Rohstoff-Branche Glencore-Tochter wegen Bestechung von EU-Beamten verurteilt

Eine Tochter des Rohstoff-Riesen Glencore hat nach Ansicht eines belgischen Gerichts einen EU-Beamten bestochen. Auf diese Weise wollte das Unternehmen an sensible Marktinformationen gelangen.

Nickelmine in Australien: Glencore steht erneut in der Kritik - diesmal wegen Bestechung
AFP/BHP Billiton

Nickelmine in Australien: Glencore steht erneut in der Kritik - diesmal wegen Bestechung


Brüssel - Der weltweit größte Rohstoffhändler Glencore steht erneut in der Kritik. Erst gab es Vorwürfe wegen Korruption, Steuermanipulation, Menschenrechtsverletzung und Umweltverschmutzung, nun hat ein belgisches Gericht ein Tochterunternehmen des Schweizer Rohstoffgiganten wegen Bestechung verurteilt.

Die Richter befanden Glencore Grain Rotterdam für schuldig, in den Jahren 2002 und 2003 dem EU-Beamten Karel Brus Handy-Rechnungen über 20.000 Euro bezahlt und einen Urlaub in Südfrankreich angeboten zu haben. Im Gegenzug habe Brus als Mitglied der EU-Agrarbehörde sensible Informationen über Getreidesubventionen herausgegeben. Das Unternehmen wurde zu einer Strafe von 500.000 Euro verurteilt. Brus erhielt eine Haftstrafe von 40 Monaten.

Bis zu seinem Börsendebüt im Mai 2011 war Glencore nur für Brancheninsider ein Begriff - Verschwiegenheit gehört zum Firmencredo. Im vergangenen Jahr hat der Konzern mit 57.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 145 Milliarden Dollar in 40 Ländern erzielt. Die Bandbreite der Firma reicht von Metallen über Mineralien bis hin zu Öl und Agrargütern. Hierbei kontrolliert Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette: Glencore handelt nicht nur mit Waren, sondern fördert auch Rohstoffe und organisiert den Transport.

Die Vorwürfe gegen den Rohstoffgiganten sind nachhaltig: Bei einem Ranking zu gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen landete Glencore 2007 auf dem letzten Platz. Als Korruption beim Öl-für-Lebensmittel-Hilfsprogramm der Uno für den Irak ans Licht kam, hieß es 2005 in einem Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen, Glencore-Leute hätten Schmiergelder an das Regime von Saddam Hussein gezahlt. Als Menschenrechtler Bergbaukonzernen 2008 vorwarfen, in Kolumbien gewaltsam Dörfer räumen zu lassen, geriet auch Glencore in die Kritik.

Aktuell kämpft der Rohstoffhändler um den Minenkonzern Xstrata. 90 Milliarden Dollar will Glencore dafür auf den Tisch legen. Das arabische Emirat Katar fordert, das Übernahmeangebot für den Minenkonzern Xstrata deutlich zu erhöhen - andernfalls will der Großaktionär gegen den Zusammenschluss stimmen.

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Glencore: Das weltweite Netz des Rohstoffgiganten

lei/Reuters/AFP

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