Globales Währungschaos Warum die Welt eine neue Geldordnung braucht

Der Euro steckt in der Krise, auch Dollar und Pfund sind angeschlagen - mit verheerenden Folgen für die Globalwirtschaft. Die Regierungen agieren hilflos. Höchste Zeit für eine komplett neue Welt-Währungsordnung.

EZB in Frankfurt: Die Zentralbanker pumpen immer noch viel Geld in die Märkte
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EZB in Frankfurt: Die Zentralbanker pumpen immer noch viel Geld in die Märkte

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Hat die Welt etwas gelernt aus der Finanzkrise? Sind sich Regierungen, Banker und Unternehmer einig über die Ursachen sowie über Ziele und Mittel, um eine Wiederholung zu verhindern? Knapp drei Jahre, nachdem das Desaster mit dem Zusammenbruch des Hypothekenmarkts in den USA begann, ist die Antwort klar und einfach: nein. Jedenfalls nicht genug.

Weder ist eine umfassende globale Regulierung des Finanzsektors in Sicht. Noch ist ein substantieller Abbau der finanziellen Ungleichgewichte in Gang gekommen. Noch ist ein Ausstieg aus der Politik des sehr leichten Geldes in Sicht. Noch ist die Bubble-Ökonomie der vergangenen anderthalb Jahrzehnte beendet worden. Noch gibt es eine Neuorientierung der globalen Währungspolitik.

Die Welt macht weiter wie bisher. Deshalb ist diese Krise längst nicht beendet. Im Gegenteil: In der bisherigen Krisenbekämpfung steckt bereits der Kern für die nächsten, womöglich noch viel zerstörerischeren Verwerfungen.

Eine strikte Regulierung des Finanzsektors haben die G20 - jene 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen, die sich nach dem Crash vom Herbst 2008 zusammenfanden - versprochen. Trotz heftiger Debatten ist nichts geschehen. Daran hat auch der Gipfel von Toronto nichts geändert.

Alles wie gehabt.

Die globalen Ungleichgewichte galten einst als wichtige Ursache der Krise. Ohne die großen Leistungsbilanzdefizite der USA, die insbesondere von chinesischen und arabischen Überschüssen finanziert wurden, hätte es die amerikanische Blase, verbunden mit der Überschuldung vieler privater Haushalte, nie in dieser Größenordnung gegeben. Ähnliches gilt für Spanien und Griechenland auf der einen Seite und Deutschland auf der anderen - aber das sind Binnenprobleme des Euro-Landes.

Leider sind die Ungleichgewichte nicht von allein verschwunden. In der Spitze des Booms der vergangenen Jahre addierten sich die Defizite und die Überschüsse in den Leistungsbilanzen auf rund acht Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. In der Krise sind sie auf vergleichsweise hohen Niveaus verharrt und steigen nun wieder deutlich. Auf der Überschussseite stehen Deutschland, China, Japan und die Ölexporteure, auf der Defizitseite die USA, Großbritannien, Spanien und große Teile Osteuropas, wie Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen.

Alles wie gehabt.

Unterdessen geht die Politik des sehr leichten Geldes weiter. Schon im vergangenen Jahrzehnt haben die Notenbanken, vor allem die amerikanische, die Zinsen viel zu niedrig gehalten. Die Folge ist ein bedrohlicher globaler Geldüberhang: Die Geldmenge stieg über viele Jahre rund doppelt so schnell wie die Wirtschaft wuchs. Im Zuge der Krise weiteten die Notenbanken ihre Liquiditätszufuhr noch mal aus, um den Zusammenbruch zunächst der Banken, nun ganzer Staaten zu verhindern.

