Gipfelbeschlüsse Goldman Sachs empfiehlt Wette gegen den Dax

Ökonomen verreißen den Gipfelbeschluss von Brüssel. Sie vermissen Instrumente, die die Krise kurzfristig eindämmen könnten. Die US-Investmentbank Goldman Sachs empfiehlt Anlegern sogar, auf fallende deutsche Aktienkurse zu spekulieren.

Goldman-Sachs-Abteilung an der New Yorker Börse: Stimmung gegen Europa
AFP

Goldman-Sachs-Abteilung an der New Yorker Börse: Stimmung gegen Europa


Berlin/Düsseldorf - Die Kanzlerin ist zufrieden. Die Gipfelbeschlüsse von Brüssel hätten eine "neue Basis des Vertrauens" geschaffen, jubelte Angela Merkel (CDU) am Freitag - und wurde in dieser Sicht auch von ihren Kabinettskollegen bestärkt.

Wirtschaftsexperten sehen das jedoch ganz anders. Sie bezweifeln, dass die Beschlüsse des EU-Gipfels zu einer Stabilisierung der Märkte beitragen. "In der Bekämpfung der akuten Krise ist die Politik keinen Schritt weitergekommen", sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner, der Online-Ausgabe des "Handelsblatts". "So wurde weder eine Vergrößerung des Rettungsschirms noch eine verstärkte Intervention der Europäischen Zentralbank signalisiert. Nur so könnten aber die akuten Liquiditätsprobleme der südeuropäischen Volkswirtschaften überzeugend gelöst werden."

Als "unzureichend" qualifizierte auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger in der "Rheinischen Post" die Ergebnisse von Brüssel. Noch sei der Euro nicht gerettet. Gerade kurzfristige Probleme blieben ungelöst.

Nur die Wirtschaftsverbände loben die Beschlüsse

Auch der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, gab sich skeptisch. Ob Schuldenbremsen überhaupt funktionieren, sei mehr als zweifelhaft, sagte er Handelsblatt Online. In jedem Fall bedürfe es Zeit, sie zu implementieren. "Zugleich wird die hiermit verbundene restriktive Fiskalpolitik die zu erwartende Rezession im Euro-Raum verschärfen."

Damit steht der gewerkschaftsnahe Forscher überraschenderweise auf einer Linie mit den Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs Chart zeigen. Auch sie zeigen sich von den Gipfelbeschlüssen enttäuscht - und raten Anlegern, auf fallende Aktienkurse in Deutschland zu wetten. "Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass sich die Euro-Zone auf eine Rezession zubewegt und die Politik keine maßgebliche Lösung für die aktuelle Finanzkrise bietet", schreiben sie in einer Analyse.

Auf dem EU-Gipfel hätten sich die Politiker auf die zukünftige Teilung der Risiken und die Grundlagen der notwendigen Reformen konzentriert. Es habe aber keine Antwort auf die Frage gegeben, wie Griechenland, Italien oder das europäische Bankensystem unmittelbar entlastet werden könnten.

Der wichtigste deutsche Aktienindex Dax Chart zeigen steht nach Einschätzung der Goldman-Experten deshalb vor einer Talfahrt. Anleger sollten sich dies zunutze machen und auf fallende Kurse deutscher Unternehmen spekulieren, empfehlen die Analysten der US-Bank.

In der Nacht zu Freitag hatten sich die 17 Euro-Staaten darauf verständigt, mit einem eigenen Vertrag striktere Regeln zur Haushaltskontrolle umzusetzen. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel scheiterten Deutschland und Frankreich mit dem Versuch, zur Rettung des Euro die EU-Verträge mit Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten zu ändern. Kernpunkte des neuen Vertrags werden eine gesetzlich verankerte Schuldenbremse und automatische Strafen für Defizitsünder sein. Der künftige dauerhafte Euro-Rettungsschirm ESM soll nicht erst 2013, sondern bereits im Sommer 2012 einsatzfähig sein.

Anders als die meisten Ökonomen bewerteten die großen deutschen Wirtschaftsverbände die Ergebnisse positiv. "Die Beschlüsse sind ein großer und wichtiger Schritt", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann. Sein Kollege Hans-Peter Keitel vom Industrieverband BDI sprach von einem "entscheidenden Schritt nach vorne" und einem starken Signal an die Märkte. Der Präsident des Handelsverbands BGA, Anton Börner, misst den Vereinbarungen das Potential zu, die Vertrauens- und Staatsschuldenkrise einzudämmen.

stk/Reuters

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insgesamt 57 Beiträge
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huberwin 09.12.2011
1. Es ist mir so egal was die Zocker von Goldman sachs empfehlen
aber zumindest haben sie sich ja das drucken einer eigenen Werbebroschüre gespart, das übernimmt jetzt der Spon gratis.
merapi22 09.12.2011
2. Jahresend und Neujahrsrally!
Zitat von sysopÖkonomen verreißen den Gipfelbeschluss von Brüssel. Sie vermissen Instrumente,*die die Krise kurzfristig eindämmen könnten. Die*US-Investmentbank Goldman Sachs empfiehlt Anlegern sogar, auf fallende deutsche Aktienkurse zu spekulieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,802813,00.html
Würd ich nicht empfehlen, vielleicht haben wir schon Ende Januar neue DAX Jahreshöchstkurse - historische!
ZiehblankButzemann 09.12.2011
3. Die Goldmänner orakeln!
Zur Zeit kann niemand auf dieser Welt exakt sagen wie sich die Wirtschaft und schon gar nicht wie die Börse sich entwickeln wird. Auch nicht die überbezahlten Boni Abzocker von Goldman Sachs. Goldman Sachs Investment Banker hatten zwar damals, als wenige, in der Lehman Krise richtigerweise auf fallende US-Immobilienpreise gesetzt, aber insgesamt hat daß Goldman Sachs auch nicht davor bewahrt Milliarden Abschreibungen in Ihrem Depot vornehmen zu müssen. Die Schwarzmalerei kann man echt langsam nicht mehr sehen und hören. Könnte sich nämlich auch als Kontraindikator erweisen.
Christian Krippenstapel 09.12.2011
4. Ausgerechnet Goldmann-Sachs!
Vielleicht wären die Herrschaften besser beraten selber solide zu wirtschaften und nicht den einen oder anderen Börsencräsh zu verursachen, den die EU-Steuerzahler dann mit viel Geld auffangen müssen, anstatt vollmundige Statements der Qualität abzugeben: "Die Konkurrenz ist Mist!" Eine Zumutung sowas!
singularität 09.12.2011
5.
Zitat von sysopÖkonomen verreißen den Gipfelbeschluss von Brüssel. Sie vermissen Instrumente,*die die Krise kurzfristig eindämmen könnten. Die*US-Investmentbank Goldman Sachs empfiehlt Anlegern sogar, auf fallende deutsche Aktienkurse zu spekulieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,802813,00.html
Klar empfehlen sie das. Altbekannter Trick, selbst nehmen sie natürlich die Gegenposition ein und wollen ihren Derivate-Dreck an ein paar blauäugige Zocker verscherbeln. Kennt man ja, gerade von GS. Deren wirkliche Meinung ist genau das Gegenteil von dem, was sie laut in die Welt raustuten. Business as usual soweit und keine Schlagzeile wert. Passt nur gut zur EURO-Hysterie, nicht wahr liebes SPON ?
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