumindest so lange, bis es sich LOHNT, diese Papiere abzustossen!! Etwas laenger, sogar ueber seine Amtszeit wird es dauern, bis er die Schrottimmoblien in den USA und anderswo los wird. Ich wuerde diesem auslaendischen Unternehmen keinen mueden Euro mehr geben. PS. Ein Rettungsschirm fliegt immer nach Unten und noch schneller wenn die Speichen brechen.Und schon ein kleiner Sturm knickt ihn um. Eine Rettungsweste hilft da eher.
4. Kapitalismus halt, ....
siegfreak 31.01.2012
Zitat von sysopKeine Zockerei mehr mit Lebensmitteln? Die Deutsche Bank hatte Erwartungen geweckt,*sie könne kurzfristig aus dem umstrittenen Geschäft mit Agarrohstoffen aussteigen. Jetzt will sie davon nichts mehr wissen. Foodwatch-Chef Bode wirft Chefbanker Ackermann Foulspiel vor. Geschäfte mit Agarrohstoffen: "Ackermann bricht sein Versprechen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812214,00.html)
ich persönlich finde diese Finanzanbeterei furchtbar und beängstigend zugleich. Wärend ich mir überlegte, zur Veranschaulichung einen sarkastischen Vergleich zu schreiben, wurde mir bewusst, dass diese Bankhaie vor nichts halt machen würden was in ihren Augen weltlichen Profit bringt. Auch nicht vor unseren Kindern .........
5. Nichts anderes erwartet!
wortmannin 31.01.2012
Zitat von sysopKeine Zockerei mehr mit Lebensmitteln? Die Deutsche Bank hatte Erwartungen geweckt,*sie könne kurzfristig aus dem umstrittenen Geschäft mit Agarrohstoffen aussteigen. Jetzt will sie davon nichts mehr wissen. Foodwatch-Chef Bode wirft Chefbanker Ackermann Foulspiel vor. Geschäfte mit Agarrohstoffen: "Ackermann bricht sein Versprechen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812214,00.html)
Die Deutsche Bank ist überall mit von der Partie, wo es Geld zu verdienen gibt - unbelastet von irgendwelchen moralischen Bedenken. Dabei steht sie nicht allein und z.B. in der Tradition von Firmen wie IBM, die während des Krieges noch Büromaschinen an die Nazis lieferte. Was die Nazis damit machten ist hinlänglich bekannt (siehe z.B. das Buch IBM and the Holocaust). Dieser Vergleich erscheint vielleicht überzogen, man halte sich aber vor Augen wieviele Kinder jedes Jahr auf der Welt verhungern. Während meiner Lehre bei der Deutschen Bank gab der Leiter der Vermögensanlage unserer Filiale zum Besten, dass er als Schüler gegen Geldanlage in Rüstungsunternehmen war, er diese aber heute seinen Kunden empfehle, da man damit richtig viel Geld verdienen könne. Es hat sich offenbar seither nicht viel geändert in den Köpfen der Verantwortungsträger der Deutschen Bank. Ich habe nach dem Abschluß meiner Banklehre mit Auszeichnung dieses Unternehmen umgehend verlassen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Deutsche Bank
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 87 Kommentare
Fotostrecke
Foodwatch-Report: Wie die Spekulanten die Preise treiben