Kriselnder Autobauer: Bündnis von Opel und Peugeot steht auf der Kippe

Opel muss in seinem Überlebenskampf einen Rückschlag verkraften. Die Gespräche über eine Kooperation mit dem Konkurrenten Peugeot wurden der Nachrichtenagentur Reuters zufolge ausgesetzt. Knackpunkt sind offenbar Staatshilfen in Frankreich.

Opel-Werk in Bochum: Traditionsunternehmen kämpft ums Überleben Zur Großansicht
Corbis

Opel-Werk in Bochum: Traditionsunternehmen kämpft ums Überleben

Paris - Bei Opel droht sich eine wichtige Option für eine Sanierung des Unternehmens zu zerschlagen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters wurden die Gespräche über eine engere Zusammenarbeit mit dem französischen Autobauer Peugeot auf Eis gelegt. Opels amerikanischer Mutterkonzern General Motors (GM) habe die Verhandlungen mit Peugeot PSA Citroen ausgesetzt, hieß es unter Berufung auf Insider. Die beiden Unternehmen wollten sich nicht äußern.

Grund für die ausgesetzten Verhandlungen sind dem Bericht zufolge neben der verschlechterten Finanzsituation von Peugeot vor allem die jüngst gewährten Garantien des französischen Staates für die Finanzierungssparte Banque PSA. Durch die von der Regierung in Paris zur Verfügung gestellten sieben Milliarden Euro Staatsgarantien sei die geplante engere Zusammenarbeit von Opel mit Peugeot durchkreuzt worden, sagte einer der Insider.

Staatshilfe in Frankreich blockiert die Pläne

Aufgrund der Garantien könnn die beiden Unternehmen nun nicht mehr ungezwungen über Kapazitätsanpassungen verhandeln. Denn der französische Staat hat sich im Gegenzug für die Hilfen Mitspracherechte im Peugeot-Aufsichtsrat gesichert und fordert, die Pläne für einen Stellenabbau zu überdenken. Die Bedingungen der französischen Regierung verhinderten die Streichung von Arbeitsplätzen in Frankreich, daher sei ein schneller Abschluss der Verhandlungen nicht möglich, sagte einer der Insider. "Es wäre politisch nicht möglich, nur in Deutschland bei Opel Stellen zu streichen".

Die Gespräche über eine Kooperation seien deshalb bereits in einer frühen Phase gestoppt worden. "Beide Unternehmen gehen davon aus, dass eine engere Zusammenarbeit erst nach einer Erholung der Marktsituation und damit nicht vor dem Jahr 2014 wahrscheinlich ist", sagte ein Informant.

Sowohl Opel als auch Peugeot schreiben rote Zahlen, haben Überkapazitäten und müssen Absatzeinbrüche verkraften. Um Kosten zu senken und die Geschäfte in Europa zu sanieren, verhandelt Peugeot mit der Opel-Mutter GM über eine Zusammenarbeit. GM ist seit dem Frühjahr auch Anteilseigner bei PSA. Im Rahmen ihrer Allianz sind die Firmen bisher aber nicht über Vereinbarungen für vier Fahrzeugprojekte und den gemeinsamen Einkauf hinausgekommen. Grund sind auch interne Querelen bei GM.

Opel-Betriebsrat warnt vor Werksschließung

Insider gingen bislang davon aus, dass GM seine verlustreiche Tochter Opel enger mit Peugeot verzahnen oder gar abstoßen könnte. Der Opel-Betriebsrat drängt GM, auf Werksschließungen und Massenentlassungen in Deutschland zu verzichten. "GM muss ein klares Bekenntnis zu allen Opel-Standorten abgeben. Ohne dies wird sich die Marke nicht wiederbeleben lassen", sagte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug.

Falls GM das Werk in Bochum schließen sollte oder Opel als Ganzes gar mit dem französischen Partner Peugeot zusammenlegen würde, käme dies einem Rückzug des US-Konzerns aus Europa gleich. Damit würde GM dem Rivalen VW das Feld in Europa überlassen und müsste sich vom Anspruch verabschieden, weltweit Nummer eins zu werden, sagte Schäfer-Klug.

mmq/Reuters

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Ein einziger hat Opel dauerhaft ruiniert
kampfbuckler 13.11.2012
Lopez oder Gomez hieß er. Sein Vectra, mit geradezu skurrilen Mängeln war das Ende meiner dauerhaften Vorliebe für Opelautos
2. Staatshilfen
lobo85 14.11.2012
Hier hätte sich endlich einmal ein bzw. zwei Konzerne dazu durchgerungen die an allen Ecken drückenden Überkapazitäten anzugehen. Dass dies nur durch Werksschließungen gehen kann ist jedem vernünftig denkendem Mensch klar. Letzendlich hätten die vielen verbliebenen Beschäftigten der Branche, nicht nur bei Opel und PSA, sondern auch z.B. bei Fiat indirekt davon profitiert. Das nun die Sozialisten in Frankreich um Präsident Hollande eine längst überfällige Anpassung der Kapazitäten nicht nur verhindern sondern diese Blockade auch noch mit Staatsmiliarden unterfütter (die bei Frankreichs Haushaltslage und Ausblick doch ohnehin irgendwann von den EU Partnern bezahlt werden müssen) ist bezeichnend für die fehlgeleitete Wirtschaftspolitik der Sozialistischen Regierung in Frankreich. Schlimm nur das uns die Konsequenzen aus einer solchen von Tagträumen geleiteten Politik irgendwann zusammen mit unseren EU Partnern auf die Füße fliegen wird.
3. Schwachsinniges Marketing
famulus 14.11.2012
Zitat von sysopCorbisOpel muss in seinem Überlebenskampf einen Rückschlag verkraften. Die Gespräche über eine Kooperation mit dem Konkurrenten Peugeot wurden der Nachrichtenagentur Reuters zufolge ausgesetzt. Knackpunkt sind offenbar Staatshilfen in Frankreich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gespraeche-zwischen-opel-und-peugeot-ueber-kooperation-liegen-auf-eis-a-867081.html
Ein großer Teil der Probleme von Opel beruht auf dem schwachsinnigen Marketing von General Motors. Oder ist es gar gezielte Absicht. Opel darf seine Autos in bestimmten Märkten nicht verkaufen und die Kunden müssen mit GM-Autos von Daewoo vorliebnehmen. Aber: in Usbekistan wird seit Jahren der Opel Kadett aus Mitte der 90-iger produziert und ist in Zentralasien in großen Stückzahlen vertreten. Als Gebrauchtauto ist Opel weiterhin sehr beliebt in Zentralasien. Korea-Chevrolets erlangen beileibe nicht die Beliebtheit von Opel. Opel wird als deutsches Produkt gleich hinter den anderen selbständigen deutschen Marken eingeordnet. Neuwagen hätten hier größere Chancen sogar als die VW-Marke Skoda. Da sollte man doch wohl eher von gezielter Zerstörung der Marke sprechen.
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