Geschäftszahlen 2010 Facebook entpuppt sich als Profit-Wunder

Bloß keine Zahlen an die Öffentlichkeit - so das Facebook-Motto. Zumindest bislang. Weil Kunden von Goldman Sachs bei der Internetfirma einsteigen, dringen nun doch Details nach außen: Das soziale Netzwerk erzielte demnach in den ersten neun Monaten 2010 eine Rendite von sagenhaften 30 Prozent.

REUTERS

New York - Es sind nur ein paar Einblicke in bislang geheime Geschäftszahlen, die Facebook reichen Interessenten an einer Anteilsbeteiligung gewährt. Aber die haben es durchaus in sich: Das mit rund 50 Milliarden Dollar bewertete Jungunternehmen verdiente in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 355 Millionen Dollar.

Dies geht aus Unterlagen hervor, die die US-Großbank Goldman Sachs am Donnerstag an ihre Kunden verteilte. Gleichzeitig habe die Webseite einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar verbucht, sagte eine mit den Unterlagen vertraute Person. Stimmen die Zahlen, erwirtschaftete Facebook eine Rendite von rund 30 Prozent.

Demnach scheint die Rendite im vergangenen Jahr nochmals gegenüber 2009 zugelegt zu haben. Bislang bekannt gewordene, aber nicht bestätigte Zahlen hatten für 2009 einen Umsatz von 777 Millionen Dollar und einen Gewinn von 200 Millionen Dollar aufgezeigt. Damit lag die Rendite 2009 bei knapp 26 Prozent.

Wachsender Druck auf Facebook

Facebook ist eine der am schnellsten wachsenden Internetfirmen überhaupt, mit mittlerweile mehr als 550 Millionen Mitgliedern. Das macht das Online-Netzwerk für die Werbeindustrie interessant. Der Gesamtwert des noch jungen Unternehmens wird inzwischen auf rund 50 Milliarden Dollar taxiert. Damit ist es mehr wert als das Auktionshaus Ebay oder das Tech-Urgestein Yahoo.

Aus den Unterlagen von Goldman Sachs geht nach Medienberichten ebenfalls hervor, dass das weltweit größte Online-Netzwerk Kurs Richtung Börse nimmt. Entweder werde Facebook im kommenden Jahr seine bislang geheimen Finanzen offenlegen. Oder das rasant wachsende Unternehmen werde direkt an die Börse gehen und sich damit für jeden Anleger öffnen.

Durch die neuen Investoren steigt der Druck auf Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die bisherige Geheimniskrämerei um die Finanzlage aufzugeben. Laut US-Gesetz müssen auch nicht börsennotierte Firmen ihre Daten veröffentlichen, wenn sie mehr als 500 Investoren haben. Facebook dürfte diese Marke durch den Goldman-Fonds durchbrechen.

Privatanleger sollen jeweils zwei Millionen Dollar investieren

Goldman Sachs verteilte die geheimen Unterlagen im Umfang von gut hundert Seiten in New York per Hand an seine interessierten Kunden, die eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreiben mussten. Offenbar sind die Geschäftszahlen nicht geprüft und bieten wenig Details darüber, wie Facebook seinen Umsatz erwirtschaftet.

Die Kunden der Investmentbank müssen bis Freitag entscheiden, ob sie in Facebook investieren wollen und bis Dienstag das Geld überweisen. Goldman Sachs selbst investiert 450 Millionen Dollar in Facebook und sammelt mindestens 1,5 Milliarden Dollar von Kunden ein, die mitziehen wollen.

Die Anteile finden reißenden Absatz: Das Haus habe Anfragen für Beteiligungen im Gesamtvolumen von "einigen Milliarden Dollar" erhalten, berichtete das "Wall Street Journal". Die Anleger sollen jeweils mindestens zwei Millionen Dollar investieren und sich verpflichten, nicht vor 2013 zu verkaufen.

