Gewinneinbruch Commerzbank stopft Milliardenlücke

Die Commerzbank hat ihre gigantische Kapitallücke geschlossen und die Stresstestanforderungen der europäischen Bankenaufsicht vorzeitig erfüllt. Bankchef Martin Blessing musste dafür einen herben Gewinneinbruch im ersten Quartal in Kauf nehmen.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Stresstest vorzeitig erfüllt
dapd

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Stresstest vorzeitig erfüllt


Frankfurt am Main - Vor einem knappen halben Jahr rasselte die Commerzbank noch spektakulär durch den Stresstest der EU-Bankenaufsicht EBA: 5,3 Milliarden Euro fehlten der zweitgrößten deutschen Bank Ende 2011. Jetzt hat das teilverstaatlichte Institut die Kapitallücke geschlossen und sogar einen zusätzlichen Puffer von 1,1 Milliarden Euro aufgebaut.

Bankchef Martin Blessing nahm dafür einen Gewinneinbruch im ersten Quartal in Kauf. Unter dem Strich verdiente die Commerzbank Chart zeigen knapp 370 Millionen Euro - gut 60 Prozent weniger als vor einem Jahr. Neben der Neubewertung der eigenen Schulden belasteten dabei Aufräumarbeiten in der Bilanz, mit denen die Bank die Kapitallücke zu einem großen Teil stopfte. Ohne diese Sondereffekte von gut einer halben Milliarde Euro wäre das operative Ergebnis fast stabil geblieben.

Das Schließen der Kapitallücke habe Priorität gehabt, sagte Blessing bei der Vorstellung der Bilanz am Mittwoch. Bereits Ende März und damit drei Monate vor Ablauf der Frist seien die Anforderungen der europäischen Bankenaufsicht EBA geschafft. Die Bank hat die Lücke durch den Abbau von Randaktivitäten und Risikopositionen in der Bilanz geschlossen sowie durch den Rückkauf eigener Schulden, die Umwandlungen von nachrangigen Anleihen in eigene Aktien in Form einer Mini-Kapitalerhöhung und die Einbehaltung von Gewinnen.

Erfolgreiches Mittelstandsgeschäft

Einen konkreten Ausblick für dieses Jahr traute sich die Bank erneut nicht zu. "Die mit der europäischen Staatsschuldenkrise einhergehende hohe Unsicherheit wird die Ertragslage der Bank aber weiterhin vor Herausforderungen stellen", sagte der neue Finanzvorstand Stephan Engels. Zumindest für das Kerngeschäft mit Privatkunden, Mittelstandsbank, Osteuropageschäft und Investmentbanking strebe die Bank ein "solides" operatives Ergebnis an.

Die Commerzbank Chart zeigen profitierte zu Jahresbeginn von der robusten deutschen Konjunktur und ihrem starken Geschäft mit dem Mittelstand. So konnte sie die Vorsorge für faule Kredite um 30 Prozent auf 212 Millionen Euro senken. Zudem sanken die Verwaltungskosten um knapp 400 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden. Dabei zahlten sich Synergien aus der Übernahme der Dresdner Bank aus. Zuwächse gab es auch im Osteuropa-Geschäft, zu dem vor allem die polnische Tochter BRE Bank beiträgt. Die Sorgentochter Eurohypo Chart zeigen fuhr dagegen erneut einen hohen Verlust ein.

nck/Reuters/dpa

insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
herr_kowalski 09.05.2012
1. Das nennt man doch
Zitat von sysopdapdDie Commerzbank hat ihre gigantische Kapitallücke geschlossen und die Stresstestanforderungen der europäischen Bankenaufsicht vorzeitig erfüllt. Bankchef Martin Blessing musste dafür einen herben Gewinneinbruch im ersten Quartal in Kauf nehmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,832172,00.html
kreatives Bilanzmänätschment oder ?!
tko 09.05.2012
2. Gewinneinbruch?
Ein Bank stopft innerhalb eines halben Jahres eine Kapitallücke von 5,3 Mrd. Euro (durch welche Bilanzierungstricks auch immer) und macht trotzdem noch 370 Mio Euro Gewinn. Überschrift des dazugehörigen Artikels: Gewinneinbruch. Irgendwas stimmt hier nicht...
Europa! 09.05.2012
3. Nö, eigentlich nicht
Zitat von herr_kowalskikreatives Bilanzmänätschment oder ?!
Herr Blessing wirtschaftet ziemlich solide. Mit der Integration der Dresdner Bank und der Abwicklung der Eurohypo hat er zwei große Aufgaben fast abgeschlossen. Die Commerzbank kann jetzt nach vorn blicken. Mit Comdirect und ihren polnischen Beteiligungen hat sie zwei echte Perlen im Portefeuille. Und die staatliche Einlage sorgt dafür, dass die Managerboni nicht in den Himmel wachsen. Gefällt mir.
wll 09.05.2012
4.
Zitat von tkoEin Bank stopft innerhalb eines halben Jahres eine Kapitallücke von 5,3 Mrd. Euro (durch welche Bilanzierungstricks auch immer) und macht trotzdem noch 370 Mio Euro Gewinn. Überschrift des dazugehörigen Artikels: Gewinneinbruch. Irgendwas stimmt hier nicht...
Das muß noch lange kein Gschmäckle haben. Wenn die CB sich beispielsweise von einem Teil ihres Kreditengagements getrennt hat, dann sinkt natürlich der Eigenkapitalbedarf, weil diese Risiken nicht mehr abgesichert werden müssen, Natürlich sinken dann aber auch die Einnahmen, da die Zinsen natürlich an den neuen Gläubiger gehen. Ggf. werden dann noch Abschreibungen fällig, wenn der erzielte Erlös unter dem Buchwert liegt - Stichwort "Einmaleffekte". Bedauerlicherweise geht der Artikel nicht näher darauf ein, was genau die CB zur Bereinigung ihrer Bilanz unternommen hat - interessant wäre es allemal...
ooda_maddinoo 09.05.2012
5. Suche Antwort
Zur Zeit befindet sich 25 % der Commerzbankaktien im staatlichen Besitz. Bis Ende 2014 will die Bank ihre restlichen Schulden am Staat abbezahlt haben. Weiss jemand was mit dem 25 % Aktienanteil passiert? Wird dieser Anteil zurück zur Bank gehen? Müsste dann nicht die Gewichtung der jetzigen Aktie im Streubesitz steigen( im Falle die Bank behält die Aktien vom Staat für sich)?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.