Managerin Barra GM-Chefin entschuldigt sich für tödliche Konstruktionsfehler

Kurz vor ihrem Auftritt im US-Kongress bittet GM-Chefin Barra um Entschuldigung für schwere Konstruktionsfehler in Fahrzeugen des Konzerns. Die Pannenserie betrifft 6,3 Millionen Autos, mindestens 13 Autofahrer starben bei Unfällen.


Washington - Die Chefin des US-Autokonzerns General Motors (GM), Mary Barra, entschuldigt sich für eine tödliche Pannenserie wegen defekter Zündschlösser. "Ich bin zutiefst betrübt", heißt es in einer vorab verbreiteten Rede, die die Managerin am Dienstag vor einem US-Kongressausschuss halten will. Darin betont sie, sie dringe auf eine rückhaltlose Aufklärung der Vorfälle. Die Anhörung mit Barra beginnt um 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Die Opel-Mutter GM hat allein wegen der Zündschloss-Pannenserie 2,6 Millionen Autos zurückgerufen, die allermeisten in den USA. Bei der Unfallserie in den USA gab es mindestens 13 Tote. Zündschlösser waren zu schwach ausgelegt, so dass sie während der Fahrt auf die "Aus"-Position zurücksprangen und als Folge Servolenkung, Bremskraftverstärker sowie Airbag nicht funktionierten.

Bei der Anhörung in Washington geht es vor allem um die Frage, ob das Problem und die Rückrufaktion über Jahre verschleppt wurden. "Sobald ich von dem Problem erfahren habe, haben wir ohne Zögern gehandelt", heißt es dazu in Barras Redemanuskript. "Wir haben der Welt erklärt, dass es ein Problem gibt, das gelöst werden muss." GM werde sich vor der Verantwortung nicht davonstehlen, versprach die 52-Jährige, die erst seit Januar GM-Chefin ist, aber bereits zuvor zur Führungsspitze des Konzerns gehörte.

Die Ermittlungsakte des US-Kongresses umfasst 235.000 Seiten. Eine erste Einschätzung zu dem Fall fällt düster aus: "Obwohl wir die Dokumente erst seit weniger als einer Woche haben, zeichnen sie ein beunruhigendes Bild", heißt es in einer Stellungnahme des Ausschussvorsitzenden Fred Upton und des Vorsitzenden des Ermittlungsausschusses, Tim Murphy.

Hat auch die Verkehrssicherheitsbehörde versagt?

Auch David Friedman, der die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA überwacht, muss sich dem Vorwurf stellen, dass die tödliche Gefahr nicht rechtzeitig erkannt wurde. 2007 hatte sich die Behörde entschieden, keine Untersuchungen aufzunehmen, obwohl es bereits tödliche Crashs und Beschwerden gab.

Erst kurz vor der Anhörung rief GM weltweit weitere 1,5 Millionen Wagen zurück. Bei diversen Modellen kann die Servolenkung plötzlich ausfallen, wie der Konzern in Detroit mitteilte. Das Problem betrifft teilweise die gleichen Fahrzeuge, bei denen auch die Zündung selbsttätig ausgehen kann. Es handelt sich um Modelle der amerikanischen Marken Chevrolet, Pontiac und Saturn aus den Jahren 2004 bis 2010. Damit steigt die Zahl der insgesamt wegen diverser Mängel von der Opel-Mutterfirma zurückgerufenen Autos auf 6,3 Millionen.

Die Kosten für die Rückrufserie sind erheblich. Nach Angaben des Konzerns belaufen sie sich inzwischen auf rund 750 Millionen Dollar.

