Gescheiterte VW-Übernahme: Staatsanwalt klagt Ex-Porsche-Vorstand Härter an

Die gescheiterte Übernahme des Autokonzerns Volkswagen durch Porsche hat ein Nachspiel vor Gericht: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Ex-Finanzvorstand Holger Härter und zwei weitere frühere Finanzmanager des Sportwagenbauers angeklagt. Der Vorwurf lautet auf Kreditbetrug.

Ex-Porsche-Finanzvorstand Holger Härter: Anklage der Staatsanwaltschaft Zur Großansicht
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Ex-Porsche-Finanzvorstand Holger Härter: Anklage der Staatsanwaltschaft

Stuttgart - Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat gegen drei Verantwortliche des Autoherstellers Porsche Anklage wegen Verdachts des Kreditbetrugs erhoben. Zu den Beschuldigten gehört auch der frühere Finanzvorstand Holger Härter. In dem Verfahren geht es um Finanzgeschäfte, die der Konzern bei der versuchten Übernahme von VW im Jahr 2008 eingegangen war. Laut der Nachrichtenagentur dpa arbeiten auch die beiden neben Härter angeklagten Manager inzwischen nicht mehr bei Porsche Chart zeigen.

Konkret wird den Managern vorgeworfen, bei der Anschlussfinanzierung eines im März 2009 fälligen Kredits über zehn Milliarden Euro falsche Angaben gegenüber der Bank gemacht zu haben.

Dabei ging es vor allem um die Kaufoptionen auf VW-Stammaktien, die sich Porsche mehr oder weniger heimlich gesichert hatte. Die Manager sollen den Geldbedarf, der beim Einlösen dieser Optionen fällig geworden wäre, um rund 1,4 Milliarden Euro zu niedrig angegeben haben. Außerdem sollen sie in der schriftlichen Erklärung verschwiegen haben, dass Porsche rund 45 Millionen Verkaufsoptionen veräußert hatte.

Härter weist Vorwürfe zurück

Über seine Anwältin Anne Wehnert teilte Härter mit, er trete den Vorwürfen der Anklage mit Nachdruck entgegen. "Alle von dem Kreditgeber erbetenen und für diesen erheblichen Auskünfte sind vollständig erteilt worden", hieß es in der Mitteilung. Er sehe dem weiteren Verfahren mit großer Gelassenheit entgegen.

Ein Porsche-Sprecher sagte, dass stets die Unschuldsvermutung gelte, bis ein Verfahren das Gegenteil bewiesen habe. Außerdem betonte der Sprecher, dass das Unternehmen bis heute weiter mit dem entsprechenden Kreditinstitut zusammenarbeite. "Die Geschäftsbindung zur Bank besteht unverändert fort", sagte er

Unter Federführung des damaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking und seines Finanzchefs Härter hatte der Stuttgarter Sportwagenbauer im Jahr 2008 versucht, den deutlich größeren VW-Konzern zu übernehmen. Dazu hatte Porsche riskante Finanzkonstrukte wie die Kaufoptionen eingesetzt. Der Plan scheiterte. Porsche häufte elf Milliarden Euro Schulden an und wird nun in den VW-Konzern integriert.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt im Zusammenhang mit der geplatzten Übernahme auch gegen weitere ehemalige Porsche-Vorstände, denen Marktmanipulation sowie Untreue vorgeworfen wird. Diese Ermittlungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen. Sie stellten sich als äußerst aufwendig dar und könnten nicht vor Mitte des Jahres beendet werden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

stk/mmq/dpa/dapd/AFP

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