Globale Vergleichsstudie Nordamerika überholt Europa in Reichtumsranking

122 Billionen Dollar - dieses unglaubliche Vermögen haben Privatanleger weltweit angehäuft. Nordamerika darf sich trotz Dauerkrise nun wieder  wohlhabendste Region nennen, zum ersten Mal seit 2008. Aber Europa liegt nur knapp dahinter, und die Schwellenländer legen rasant zu.

Von David Donschen

Börse in New York: Land der Millionäre
AFP

Börse in New York: Land der Millionäre


Hamburg - Es ist gerade einmal gut zweieinhalb Jahre her, dass die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers eine globale Finanzkrise auslöste und die Welt in die schwerste Rezession seit Jahrzehnten stürzte. Anleger verloren mehrere Billionen Dollar an Vermögenswerten.

Inzwischen hat sich die Lage so sehr verbessert, dass die Erinnerung an die düsteren Zeiten fast komplett verschwunden ist. Bereits seit 2009 geht es an den Börsen wieder aufwärts. Und diese positive Entwicklung spüren zunehmend auch die Privatanleger. 2010 stiegen die weltweiten Vermögenswerte, die private Investoren in Bargeld, Aktien, Wertpapieren oder Fonds angelegt hatten, um acht Prozent auf nahezu 122 Billionen Dollar. Das waren fast 20 Billionen Dollar mehr als zum Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008. Diese Ergebnisse gehen aus dem aktuellen "Global Wealth Report" der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor.

122 Billionen Dollar entsprechen ungefähr dem doppelten der globalen Wirtschaftsleistung eines Jahres. Alle Privatanleger haben damit so viel auf der hohen Kante, wie alle Menschen weltweit binnen zwei Jahren erwirtschaften. Allerdings sind die Vermögen ungleich verteilt. Die Einwohner der USA und Kanadas waren insgesamt fast fünfmal so reich wie die Bewohner Lateinamerikas, Afrikas und des Nahen Ostens zusammen.

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Globaler Reichtum im Vergleich: Ergebnisse der BCG-Studie
Die Entwicklung in Nordamerika ist besonders beachtenswert: Obwohl sich vor allem die USA weitaus schwerer als etwa Europa mit der Bewältigung der Wirtschaftskrise tun, ist die Region wieder zur reichsten der Welt aufgestiegen. Rund ein Drittel des globalen Vermögens ist hier angesiedelt.

2008 hatte sich Europa an die Spitze des Reichtumsrankings geschoben - und den Platz im vergangenen Jahr verteidigt. In der Finanzkrise kam den Europäern ihre geringere Risikobereitschaft zugute. Weil sie weniger Aktien hielten, waren sie auch nicht so sehr vom Absturz der Märkte betroffen. Doch seit es an den Kapitalmärkten wieder aufwärts geht, führt die Aktien-Enthaltsamkeit zu einem geringeren Vermögenszuwachs.

Entsprechend profitieren die risikofreudigeren US-Anleger besonders. Der Wert aller Anlagen der Nordamerikaner stieg im vergangenen Jahr um gut zehn Prozent auf 38,2 Billionen Dollar. In Europa lag das Plus bei weniger als fünf Prozent, also nicht einmal halb so hoch. Insgesamt besaßen die Europäer im vergangenen Jahr 37,1 Billionen Dollar. In Deutschland belief sich das Vermögen auf rund 7,4 Billionen Dollar. Europäischer Spitzenreiter waren die Briten mit etwa 7,9 Billionen Dollar Privatvermögen.

So sehr die absoluten Zahlen Nordamerikas und Europas auch beeindrucken mögen - mehr als 60 Prozent des weltweiten Vermögens sind hier zu Hause - macht die Studie auch deutlich, wo die Wachstumszentren der Zukunft liegen.