Bereits 2008 versprachen sie: Irgendwann muss damit Schluss sein, irgendwann müssen wir zu einer Politik des strikteren Geldes zurückkehren. Doch statt der angekündigten "Exit-Strategien" pumpen die wichtigsten Notenbanken des Westens - die amerikanische Federal Reserve, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England - weiterhin massiv flüssige Mittel in die Märkte. Die EZB sieht sich wegen der Euro-Krise gezwungen, Staatsanleihen in großem Stil zu kaufen, um einen Bankrott der Südländer zu verhindern - noch vor wenigen Monaten ein geldpolitisches No-Go. Die Bilanzsummen aller westlichen Notenbanken haben sich massiv ausgeweitet. Sie sind wieder auf dem Stand des bisherigen Krisenhöhepunkts um die Jahreswende 2008/2009.

Alles wie gehabt.

Entsprechend ist ein Ausstieg aus der Bubble-Economy nicht in Sicht. Das zeigt sich insbesondere an den Immobilienmärkten. Obwohl die Preise in vielen Ländern auch nach den Rückgängen der vergangenen zwei Jahre immer noch sehr hoch sind, werden Häuser bereits wieder teurer. Und zwar fast rund um den Globus. In drei Vierteln der OECD-Länder ziehen die Immobilienpreise wieder an, wie die Pariser Organisation kürzlich ermittelte.

In China ist der Immobilienmarkt derart überhitzt, dass sich der Staat mit regulatorischen Maßnahmen gegen den Boom stemmt. Parallel dazu steigen die Kreditvolumina massiv an - der klassische Mix einer gefährlichen Blase, die irgendwann zu platzen und nachhaltige Verwüstungen nach sich zu ziehen droht.

Alles wie gehabt.

Eine Neuorientierung der internationalen Währungspolitik lässt auf sich warten. Denn dies ist eines der Grundprobleme der heutigen Weltwirtschaft: Die Geldverhältnisse sind aus dem Ruder gelaufen. Die "globale Überschussliquidität" - jener Teil des im Markt befindlichen Geldes, das nicht für realwirtschaftliche Transaktionszwecke benötigt wird - ist stark gestiegen. Warum? Weil die Notenbanken zu lange einen expansiven Kurs gesteuert haben. Und weil die Liberalisierung der Finanzmärkte den Banken und den "Schattenbanken" immer neue Wege der Kreditschöpfung eröffnet hat. Daher die Blasen und die folgenden Crashs, daher die Ungleichgewichte - alles in früher unbekannten Größenordnungen.

Also: Alles wie gehabt?

Die G20 haben sich vorgenommen, die Welt auf einen solideren Wachstumspfad zurückzuführen. Das ist gut so. Doch dazu bedarf es entschlossener Reformen vor allem auf diesen beiden Feldern: Finanzmarktregulierung und Währungspolitik. Beides lässt zu wünschen übrig.

Alle Banken, Schattenbanken, Finanzprodukte und Finanzplätze müssen reguliert werden. Vor allem aber muss sich die Währungspolitik wieder an der Entwicklung der realen Wirtschaft orientieren. Das gilt für den Westen. Und das gilt ebenso für die Schwellenländer, die inzwischen so groß sind, dass ihre Währungsmanipulationen die globalen Güter- und vor allem die Kapitalströme gefährlich verzerren.

