Gillettes "Mach3" Gericht untersagt Wilkinson Verkauf von Billigklingen

Entscheidung im sogenannten Rasierklingen-Krieg: Wilkinson darf keine billigen Ersatzklingen für den bekannten "Mach3"-Rasierer des Konkurrenten Gillette verkaufen. Vorräte müssen übergeben werden.

Gillette-Rasierer "Mach3"
DPA

Gillette-Rasierer "Mach3"


Das Düsseldorfer Landgericht hat dem Rasiererhersteller Wilkinson im Eilverfahren untersagt, preisgünstige Ersatzklingen für den verbreiteten Nassrasierer "Mach3" des Konkurrenten Gillette herzustellen. Durch die Nachahmerklingen werde ein Patent von Gillette über die Verbindung von Griff und Klingeneinheit verletzt, sagte der Vorsitzende Richter Tim Crummenerl am Dienstag.

Vorhandene Vorräte an den Nachahmerklingen muss Wilkinson laut Urteil einem Gerichtsvollzieher übergeben, bis über eine mögliche Vernichtung entschieden ist. Bereits an den Handel - also etwa Supermärkte oder Drogerien - ausgelieferte Ware ist davon jedoch nicht betroffen, sagte eine Gerichtssprecherin.

Der Rasiererhersteller Wilkinson und sein Mutterkonzern Edgewell hatten vor Kurzem Klingen auf den Markt gebracht, die auf den Rasierer des Konkurrenten passen. Die Klingen wurden laut Gericht in fünf Drogeriemarktketten als Eigenmarken zu Preisen verkauft, die rund 30 Prozent unter dem Niveau des Originals lagen. Gillette, das bislang ein Monopol auf die Ersatzklingen hatte, beantragte daraufhin eine einstweilige Verfügung gegen den Rivalen.

Preisgestaltung wie im Marketing-Lehrbuch

Wilkinson hatte die Herstellung vor Gericht verteidigt und argumentiert, dass das Patent von Gillette nichtig sei, weil die darin beschriebene Mechanik schon zum Zeitpunkt der Erteilung des Patents 1998 nicht wirklich neu gewesen sei. Das Gericht teilte diese Meinung jedoch nicht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wilkinson kündigte an, in Berufung zu gehen. Doch selbst wenn Wilkinson den Verkauf der Nachahmerprodukte zunächst einstellen muss, können "Mach3"-Besitzer hoffen, schon in absehbarer Zeit wieder billigere Klingen zu bekommen: Das umstrittene Patent läuft im Februar 2018 aus.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf eine Preisstrategie von Rasiererherstellern, die Eingang in Marketing-Lehrbücher gefunden hat: Um Kunden zu gewinnen, verkaufen einige Firmen Nassrasierer verhältnismäßig günstig. Die Ersatzklingen haben hingegen hohe Preise.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa, auch bereits an den Handel ausgelieferte Wilkinson-Klingen seien von dem Rückruf betroffen. Das ist nach Angaben einer Sprecherin des Landgerichts Düsseldorf jedoch nicht der Fall. Die dpa hat ihre Meldung inzwischen korrigiert.

beb/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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chrismuc2011 18.07.2017
1.
warum keinen Adapter verkaufen. Das scheint doch legal zu sein, siehe Optikadapter für Kameras.
frutsch 18.07.2017
2. Mich haben die als Kunden schon längst verloren
Man kauft sich ein Markenfabrikat, und nach einem Jahr gibt es keine passenden Klingen mehr. Weil offenbar die Halterung das wichtigste Teil am Rasierer ist und diese ständig geändert wird. Nein, mir kommen nur noch Einwegrasierer ins Haus. Die funktionieren durchaus auch mehrmals, anders als der Name vermuten lässt. Eine Doppelklinge reicht, Dreifach-, Fünffach- und wer weiß, was noch an Klingen kommt, braucht kein Mensch. Bic, nicht Gilette oder Wilkinson.
gorontalo 18.07.2017
3. BladeMaster
Ja, Rasierklingen sind ein riesiger Markt. Vor Jahren wurde mit dem "Blade Master" eine günstige und umweltschonende Methode entwickelt, Rasierklingen länger scharf zu halten. Der Erfinder ist bei allen Herstellern und Vertriebskanälen (Supermärkte/Drogeriemärkte) abgeblitzt, da der Umsatz der Klingen dann sinken würde. Er hat dann in Eigenregie produziert und über das Internet verkauft. Merke: Die Hersteller sind nicht an guten, nachhaltigen Produkten interessiert, sondern an maximalem Profit.
opriema 18.07.2017
4. Nespresso?
Was ist denn mit den herstellerfremden Kapseln, die in die Nespresso-Maschinen passen? Werden die dann auch bald verboten? Mir scheint das ein sehr spezielles, wahrscheinlich nur juristisch-spitzfindig zu begründendes, Urteil zu sein...
redneck 18.07.2017
5.
Eine frische Wechselklinge ist genauso gut wie ein Fünffach. 3x Klinge gedreht und futsch. Der Fünffach geht zwei Rasuren länger. Die Rasierklinge kostet etwa 20c und ist weltweit verbreitet. Gilette 3 Euro. Hab ein Harry's Abo. 50 cent Klinge. Ganz ok.
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