So legten die privaten Vermögenswerte in der Region Asien-Pazifik (ohne Japan) mit einem Plus von 17,1 Prozent am stärksten zu. Zwischen 2008 und 2009 war der Zuwachs sogar noch beachtlicher. Das bedeutet: Das Vermögen in Asien legte binnen zwei Jahren um fast 50 Prozent zu. Auch im Mittleren Osten, in Afrika und in Südamerika wächst der Reichtum sehr dynamisch.

Steueroase um die Ecke bevorzugt

Ein Ende des Booms ist vorerst nicht abzusehen. Bis 2015 wird das globale Vermögen nach BCG-Berechnungen um durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr zunehmen - vor allem dank der positiven Entwicklung der Kapitalmärkte. Auch in Zukunft wird sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzen: Die Schwellenländer legen am stärksten zu.

Wer schon viel Geld hat, wird immer reicher - diese Regel gilt auch in der aktuellen Phase. So ist die Zahl der Dollar-Millionärshaushalte nach Angaben von BCG im vergangenen Jahr weltweit auf 12,5 Millionen gestiegen. Das waren gut 1,5 Millionen Haushalte mehr als noch 2010. Obwohl sich nicht einmal ein Prozent der weltweiten Haushalte Millionäre nennen können, sind diese im Besitz von 39 Prozent des globalen Vermögens.

Die meisten Millionäre leben nach wie vor in den USA. Deutschland steht im globalen Ranking auf Platz fünf. Allerdings mischen im Club der Reichen zunehmend Vermögende aus Asien mit. Allein in China verdoppelte sich deren Anzahl nahezu.

Wer von Reichtum träumt, könnte mit einem Umzug nach Singapur nachhelfen. In dem asiatischen Stadtstaat gibt es die höchste Millionärsdichte der Welt. Fast jeder siebte Haushalt darf sich zur Crème de la crème der Betuchten zählen. Deutsche, die ihr pekuniäres Glück eher in der Nähe suchen, müssen sich gen Süden orientieren: In der Schweiz verfügt immerhin noch jeder zehnte Haushalt über ein Vermögen im mindestens siebenstelligen Dollar-Bereich.

Wer als Deutscher nicht gleich an den Genfer See ziehen will, legt sein Geld laut Studie gerne in der Schweiz an. Das Land ist neben Luxemburg am beliebtesten, wenn es um die Vermögensanlage der Bundesbürger im Ausland geht. Dass sie Steueroasen um die Ecke bevorzugen, haben die deutschen Millionäre mit den Reichen in aller Welt gemeinsam. So horten US-Bürger ihr Geld vornehmlich in der Karibik und Panama, während es Asiens Vermögende vor allem nach Hongkong und Singapur zieht.

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talvisota 31.05.2011
1. Was ein Wunder,
nachdem mit der angeblichen Immobilienkrise Billionen aus Europa in die USA geflossen sind.
Fuinlhach, 31.05.2011
2. Dollar?
Ehem... der Quatloos ... ughm Dollar ... Dollar sind da viele, zumal die FED die gern auch zum Nulltarif verschenkt. Was hat das bitte mit Reichtum zu tun? Seit wann ist jemand reich, der über eine große Menge Quatloos ähm... Dollar... Dollar... Dollar (mein ich) verfügt? Da kann die EZB doch nachlegen jetzt und noch ein paar Milliarden Quatl... erm... € zu 0% an notleidende Banken verschenken und schon ists wieder ausgeglichen.
Berta, 31.05.2011
3. ja und dann noch
Zitat von talvisotanachdem mit der angeblichen Immobilienkrise Billionen aus Europa in die USA geflossen sind.
die amerikanischen Heuschrecken die Europa aussaugen.
siar 31.05.2011
4. .
122 Billionen? Dagegen sehen die Schulden der Länder lächerlich gering aus.
freierFranke59 31.05.2011
5. Tip
wer gerne sehen mächte, wie wohlhabend die USA wirklich sind, sollte sich mal z.B. in San Francisco umschauen. Und sich nicht wundern über die langen Schlangen von Leuten auf den Gehsteigen - das sind die, die an den Suppenküchen anstehen.
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