Am Ende muss eine neue Geldordnung stehen: Eine Welt ohne Ungleichgewichte und mit regulierten Finanzmärkten. Nur so kann es Stabilität geben. Und nur so ist langfristiges Wachstum möglich.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 118 Beiträge
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Seite 1
ruplanb 28.06.2010
1. .
Zitat von sysopDer Euro steckt in der Krise, auch Dollar und Pfund sind angeschlagen - mit verheerenden Folgen für die Globalwirtschaft. Die Regierungen agieren hilflos. Höchste Zeit für eine komplett neue Welt-Währungsordnung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,703240,00.html
Wir brauchen keine neue Geldordnung. Wir brauchen weniger Krieg (USA) und weniger Verschwendung (EU). Dann klappt es auch mit der Geldordnung !
heinrichp 28.06.2010
2. Ein neues Geldsystem
Zitat von sysopDer Euro steckt in der Krise, auch Dollar und Pfund sind angeschlagen - mit verheerenden Folgen für die Globalwirtschaft. Die Regierungen agieren hilflos. Höchste Zeit für eine komplett neue Welt-Währungsordnung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,703240,00.html
Geld regiert die Welt, heißt es im Volksmund, und der belgische Finanzexperte Bernard A. Lietaer zeigt, daß es in der Tat so ist: Geldsysteme spiegeln die Strukturen und Verhaltensweisen einer Gesellschaft wider und beeinflussen kollektive Entscheidungen. Aber Geldsysteme fallen nicht vom Himmel. Sie werden von Menschen gemacht. In einem großen historischen Rundumschlag offenbart Lietaer, wie psychische Verhaltensmuster, mythologische Vorstellungen und kulturelle Konzepte die emotionale Grundlage von Geldsystemen bilden. Sein überraschendes Fazit: Es liegt an uns, das Geldsystem zu entwerfen, das unser langfristiges Überleben sichert und es uns ermöglicht, Werte für die Zukunft zu schaffen. Wenige Menschen haben in so verschiedener Funktion mit dem Geld- und Finanzsystem zu tun gehabt wie Bernard Lietaer. In den 70er Jahren beriet Dr. Lietaer die peruanische Regierung bei der Optimierung von Währungsgeschäften. Während seiner fünfjährigen Tätigkeit an der belgischen Zentralbank war er für die Einführung des ECU verantwortlich. Anschließend wurde er Präsident des elektronischen Zahlungssystems in Belgien. Von 1987 bis 1991 fungierte Lietaer u.a. als Geschäftsführer und Währungshändler des erfolgreichsten Hedge Fonds (Gaia Hedge II). Um sich auf das vorliegende Buch zu konzentrieren, ist Bernard Lietaer zur Forschung zurückgekehrt: Er unterrichtet derzeit an der Sonoma State University archetypische Psychologie und am Institute for Sustainable Resources and Agriculture der Universität Berkeley nachhaltiges Wirtschaften. http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/15-index.html
maximal-debil 28.06.2010
3. Einfach hier anfangen
Zitat von sysopDer Euro steckt in der Krise, auch Dollar und Pfund sind angeschlagen - mit verheerenden Folgen für die Globalwirtschaft. Die Regierungen agieren hilflos. Höchste Zeit für eine komplett neue Welt-Währungsordnung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,703240,00.html
Wie wäre es mit einer strikten Trennung? Nur ausgewiesene Investmentbanken dürfen ihr Geschäft betreiben. Wer sein Geld einer I-Bank zur Verfügung stellt, tut dies auf eigenes Risiko, es darf keine Einlagensicherung geben. I-Banken dürfen auch nie von Staat geschützt werden. Im Zweifelsfall gehen sie Pleite. Und es muss eine andere steuerliche Regulierung geben. Wer einer ausländischen I-Bank sein Geld gibt hat diese Summe als entnommenen Gewinn zu versteuern. Dieses Verfahren löst (fast) alle Probleme.
Sequester 28.06.2010
4. Ich stimme weitestgehend
mit dem Autor bei der Benennung der Pobleme überein. Nur - warum soll eine neue Geldordnung da Abhilfe schaffen und v.a. wie soll sie aussehen? Bretton-Woods? Eine Finanz-Weltpolizei? Oder was ganz anderes? Wenn man schon auf mehr Regulierung drängt dann sollte man auch einige Ideen haben wie sie aussehen sollte. Ich habe keine, und neue Impulse durch den Artikel habe ich auch nicht bekommen.
vhf 28.06.2010
5. Guter alter Karl...
Zitat von sysopDer Euro steckt in der Krise, auch Dollar und Pfund sind angeschlagen - mit verheerenden Folgen für die Globalwirtschaft. Die Regierungen agieren hilflos. Höchste Zeit für eine komplett neue Welt-Währungsordnung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,703240,00.html
Ist das jetzt der Uebergang von den zyklischen in die allgemeine Krise des Kapitalismus? Dann ging's aber fix. 20 Jahre ohne Konkurrenz und der Kapitalismus ist am Ende.
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