Trotz Datenschutzbedenken, Ermittlungen der US-Börsenaufsicht wegen des Handels mit Firmenanteilen und zahlreicher Berichte über Verletzungen der Privatsphäre laufen Facebook neue Nutzer in Scharen zu. Das Netzwerk hat weltweit mehr als 500 Millionen Nutzer.

böl/Reuters/dpa-AFX

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Seite 1
stupp 07.01.2011
1. Unfassbar!
Um Teilhaber an einem sozialen Netzwerk zu werden, sollen potentielle Kunden 2 Mio. investieren und dürfen nicht vor 2013 verkaufen - und die Interessenten stehen Schlange...! Das Know-how hinter Facebook ist nichts geniales, sondern eben nur eins unter vielen (und nicht einmal das originellste). Das Unternehmen hat wirklich nichts anderes anzubieten, als eine Web-Präsenz für eine Datenbank und die Möglichkeit, Nachrichten zu versenden - wie öde! Facebook ist ein Produkt des Zeitgeistes und kann ganz schnell durch ein "noch cooleres" Produkt überflüssig werden und sämtliche Werbeeinnahmen verlieren. Unfassbar! In so ein Unternehmen hätte ich nichts investiert - und das ist mein Fehler.
modulaire 07.01.2011
2. Facebook-Bashing
Zitat von stuppUm Teilhaber an einem sozialen Netzwerk zu werden, sollen potentielle Kunden 2 Mio. investieren und dürfen nicht vor 2013 verkaufen - und die Interessenten stehen Schlange...! Das Know-how hinter Facebook ist nichts geniales, sondern eben nur eins unter vielen (und nicht einmal das originellste). Das Unternehmen hat wirklich nichts anderes anzubieten, als eine Web-Präsenz für eine Datenbank und die Möglichkeit, Nachrichten zu versenden - wie öde! Facebook ist ein Produkt des Zeitgeistes und kann ganz schnell durch ein "noch cooleres" Produkt überflüssig werden und sämtliche Werbeeinnahmen verlieren. Unfassbar! In so ein Unternehmen hätte ich nichts investiert - und das ist mein Fehler.
Und Google ist einfach nur eine Suchmschine, die ganz schnell durch ein besseres Konkurrenzprodukt überflüssig werden wird, oder? Die armen Investoren, die damals beim Börsengang Google-Aktien gekauft haben....... Natürlich weiß niemand, ob Facebook in 5 Jahren nicht Marktanteile an eine anderen Firma verliert. Jedes Investment in ein Unternehmen hat ein gewisses Risiko. Das ganze Facebook-Bashing (Kritik) geht mir aber wahnsinnig auf die Nerven.
solonas 07.01.2011
3. In der Tat: unfassbar
Da steht dann: Offenbar sind die Geschäftszahlen nicht geprüft und bieten wenig Details darüber, wie Facebook seinen Umsatz erwirtschaftet. Die Kunden der Investmentbank müssen bis Freitag entscheiden, ob sie in Facebook investieren wollen und bis Dienstag das Geld überweisen. Leute, ich brauch Geld, um mein Haus zu renovieren und dann gut vermieten zu können. Das sind echte Sachwerte!. Und was macht die Bank: Nachweise ohne Ende, bis hin zur Schätzung des Wertes meiner Unterhosen. Dafür brauchen die dann drei Monate. Bin ich verrückt oder die Welt?
nicolays 07.01.2011
4. 30% Rendite sind enorm .. aber wahrscheinlich nicht nachhaltig.
Ich kenne einige Unternehmen die ähnliche Zahlen haben. Schau man sich nur Deutschlands größtes Hotelportal an. Aber wie überall ist dem Wachstum irgendwann mal ein Ende gesetzt und bei Facebook könnte dies schneller kommen als gedacht. Wenn Facebook innovativ bleibt, schaffen Sie es vielleicht - im Moment nutzt sich Facebook schon ab -allem Geld zum trotz.
ThoRusch, 07.01.2011
5. Kunstwerk
In dem Sinne ist Facebook eher etwas, wie ein Kunstwerk. Der Nutzen ist nicht wirklich der Hauptbestandteil der Wertschöpfung, sondern eher das Gefühl, das ich habe, wenn ich die "Leistung" genieße. Die einen hören Musik, genießen ein Fußballspiel, gucken Ihre Lieblingsserie im TV, die anderen senden "gefällt mir" an Ihre Buddies. Einzig das Gefühl, welches erzeugt wird macht den Wert aus. Ein neues Tool bietet irgendwann ein anderes, besseres Gefül. Dann ist Facebook so out wie die Neue Deutsche Welle und Bonanza. Und die Einlagen sind es auch...
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