ssu/dpa-AFX



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DJ Doena 01.04.2014
1.
Kann sich noch jemand dran erinnern, dass Toyotas angeblich von sich aus beschleunigt haben sollen wegen irgendwelcher Fußmatten? Da sind die Toyota-Umsätze in den USA eingebrochen und Millionenklagen wurden erhoben. Irgendwie glaube ich nicht das USA! USA! USA! GMC das gleiche Umsatz-Schicksal erleiden wird. Aber verklagt werden sie wohl schon werden. Sind schließlich die USA.
arch.aisch 01.04.2014
2. Fluch der bösen Tat
So paradox das klingen mag: Ich denke die Vorfälle sind ein Plädoyer für Eigenverantwortlichkeit bei Autofahrern. Die am längsten eingeführten und gewohnten Assistenz-Systeme werden zur Falle, obwohl die Funktionen grundsätzlich beherrschbar bleiben, die betroffenen Fahrer aber offensichtlich kein Gespür für das Verhalten mehr haben, was passiert, wenn die Systeme ausfallen. Das Ganze kombiniert mit nervtötend gleichmäßigem und Aufmerksamkeit vernichtendem Verkehrsfluss ist vermutlich mindestens so gefährlich wie ein bisschen mehr Selbständigkeit beim Fahren.
WernerT 01.04.2014
3. Innerhalb von zwei Monaten mehrere dokumentierte Unfälle bei Toyota
Zitat von DJ DoenaKann sich noch jemand dran erinnern, dass Toyotas angeblich von sich aus beschleunigt haben sollen wegen irgendwelcher Fußmatten? Da sind die Toyota-Umsätze in den USA eingebrochen und Millionenklagen wurden erhoben. Irgendwie glaube ich nicht das USA! USA! USA! GMC das gleiche Umsatz-Schicksal erleiden wird. Aber verklagt werden sie wohl schon werden. Sind schließlich die USA.
Gegen 260 Vorfälle in 10 Jahren bei GM, oder anders ausgedrückt 1,3 tödlich Verunglückter pro Jahr. Da hatte sind mehr Leute mit Toyota oder VW in der letzten Woche tödlich verunglückt. Daher sind solche Fehler schwer zu finden, denn sie verschwinden im statistischen Rauschen
kenterziege 01.04.2014
4. Fluch der Gleichteile ....
Das ist der Fluch der Gleichteile in Kombination mit dem "López'schen" Druck auf die Zulieferer. Im Prinzip,kann das anderen Herstellern auch passieren. Aber wenn so eine riesige Zahl von Zündschlössern betroffen sind, hätte bei einer ordentlichen Feldbeobachtung viel früher ein Hinweis in die "Zentrale" erfolgen müssen. GM war nach dem Krieg bekannt für eine ausgefeilte statistische Qualitätskontrolle von der Produktion bis in die Hand des Verbrauchers. Aufgrund der Grossserienfertigung waren sie europäischen Hertsellern, die noch in Form von "Handarbeit" fertigten, weit überlegen. Opel und auch VW übernahmen diese Methoden erfolgreich. Irgendwann auf dem Weg zu einer quartalsorientierten Gewinnorientierung muss diese Fähigkeit bei GM auf der Strecke geblieben sein! Als Audi mal wegen nachgewiesener Bedienungsfehler in die Schusslinie kam, war die Häme der US-Konkurrenten groß. Das wurde sogar in deren Werbung benutzt. Da aber ein derartiger Grossserien-Koller bei allen möglich ist,,halten sich die Konkurrenten zurück. Wenn man an die Steuerkettenproblematik bei Produkten von Daimler und VW denkt, zu recht. Jetzt muss die neue Chefin von GM beweisen, was sie kann!
zudummzumzum 01.04.2014
5. Wann haftet das Controlling?
Zitat von arch.aischSo paradox das klingen mag: Ich denke die Vorfälle sind ein Plädoyer für Eigenverantwortlichkeit bei Autofahrern. Die am längsten eingeführten und gewohnten Assistenz-Systeme werden zur Falle, obwohl die Funktionen grundsätzlich beherrschbar bleiben, die betroffenen Fahrer aber offensichtlich kein Gespür für das Verhalten mehr haben, was passiert, wenn die Systeme ausfallen. Das Ganze kombiniert mit nervtötend gleichmäßigem und Aufmerksamkeit vernichtendem Verkehrsfluss ist vermutlich mindestens so gefährlich wie ein bisschen mehr Selbständigkeit beim Fahren.
Man müsste tief in die Unternehmensstrukturen eintauchen, um die internen Verantwortlichkeiten zu klären. Wie war es doch damals beim Ford Pinto, als das Unternehmenscontrolling sich gegen die Behebung der erkannten Schwachstelle aussprach, weil man cool ausrechnete, dass gelegentliche Schäden billiger kommen als die fällige Rückrufaktion? GM hat seine Autos "kaputtgespart" und das waren nicht die Ingenieure! Für Europa sollte deshalb das Haftungsrecht derart verschärft werden, dass endlich auch die "Berater", also Controlling, Revision, RiskManagement persönlich in die Haftung nimmt! Die verdienen ein Schweinegeld dafür, dass die Produkte ruhig gefährlicher sein dürfen, als es dem Stand der Technik entspricht!
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